Mit der „Milchtankstelle“ die Leute auf den Hartenroder Petershof holen

„Wir wollen den Leuten zeigen, wie Landwirtschaft heute funktioniert, sie wieder in den Betrieb holen“, erläutert Peter Gölz jun. die Idee hinter der „Milchtankstelle“, wie sie auf dem Hartenroder „Petershof“ jetzt offiziell in Betrieb genommen wurde. Ihm und der Familie geht es daneben darum, „Vorurteile gegenüber der Tierhaltung zu entkräften“, die oftmals aus Unkenntnis entstehen. „Die Verbraucher sollen schauen, wie es vor Ort tatsächlich abläuft“, betont er. Denn oftmals gebe es falsche Vorstellungen.

Etwa 100 Liter fasst der 24 Stunden geöffnete Milchautomat. Seit etwa einem Monat ist er im Testlauf – mit Erfolg. „Wir sind positiv überrascht“, meint Gölz. Um die 25 bis 30 Liter werden jeden Tag abgegeben. „Sogar Kunden aus Frankfurt waren schon da“, ergänzt sein Großvater, ebenfalls Peter mit Vornamen. Die waren bei der Sommerrodelbahn, hatten auf dem Weg das auffällige grüne Schild gesehen und sich durch die Hartenroder Baustelle zum Hof durchgeschlagen. Die Milchtankstelle wird jeden Tag gereinigt und neu aufgefüllt.

Als die Arbeit mit den Melkrobotern nicht funktionierte, „haben wir im vergangenen Jahr damit begonnen, einen neuen Stall und Abkalbbereich zu bauen“, erläutert Peter Gölz jun. Mit ein Grund sei gewesen, dass man den „Jäger“ in Aschbach als Pacht dazubekommen habe. 250 Milchkühe und ein paar Rinder sind nun auf einer Fläche von etwa 4000 Quadratmetern untergebracht. Im August 2015 wurde begonnen, im Juni 2016 war alles fertiggestellt. Der alte Stall wird nach vor wie vor genutzt.

Der Petershof ist ein reiner Familienbetrieb. Drei Generationen wohnen derzeit auf ihm, „aber an dieser Stelle gibt es den Hof schon seit bald 300 Jahren“, sagt Großvater Peter Gölz. Der Vorname verpflichtet, denn Sohn und Enkel heißen ebenso, wie auch schon mindestens drei Generationen zuvor. Enkel Peter hat Ende Dezember seinen Meisterbrief gemacht und betreut nun mit seiner Verlobten Patricia Weckbach und seiner Mutter Ulrike Gölz unter anderem die Milchtankstelle. Zwei Auszubildende und eine fest angestellte Kraft sind weiterhin in die Arbeit auf dem Hof eingebunden.

„Das Tierwohl ist entscheidend“, betont Peter Gölz sen. Und nicht die Anzahl der Tiere. Denn: „Die 250 Kühe sieht man in dem großen Stall gar nicht“, macht er dessen Weitläufigkeit mit 2200 Quadratmetern deutlich. In der Vergangenheit sei er auf dem Hof oft angesprochen worden, ob auch Milch verkauft werde. Nachdem man von Bauernhöfen aus der Region erfahren habe, dass eine Milchtankstelle gut funktioniere, habe man sie ebenfalls in Angriff genommen – auch um den Kunden zeitlich flexibel das Produkt anbieten zu können.

Wenn die Milchtankstalle gut angenommen wird, könnte man vielleicht über eine Ausweitung des Sortiments um regionale Produkte nachdenken, blickt der Sohn in die Zukunft. Schon jetzt können Eier und Eiernudeln zusätzlich gekauft werden. Fürs Abfüllen der Milch tut es ein beliebiger Behälter. Wer keinen hat, kann vor Ort auch eine Ein-Liter-Milchflasche kaufen. Empfohlen wird – so ist die Vorschrift -, dass die Milch vor dem Trinken abgekocht wird. Für den Außenbereich denken Peter Gölz jun. und Patricia Weckbach im kommenden Jahr bereits an eine Aufwertung.

Ortsvorsteher Stefan Assmann hatte gleich zwei Flaschen zum Abfüllen mitgebracht. Er freute sich darüber, dass es ein solches Angebot im Ort gibt. Für die Eröffnungsgäste, unter die sich auch CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Doetsch gesellt hatte, gab’s darüber hinaus aber auch andere Dinge zu trinken. Und einen von Ulrike Gölz selbst gemachten Zwiebelkuchen, dessen erstes Blech schnell vergriffen war.

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