Grundschule Schimmeldewog: Mit dem „Blick über den Zaun“ den eigenen Blickwinkel erweitern

Es geht darum, den eigenen Blickwinkel zu erweitern, quasi „über den Zaun“ zu blicken. Deshalb nennt sich der Schulverbund, dem die Grundschule Schimmeldewog angehört, auch „Blick über den Zaun“ (BüZ). Zehn Lehrer aus fünf dem gleichen Arbeitskreis angehörenden Lehranstalten waren nun zweieinhalb Tage an der kleinen Schule im Wald-Michelbacher Ortsteil zu Gast, um zu schauen, wie andere arbeiten.

Die Mitglieder kommen dabei sowohl aus verschiedenen Bundesländern als auch von unterschiedlichen Schulformen. Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Bremerhaven sind vertreten, private und staatliche, Grund- und weiterführende Schulen ebenso wie Internate. Die mitarbeitenden Lehranstalten hätten sich den Leitsatz „wir wollen voneinander lernen“ auf die Fahnen geschrieben, stellte Udo Cramer von der Bergschule in Heiligenstadt als Sprecher der Arbeitsgruppe heraus.

Der Verbund reformpädagogischer Schulen sei bereits 1990 gegründet worden, so Cramer. Damals nur als Kreis von vier oder fünf Instituten, deren Zahl aber schnell wuchs und bald aufgefächert wurde. Als die Grundschule Schimmeldewog vor etlichen Jahren beitreten wollte, „mussten wir uns bewerben und brauchten einen Bürgen“, erinnert sich Rektorin Sabine Herold. Zu diesem Zeitpunkt hatte man sich im Überwald gerade entschlossen, „neue Wege mit der Freiarbeitsphase zu gehen“. Und suchte nach Unterstützung.

Der Arbeitskreis trifft sich immer im Frühling und im Herbst an einer jeweils anderen Schule. Im kommenden März geht es ins thüringische Heiligenstadt. „Anders als bei einer Schulinspektion entscheidet jedes Kollegium selbst, worauf das Augenmerk gerichtet soll“, erläuterte Cramer. Es gebe sozusagen „eine Rückmeldung auf Augenhöhe“. Was gut funktioniere, ergänzte Herold. Denn „unsere Idee von Schule ist ähnlich gelagert“, im Verbund sei man auf der gleichen Wellenlänge, betonte sie.

Nach dem Ankommen und Kennenlernen diente ein Tag der Hospitation in den Klassen, gefolgt von einer Arbeitsphase. Als Ergebnisse gebe es keine Tipps, was die Schule besser machen könne. Sondern Betrachtungen, über die sich dann das Kollegium selbst Gedanken mache, so Herold. Laut Cramer steht immer die Überlegung im Vordergrund, „wie können wir es besser machen“. Das zeichne die Schulen aus. Es gelte das Lernen so zu gestalten, dass die Kinder eine Grundlage und Werte fürs spätere Leben erhielten.

Sabine Herold ergänzte, dass die Arbeit an der Grundschule Schimmeldewog von Anfang an durch das Schulamt „wohlwollend begleitet wurde“. Die Grenzen dessen, was in Lernalltag möglich sei, „sind viel weiter weg als man denkt“, sagte sie. Ihren Worten zufolge „ist als Schule vieles machbar“, um andere pädagogische Konzepte anzugehen.

Der Besuch der Arbeitsgruppe habe auch viel mit gegenseitigem Vertrauen zu tun, meinte Cramer. „Die Karten werden auf den Tisch gelegt“, weil alle Teilnehmer wüssten, „dass die Dinge im kleinen Kreis bleiben“. So sei es möglich, voneinander zu lernen und zu profitieren. Eine Frage ist laut Herold, ob sich die Kinder wirklich aus eigenen Antrieb intensiv mit einem Thema beschäftigten „oder nur weil es die Lehrer wollen“. Denn über die Jahre hinweg entstehe die Gefahr, bei fehlendem Blick „über den Zaun“ betriebsblind zu werden.

Die Rückmeldungen von den zehn Pädagogen aus den anderen Schulen waren durchweg positiv. Gelobt wurde unter anderem die hohe Wertschätzung im Umgang miteinander. Durch diese besonders offene Form des Arbeitens werde den Kindern großes Vertrauen entgegengerbacht, gleichzeitig aber auch von den Lehrern ein hoher Anspruch gestellt. Die Schüler beraten sich gegenseitig, stellte man fest, arbeiteten freudig, fleißig und ehrgeizig, erledigen Aufgaben selbständig und aus eigenem Interesse. Weshalb sie im Resümee auch als „kleine Forscher“ bezeichnet werden. Die Gäste beobachteten insgesamt „ein außerordentlich hohes pädagogisches Niveau“.

Neben dem Schulalltag gab’s auch noch willkommene Abwechslung in Form einer Nachtwächterführung durch Wald-Michelbach mit Theo Reichert. Der machte unter anderem Station an Ein- und Backhaus und erläuterte deren Besonderheiten. Ein Klassiker ist immer die Erklärung, wie Straßburg und Korsika zu ihren Namen kamen. Die Geschichte der beiden Kirchen in der Ortsmitte, aber auch der Adam-Karrillon-Schule, stieß ebenfalls auf viel Interesse.

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