Klavierkabarett voll Hintersinn und Wortakrobatik mit Daniel Helfrich in Fürth

Ein Quasi-Heimspiel ist immer etwas Besonderes. Wenn also der Scharbacher Kabarettist Daniel Helfrich in Fürth Station macht, kann er sich gewiss sein, dass da eine Menge Leute im Publikum sind, die ihn schon länger in seinem Künstlerdasein begleiten. Und mit denen er umgekehrt leichtes Spiel hat, sie zum Mitmachen zu animieren, aber ebenso mal den einen oder anderen unverhofften Zwischenruf kassiert. Gerade feierte sein neuestes Programm „Eigentlich bin ich ja Tänzer“ Premiere, jetzt war Helfrich in der Aula der Heinrich-Böll-Schule mit seinem Best of seiner bisherigen vier Soloprogramme zu Gast.

Wer den Kleinkünstler kennt, weiß, dass er dabei Großes erwarten kann. Kurt Schmitt vom veranstaltenden FC freute sich zu Beginn mit Blick auf die volle Aula über die schöne Resonanz auf das Gastspiel des Kabarettisten, der die meiste Zeit des Jahres nicht im Odenwald, sondern in ganz Deutschland auf den Bühnen, die die Welt bedeuten, unterwegs ist.

In Fürth präsentierte sich Helfrich bestens aufgelegt. Nach einem paar Minuten des Eingewöhnens war schnell der Bann gebrochen. Das Publikum ging bei jedem seiner Sketche oder Musikstücke voll mit, begleitete die Lieder mit einem Refrain, kicherte mal verschämt, wenn es schlüpfrig wurde, lachte mal laut los, wenn der Scharbacher einen Gag nach dem anderen raushaute.

Die kamen zuerst noch bisschen verhalten, als er Ausschnitte aus seinem ersten Programm „Alle mal die Hand heben!“ bot. Mit dem hatte Helfrich vor zehn Jahren in der Music Hall Weiher Premiere. Die Interaktion mit dem Publikum war aber bereits vom Feinsten. Wie der Kabarettist durch Handaufheben nach und nach ein paar peinliche Geheimnisse herauskitzelte, die eigentlich die Umgebung oder der Partner nicht wissen durften, war schon eine Klasse für sich – massenweise Lacher inklusive.

„MusiZierFische – Ausgenommen werden wir alle!“ hieß vier Jahre später Helfrichs zweites Solowerk. Neben der Vorstellung diverser Tierchen wie Ner-Fisch, Geogra-Fisch, Spezi-Fisch oder Pornogra-Fisch in all ihren Facetten ist es das Lied „Leben am Limit“, das viel Beifall einheimste. Der 43-Jährige skizzierte hier mit seinem Piano als Zerrbild einen Lebemann, der sich als Superheld selbst für super hält – und nicht merkt, wie lächerlich er eigentlich ist.

Voll Hintersinn und Wortakrobatik ist Helfrich Exkurs über sein Pech mit den Frauen und dem Vorsatz, nie wieder was mit einer Erdkundelehrerin anzufangen. Die Zungenverrenkungen rund um die verschiedenen Länder sind vom Feinsten und erschließen sich manchmal erst im zweiten Durchgang durch die Gehirnwindungen – aber dann explodieren sie in umso lautere Lacher. Was der Scharbacher hier ablieferte, war Kabarett auf ganz hohem Niveau.

Wer nun glaubte, Helfrich könnte nicht noch einen draufsetzen, sah sich getäuscht. Der „Beta-Mann“ im Anschluss mit seinen Zitaten aus vielen bekannten Pophits, in fliegendem Wechsel dargeboten, war ein Parforceritt durch die Musikgeschichte, wie er besser nicht sein konnte. Ob es nun die „Beta-Männer“ von Grönemeyer waren, Stings „Betaman in Fürth“ oder es „It’s raining betaman“ nach den Weather Girls hieß, der Künstler hüpfte von Lied zu Lied, wechselte zum Schluss sogar noch mitten im Satz Text und Melodie, dass die Ohren kaum noch folgen konnten – ganz großes Kino.

Musiktitel wie aus der Pistole geschossen brachte er auch nochmal direkt vor der Pause, als es die Ohrwürmer als Stakkato gab. Hey Jude, 99 Luftballons, Auf der Reeperbahn nachts um halb 1, I can feel it in the air – im fließenden Übergang ratterte Helfrich wie aus der Pistole geschossen einen Hit nach dem anderen runter, zeigte seine große Musikalität, sorgte dafür, dass das Publikum kaum noch hinterher kam und heimste damit einen Riesenapplaus ein.

„Das halbnackte Grausen“ hieß Helfrichs dritter Solo-Steich, in dem er sich selbst virtuos am Klavier begleitend die vielfältigsten Musikstile durchstreifte. Nicht nur die Quälgeister des Alltags stellte er dabei zur Schau, sondern auch herzzerreißende Menschenfresser, die auch vor kleinen Hunden nicht halt machen. Er präsentiert das Böse aus einer völlig neuen, totkomischen Betrachtungsweise und verbindet hierbei amüsante Gesellschaftssatire mit literarischem Musikkabarett und Trash. Der 43-Jährige Er spöttelt, sinniert, persifliert, parodiert, scheut sich nicht vor Bosheiten und gibt allen orthodoxen Pessimisten recht: Die Welt ist schlecht.

Auch wenn er es in der Tanzschule nicht über den Grundkurs hinaus gebracht hat: „Eigentlich ist er ja Tänzer“, meinte Helfrich in seinem neusten Werk. Skurril, geistreich und auch etwas morbid zeigte er, dass das ganze Leben ein einziges Tänzeln zwischen Fettnäpfchen und großem Auftritt, zwischen Taktgefühl und Taktlosigkeit, zwischen anmutigem Ballett und wildem Breakdance ist. Er begab sich in Text-Pirouetten und -Promenaden von Slow Fox bis Quickstep auf das glatte Parkett des Alltags.

Nach über zwei Stunden Programm, allein auf der Bühne mit seinem Klavier und ein paar Fischen, zeigte Daniel Helfrich gezeigt, wieso ihm der Weg von Scharbach auf die ganz großen Kabarettbühnen offen stand. Er begeisterte seine Fans mit seinen verschwurbelten Gedankengängen, abstrusen Einfällen, süffisanten Ausflügen unter die Gürtellinie mit einigen Aha-Effekten und vor allem seinem geistreichen Witz, der manchmal durch die Hintertür kommt, aber diese dann mit einem umso lauteren Knall ins Schloss fallen lässt. Kurzum: ein witziger Odenwald-Exportschlager, wie es gerne noch mehr geben könnte, damit der Rest der Republik noch viel mehr zu lachen hat.

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