Vielbeklatschte Entführung auf die Grüne Insel: Die „Irish Voices“ gastierten in Buchklingen

Ihre Musik versprüht kein Mallorca-Feeling, es steht auch niemand auf den Tischen. Aber sie verbreiten gute Laune, haben ihren eigenen Stil, ihre eigenen Arrangements, einfühlsame Texte, witzige Anekdoten und vor allem Spielfreude, sie sich immer auf das Publikum überträgt: Ihren letzten Auftritt in diesem Jahr hatten die „Irish Voices“ in Buchklingen. Ein kleiner Ortsteil von Birkenau, der grad mal 206 Einwohner zählt, aber dem Folkquartett im „Grünen Baum“ genau wie im vergangenen Jahr wieder ein volles Haus mit über 70 Gästen bescherte.

Die vier Musiker boten eine Mischung aus traditionellen irischen und schottischen Balladen, angesagten Pubsongs und eigenen Kompositionen. Alle Songs haben dabei einen geschichtlichen Hintergrund. Das Publikum reagierte zunächst verhalten, abwartend, legte aber genau wie die Musiker selbst im Laufe des Abends die ursprüngliche Zurückhaltung ab und ging mit. Die Schlussakkorde vor der Pause und die Zugaben am Schluss waren der Mundart gewidmet. Eigene Stücke wie der „Draisinen-“ oder „Hundeknoddelsong“ brachten das Publikum immer wieder kräftig in Stimmung.

An Höhepunkten  und Besonderheiten gab es „einiges auf die Ohren“. Musikalisch genügten die Reels, Jigs und Hornpipes, die Instrumentals höchsten technischen Ansprüchen. Die „Voices“ spielten oft einige zu einem Potpourri aneinander gereiht wie etwa „Irish Washerwoman“. Hier waren Simone Köhler auf der Tin Whistle und Friederike Hornauer auf der Geige in atemberaubender Geschwindigkeit „unterwegs“, was die Zuhörer zu einem Begeisterungssturm hinriss.

Aus der Grafschaft Donegal hatte Siggi Winkler einen selten gespielten Song im Gepäck. Sein „Down the moor“ erzählte die schöne Geschichte eines Iren, der sich in der Heidelandschaft in ein hübsches Mädel verliebte, die eine Schafherde hütete. Die war durch den Flirt so abgelenkt, dass alle Schafe plötzlich weit verstreut umherliefen.

Simone Köhler absolvierte ihren viel beachteten Soloauftritt nur mit der eigenen Zupfgitarre. Sie spielte den Titel „Freight train“, der auch in der Version von Pete Seeger bekannt ist. Mit „My heart will go on“ hatte sich Johanna Boch an eine sehr schwierige Aufgabe gewagt – denn in den Fußstapfen einer Celine Dion zu wandeln ist nicht einfach. Der lang anhaltende Beifall war ihr Lohn für ein sehr gelungenes Experiment.

So bunt gemischt wie die viele Köpfe zählenden Gäste war auch der Set. Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfingen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gab es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Zum Einsatz kamen traditionelle Instrumente wie Geige, Flöte, Gitarre, Tin Whistle, Querflöte, Gitarrenbanjo und die Rahmentrommel Bodhran.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte, viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Das habe sich bis in die Neuzeit nicht geändert, Beispiel Nordirlandkonflikt, so Siggi Winkler. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

Mit dem „Lord of the Dance“ ging’s mitten rein in einen der bekanntesten Stücke Songs der Grünen Insel. Er lebte von der Dynamik auf der Viola. Prompt klatschten schon ein paar Zuschauer mit, der Rhythmus ging eindeutig in die Finger. „Missing you“ wiederum verdeutlicht die Fähigkeit der Iren, aus einem melancholischen Stück einen eingängigen Song zu machen. Neben der darin thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. So bei „Foggey dew“, das die Erinnerung an den blutig niedergeschlagenen Osteraufstand 1916 wach hält.

Durch das Programm führten alle Musiker abwechselnd mit launigen, aber auch gelegentlich tiefsinnigen Texten, durch einige Limericks garniert. Den lustigen Abschluss bildeten einige Lieder zum Mitsingen wie der „Drunken Sailor“, dem Lokal gewidmet die „Grienebooms Liss“, und als Klassiker der Mundartklassiker „Scholze Grait“. Die Hobbymusiker nehmen sich nun für einige Monate eine Auszeit, um ein neues Programm zu erarbeiten. Die Premiere ist für den 22. April 2017 in Weiher vorgesehen.

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