Aschbacher „Hussmouge“ nehmen das Wald-Michelbacher Rathaus nach kurzer Gegenwehr ein

Die Gegenwehr war kurz und heftig, aber erfolglos. Der versammelten Fastnachter-Macht aus Aschbach hatten Bürgermeister Joachim Kunkel und seine doch angesichts der Übermacht stark dezimierte Rathaus-Crew wenig bis nichts entgegenzusetzen. Fast als Alleinkämpfer versuchte der als blasslila auftretende Rathaus-Cowboy Kunkel, die Pforten des Gemeinde-Saloons verschlossen zu halten – doch vergebens.

Lautstark und von einem heftigen Konfettiregen begleitet verschafften sich die „Hussmouge“ Einlass. Mit Beginn der fünften Jahreszeit hatte die Narrenschar aus dem Ortsteil Punkt 17.11 Uhr im Handstreich Besitz von der Verwaltungszentrale ergriffen. Zum Einsatz kam zum ersten Mal das lautstarke Kazoo-Orchester der Aschbacher. „Von dem wird man noch viel hören“, meinte der Hussmouge-Sitzungspräsident Thomas Sattler mit Blick auf die Kampagne.

Bürgermeister Kunkel „beschwerte“ sich in seiner Entgegnung, dass nun zu viel Lärm in der Bude sei. „Hier im Haus ist normalerweise himmlische Ruh, jetzt kommt ihr und weg ist die Ruh – im Nu.“ Normal, meinte er, „müsst ich sagen in voller Empörung, ich zeig euch an wegen Ruhestörung“. Jedoch: „Ihr konntet uns wieder überzeugen, wir wollen uns der Fastnacht beugen.“ Denn die Erkenntnis war selbst im Rathaus klar: „Gute Laune und Humor – das ist gar nicht so schlecht.“

Das Ortsoberhaupt macht in seiner kurzen Kapitulationsrede deutlich, dass nun wieder die Profi-Narren am Werk sind – und nicht die Amateure wie sonst: „Ab heute richtige Narretei und Frohsinn hier regiert. Fast wie’s ganze Jahr – mal sehn was nun passiert.“ Ab sofort kann sich Kunkel zurücklehnen, denn bis Aschermittwoch ziehen die Hussmouge den Karren. „Wir fügen uns jetzt euren Regeln, ihr Narren.“

Er wünschte den Karnevalisten eine Kampagne, „dass es nur so kracht“. Dazu auch tolle Veranstaltungen, viel Freude, Begeisterung, „bei euch wird immer viel gelacht“. Dass die Aschbacher die richtige Stimmung verbreiten, hat Kunkel seit vielen Jahren in bester Erinnerung. „Ihr Hussmoge habt einen tollen Schwung.“ In weiser Voraussicht hatte man sich im Rathaus bereits mit Getränken und Süßigkeiten eingedeckt, um so die große Narrenschar zu beschwichtigen. Mit Erfolg…

„Es ist geschafft, die Tür ist offen, dass sie zu bleibt, konntet ihr nur hoffen“, reimte Sitzungspräsident Thomas Sattler. „Die fünft Jahreszeit hat heut begonnen, das Rathaus haben wir schon eingenommen. Bis Aschermittwoch haben wir die Macht, im Rathaus wird nur noch gesungen und gelacht“, gab er als Motto für die närrischen Tage vor. „Alle Hussmouge und Beamte, das wird eine Schau, rufen zusammen ein dreifaches Helau.“

Die närrische Schar hatte es sich nach einem wahren Konfettiregen unter den Klängen des Kazoo-Orchesters im Foyer bequem gemacht. Die Kostüme waren dabei ein Mix aus den vergangenen Jahren: Mexikaner stand neben Cowboy, von der vielfältigen Tierwelt ganz zu schweigen. „Nur wenige von uns sind daheim geblieben“, machte Sattler die drückende Übermacht der Hussmouge deutlich. Um die 50 Narren waren es, die die schmale Rathaus-Besatzung mit Jubel, Trubel, Heiterkeit überwältigten.

Von den sieben Aschbacher Tanzgruppen war jede mit einigen Teilnehmern vertreten: Gibos, Devils, Galaxy, Just for fun, 1,2 step, M.A.D. (Men at Dance) und VIP verbreiteten im Rathaus ebenso Fröhlichkeit wie Büttenredner der Hussmouge. Weil Bürgermeister Kunkel so bereitwillig den Schlüssel herausgegeben hatte, wurde er mit den ersten zwei VIP-Karten für die kommende Prunksitzung belohnt. Vor allen anderen: Denn der reguläre Vorverkauf startet erst beim Aschbacher Weihnachtsmarkt am 10. Dezember. Und auch das letzte Mal, da seine Amtszeit Mitte des kommenden Jahres endet.

Die Fastnachtssitzungen werden unter einem langen Motto stehen: „Ob Wirklichkeit, ob Fantasie, im
Zauberwald, da weiß man nie – die Hussmouge auf verwunschenen Wegen“. Termine sind: Freitag, 3., Samstag, 4., Freitag, 10., und Samstag, 11. Februar. Die Vorbereitungen für die neue Kampagne, deren Programmpunkte natürlich noch ein streng gehütetes Geheimnis sind, laufen laut dem Sitzungspräsidenten auf Hochtouren.

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