Paul Stanley hält in Australien die Erinnerung an die Stoewer-Autos wach – Zu Besuch im Überwald

Die Faszination Stoewer ist beileibe nicht nur auf Deutschland beschränkt. Auch in Australien waren die Autos der Stettiner Firma vor und nach dem Ersten Weltkrieg heiß begehrt und der Betrieb einer der größten Importeure. Paul Stanley heißt derjenige, der das Erbe aus den Glanzzeiten des deutschen Automobilbaus auch heute noch auf den fünften Kontinent hochhält. Sein Stoewer-Museum findet sich in Tawonga South (Victoria).

Ab und an zieht es den 69-Jährigen auch nach Deutschland, um dort seiner Passion zu frönen. Dann trifft er in Wald-Michelbach Manfried Bauer, den Leiter des dortigen Stoewer-Museums, den er schon über 20 Jahre kennt. Und fährt mit diesem nach Ueckermünde bei Usedom, wo gerade das Internationale Stoewer-Treffen stattfindet. Es wird von Bauer aus der Ferne organisiert. Über 40 Stoewer-Freunde aus drei Erdteilen versammeln sich dort.

Mit der Faszination Stoewer kam Stanley vor 50 Jahren das erste Mal in Berührung. Und nicht mehr davon los. 1966 war es, als er über einen deutschen Einwanderer einen alten Wagen, als „Skelett“ auf einer Farm entdeckt, in Augenschein nahm. „Sofort war ich vom Stoewer-Virus infiziert“, meint er – weitere intensive Beschäftigung inklusive. Hans Mai, ein profunder Kenner der Industriellen-Familie, sei ihm dabei „eine große Quelle der Inspiration“ gewesen.

Als er noch mitten im Arbeitsleben stand, war Paul Stanley des Öfteren in Wald-Michelbach zu Gast. Der Geophysiker stellte früher Geräte her, mit denen Bomben-Blindgänger im Boden aufgespürt werden konnten. Zum Einsatz kamen diese vor allem in Ostdeutschland, in den früher russisch besetzten Gebieten. 2010 war dann seine vorerst letzte Reise nach Europa, erst jetzt machte er sich wieder auf die anstrengende 24-Stunden-Tour von Australien aus.

Stanleys öffentlich zugängliches Museum umfasst fünf Stoewer-Autos aus den Jahren 1911 bis 1924. B1, C1, D5, D9 und D12 lauten die Bezeichnungen, mit denen die Kenner etwas anfangen können. Er weiß, dass früher viele Wagen des Autobauers nach Australien exportiert wurden. Allein 168 Stoewer seien 1916 im Bundesstaat New South Wales registriert gewesen. 1921 gingen die Importe nach dem Ersten Weltkrieg wieder los, hörten ab dann 1924/25 für immer auf.

„Stoewer machte damals das beste Auto der Welt“, ist der Australier überzeugt. Er ist fasziniert von der Qualität und dem Pioniergeist, den die Fahrzeuge in der deutschen Automobilgeschichte verkörpern. Durch die Bekanntschaft mit Jürgen Stoewer sei sein Interesse an der Firmenhistorie noch größer geworden. Denn den hat Stanley als sehr beeindruckenden Menschen in Erinnerung.

„Ich möchte das Wissen aus früheren Zeiten bewahren“, erläutert der 69-Jährige sein Interesse an der Industrie- und Automobilgeschichte. Auf etwa 200 Quadratmetern lässt er deshalb zuhause Zylinder, Blech, Armaturen und Pferdestärken für sich sprechen. Durch die vielen deutschen Einwanderer um die Wende zum 20. Jahrhundert gebe es heutzutage noch 17 erhaltene Stoewer-Fahrzeuge, die zweithöchste Zahl nach Deutschland. Und den einzigen noch existierenden Traktor, der von der Stettiner Firma hergestellt wurde.

Dass Australien so ein gutes Abnehmerland war, hatte zum einen mit dem guten Ruf der Fahrzeuge zu tun. Und zum anderen mit Bernhard Stoewer sen., der gute Kontakte auf den fünften Kontinent hatte und damit seinen beiden Söhnen Emil und Bernhard den Weg bereitete. Besonders viele Autos fanden zwischen 1922 und 1924 den Weg nach „Down Under“, weiß Stanley. Zu dieser Zeit gab es nämlich Steuerermäßigungen, wenn nur das Chassis importiert wurde. Deshalb haben die Autos aus dieser Zeit einen anderen, australischen Aufbau.

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