Waldaktionstag an der Ulfenbachtal-Schule Wahlen: Schüler sollen lernen, achtsam mit der Natur umzugehen

Besser hätten die äußeren Bedingungen für den Waldaktionstag der beiden vierten Klassen kaum sein können. Nur etwas kalt war es noch am Morgen, aber die Sonne schien kräftig, als sich die über 40 Kinder einen Vormittag lang aufmachten, an sechs Stationen auf der zirka drei Kilometer langen Strecke den gleich hinter der Ulfenbachtal-Schule beginnenden Wald zu erkunden. „Bisher hatten wir jedes Mal gutes Wetter“, freute sich Ingrid Kober, die seit etwa zehn Jahren die Aktion koordiniert.

Um Vogelschutz ging es etwa an der Station von Jürgen Sattler und Manfred Heisinger. Zehn verschiedene, präparierte Waldvögel erläuterte Sattler den jungen Teilnehmern der jeweils drei Gruppen, die aus einer Klasse gebildet worden waren. Da ging es dann darum, ob es ein Höhlenbrüter ist oder der Piepmatz Nester baut, wie die gefiederten Freunde heißen oder woran man sie erkennt. Daneben vermittelte er den Unterschied zwischen Sommer- und Winterfutter.

„Die Kinder waren sehr aufmerksam“, freute sich Sattler. Denn sie mussten – wie an den anderen Stationen auch – in einem kleinen Quiz das zuvor Erfahrene umsetzen. In diesem Fall ging es darum, den Vögeln Nester und Futter zuzuordnen. „Schon zwei Mal volle Punktzahl“, vermeldete Sattler nach den ersten beiden Gruppen. Kober ergänzte, dass diese Station den Schülern besonders viel Spaß mache. Sie werde wie die anderen auch ehrenamtlich von den verschiedenen Helfern betreut.

Um Jagd und Tiere ging es an der ersten Station, direkt am Waldrand ein paar Meter hinter der Schule gelegen. Forstpraktikant Daniel Koch, der kurzfristig für den verhinderten Jäger eingesprungen war, brachte bei einem herrlichen Blick über Wahlen den Kindern das Thema näher. Die Aufgaben der Jägerschaft wurden von ihm beschrieben, daneben erläuterte er anhand von Geweihen die verschiedenen Tiere.

Sogar Mufflons, die in der hiesigen Region gar nicht vorkommen, kannten die Grundschulkinder. Mit diversen Fellen und ausgestopften Tieren vermittelte er einen Überblick über die hiesige Fauna. Dass etwa der Biber am Marbach-Stausee wieder heimisch ist, erläuterte Koch am Auffinden von Bissspuren an den Bäumen.

Der Grasellenbacher Forstrevierleiter Martin Quaschning erklärte den Kindern die Bäume des Waldes. Es ging dabei um deren Früchte, Blätter und Rinden. Und natürlich, was man mit den Hölzern alles machen kann. Die Schüler waren dann gefordert, alles zuzuordnen. Förster Stefan Assmann aus Hartenrod sprach über das Ökosystem Wald und die Zusammenhänge in der Nahrungskette. Ein Beispiel: Tote Bäume werden irgendwann wieder zu Erde und ernähren kleine Tiere. Auch wies Assmann darauf hin, dass Eingriffe in die Natur Auswirkungen auf die Tierwelt haben können.

Nach dem Besuch der Station von Hans-Peter Schmidt wollen die Jungs gerne Waldarbeiter werden, wusste Kober. Denn Motorsäge, Schutzausrüstung und die Handhabung des nötigen Werkzeugs üben schon eine gewisse Faszination aus. Schmidt zerlegte bei seiner Demonstration fachgerecht einen Baum, erläuterte, wie viele Kubikmeter nutzbares Holz man daraus gewinnt und zeigte den Bauwagen der Waldarbeiter.

Alexander Hötz ist von Beruf eigentlich Rechtsanwalt. Doch ist er auch begeisterter Funkamateur und gibt unter anderem Orientierungskurse für Erwachsene. Den Viertklässlern brachte er näher, wie sich diese mit einem Kompass und einer Karte in der freien Natur zurechtfinden können. „Ihr müsst ihn so lange drehen, bis das N für Nord in dieselbe Richtung wie das Kartennord zeigt“, sagte er. Und wenn kein Kompass verfügbar ist, dann tut es auch das Sternbild des Großen Wagens, wie es derzeit am Himmel zu sehen. Anhand des Nordsterns lässt sich dann die Richtung bestimmen. Hötz vermittelte weiterhin die diversen Wegmarkierungen und informierte, wie die Höhenlinien entstehen.

Da sich die Ulfenbachtal-Schule „Sinus-Schule für Naturwissenschaften“ nennen darf, habe man überlegt, „den Kindern jedes Jahr ein besonderes Naturerlebnis zu bieten“, erläuterte Kober. Das beginnt bei der ersten Klasse, in der vierten ist es eben der Waldaktionstag. Seit etwa 15 Jahren sei er im Schulprogramm verankert. Es gehe darum, das Erlebnis Wald und das Wissen darüber den Schülern zu vermitteln. Außerdem sollen sie dazu aufgefordert werden, „achtsam mit der Natur umzugehen“. Im Unterricht wird das Thema vor- und nachbereitet. Bei der 4a siegte die Eulengruppe, bei der 4b die Füchse. Alle teilnehmenden Kinder bekamen eine Urkunde.

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