Wald-Michelbacher Bürgermeister-Kandidat Matthias Schimpf bei der FDP: „Ein Bürgermeister muss Verwaltung kennen und können“

Einmal in 70 Minuten quer durch die Gemeinde und dazu noch einen Blick über die Gemarkungsgrenzen in den Odenwald und Richtung Bergstraße werfen: Bürgermeister-Kandidat Matthias Schimpf stellte sich und seine Vorstellungen jetzt bei der Wald-Michelbacher FDP vor. In einem Schnelldurchlauf streifte er alle wichtigen Themen, vertrat mitunter pointiert seine Meinung und stellte sich im Anschluss den Fragen der Anwesenden. Nach der Begrüßung durch den Ortsverbandsvorsitzenden Dirk Anlauf plauderte der Kandidat zuerst über seine Vita.

Die Anfrage der örtlichen CDU, sich als Grüner doch mit ihrer Unterstützung für den Posten zu bewerben, „hat mich überrascht“, so Schimpf. Er lege aber großen Wert auf Unabhängigkeit und suche deshalb vor dem Urnengang am 12. März das Gespräch mit den Parteien und Wählervereinigungen. Nach einer Woche Beratung mit seiner Lebensgefährtin „habe ich mich entschieden anzutreten“. Die Überwald-Gemeinde kenne er aus seiner Zeit als Kreisdezernent und durch Besuche bei Bürgermeister Kunkel gut.

Einem ausgeglichenen Haushalt misst Schimpf als Finanzfachmann große Bedeutung zu. Aber nicht auf Kosten der Bürger-Geldbeutel. Gebührenerhöhungen sieht er nur als Ultima Ratio an. Vorher müsse gespart werden. Gerade mit Blick auf die sowieso vorhandenen Standortnachteile des ländlichen Raums sei es wichtig, „Steuersätze niedrig zu halten“ – um den Menschen einen Mehrwert an ihrem Wohnort zu geben.

In diese Überlegungen schließt der Kandidat auch Kindergartengebühren mit ein. Die Drittel-Regelung, wonach die Gemeinde anteilig die Kosten trage, „greift schon längst nicht mehr“. Doch auch hier argumentiert Schimpf mit der Notwendigkeit, Anreize fürs Wohnen auf dem Land zu schaffen. Solange es keinen defizitären Haushalt gebe, sollten die niedrigen Gebühren bleiben. Nur die Sonderwünsche sollten sich in den Kosten wiederfinden.

Am Beispiel der anstehenden Kläranlagen-Sanierung machte der ehemalige Kreisbeigeordnete deutlich, dass „ein Bürgermeister im Thema drin sein muss“. Es reiche nicht nur, die Grundzüge zu kennen, wenn es um Investitionen von zehn Millionen Euro gehe. Sondern es gehe um Gebührenkalkulationen, die Akquirierung von Zuschüssen und vieles mehr. Die Repräsentationspflichten im Amt „sind nur ein Teil der Medaille“, sagte Schimpf.

„Ein Bürgermeister muss Verwaltung kennen und können“, verdeutlichte er. Zusammen mit den örtlichen Gremien gelte es, Politik für den Standort zu organisieren. „Manche haben naive Vorstellungen von dem Amt“, machte der in Lorsch beheimatete Kandidat klar, dass seiner Meinung nach nur ein mit dem Metier vertrauter Fachmann das Beste für die Gemeinde herausholen kann.

Schimpf sieht sich als Teamplayer. Aber nicht als einer, der es toll findet, „wenn andere dann die Arbeit machen“. Sondern er bevorzugt flache Hierarchien auch vor dem Hintergrund gemeinsamer Zuständigkeiten bei den Ämtern. Deswegen will er sich regelmäßig mit seinen Abteilungsleitern zusammensetzen, machte aber auch klar, „dass meine Tür für alle offen ist“. Er sieht dies auch als „ein Stück Wertschätzung für die Mitarbeiter“.

Großes Thema war natürlich auch der Verkehr. Für den Bürgermeister-Kandidaten ist die B38a unverzichtbar. Er brachte die Umfahrung im Weschnitztal aber auch in Verbindung mit einem zweiten Autobahnanschluss in Heppenheim, um schnelle Wege aus dem Odenwald in die Ballungsräume zu gewährleisten. „Ein großer Schritt für den ländlichen Raum.“ FDP-Gemeindevertreter Gerhard Molzahn hatte zwar so seine Zweifel, ob die B38a das Maß aller Dinge ist, andere Mitglieder sahen es wiederum eher wie der Grünen-Politiker.

Auch wenn sich Schimpf positiv überrascht von den wenigen Leerständen in der Ludwigstraße zeigte, will er die Dinge schon im Vorfeld anpacken. Mit Eigentümern, ZKÜ und Wirtschaftsvereinigung möchte er das Gespräch suchen, „um frühzeitig Leerstandsmanagement zu betreiben“. Ein Bürgermeister solle „nah bei den Leuten sein, wenn es Probleme gibt“, sagte er.

WVÜ-Vorsitzender Heinz Fischer hob auf die befürchtete Schließung des Steinbruchs Mackenheim ab und skizzierte die Nachteile für die Region in Bezug auf Arbeitsplätze und Wirtschaftsleistung. Schimpf sprach sich klar für einen Weiterbetrieb aus. Denn ein Aus würde zwar Entlastung für wenige, aber „Belastung für viele bedeuten“, weil dann die Materialien von außerhalb angeliefert werden müssten – Lkw-Verkehr inklusive.

In punkto Windkraft nannte der 48-Jährige eine Bürgerbeteiligung zwar eine gute Idee, die aber beim Stillfüssel-Projekt „nicht weiterhilft“ und keinen Sinn mache. Denn es gebe geschlossene Verträge, die erfüllt werden müssten – sonst drohten Regressansprüche. Die Entscheidungsgewalt liege beim Regierungspräsidium. Nur wenn das die Genehmigung versage, sei das Projekt tot. Die Frage sei „fachlich und rechtlich zu entscheiden“, sagte Schimpf. Deshalb solle man jetzt „in aller Ruhe abwarten“, was die Gutachter vortragen.

Nicht fehlen durfte die ärztliche Versorgung auf dem Land. Vor allem bei Fachärzten sah der Kandidat Handlungsbedarf. Wenn ein MVZ errichtet werden, dann ist seiner Meinung nach Lindenfels als Standort nicht zwingend. Wald-Michelbach oder das Weschnitztal seien ebenfalls sinnvoll, wenn man nach Patientenzahlen und Rahmendaten gehe. Letztendlich müsse das MVZ dort angesiedelt werden, wo ein Arzt wirtschaftlich arbeiten könne.

Advertisements