Vor dem Spott des Kerweparres war in Gras-Ellenbach keiner sicher

Wehe dem, der sich übers Jahr die Aufmerksamkeit von Kerwepfarrer Tibor Mink zugezogen hatte. Der zückte gleich den Stift, notierte sich alles haarklein und breitete es nun in seiner Kerwepredigt am Sonntagnachmittag in der Nibelungenhalle in den schillerndsten Farben aus. Nach dem Umzug waren Teilnehmer und Besucher ins Warme geströmt und füllten die Sitzplätze bis in den letzten Winkel. Bis alles vorbereitet war, die Kerwejugend in den Zahl marschiert war und auch nach Minks Aufzählungen von diversen Unzulänglichkeiten sorgten die „Stefanos“ für Stimmung.

Der Kerwepfarrer, unterstützt von seiner „Kerwebraut“ Erik Wolf, nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Ein Versicherungsvertreter aus dem Dorf hatte es ihm besonders angetan. Der hatte wirklich für jeden Fall eine Police parat. Ihm werde sogar nachgesagt, Asylsuchenden eine Reiserücktrittsversicherung aufgeschwatzt zu haben und die TSV-Fußballer mit seinen Angeboten zu überschwemmen, meinte Mink.

Wie der „Hüsse“ von Erzboach bis nach Gras-Ellenbach mit seinem heiß geliebten Unimog auf der Straße eine riesige Ölspur hinterliep, war dem Kerweparre auch zu Ohren gekommen. Doch: „Der Hüsse in Eile er hoat koa Zeit, de Fahrer nooch Froankfort, der stäht schon bereit“. Denn mit dem Flieger sollte es in derselben Nacht noch nach Istanbul gehen. Freund Martin musste herhalten: „Du als mein Freund regelscht des. Des wär doch ganz cool.“

Die Reise zur Silberhochzeit von Gerald und Renate sollte was ganz Besonderes sein. „Ganz oben stand – sensationell bepreist – ein kleiner Ort der Griesbach heißt“, fand der Ehemann bei seiner Suche heraus. Natürlich das im Schwarzwald, dachte sich der Jubelhochzeiter. Schnell gebucht und dann kurz vor knapp die Frau damit überrascht. Die ist dann wirklich perplex, als sie merkt, dass der Gute den falschen Ort gewählt hat: „In Griesboach sieht’s aus wie in der Walachei, goanz oan der Grenze zur Tschechei.“

Der Ausflug von Lukas Kessler mit dem alten Moped vom Opa, aber ohne Zulassung und Nummernschild, war so einprägsam, dass er sogar Eingang in den Kerweumzug fand. Ein alter Toyota diente als hergerichtetes Polizeifahrzeug. „Ohne Fihrerschoi äwwer mit korze Hose, dut der Buh im Ort rum bloße.“ Die Strafe folgte auf dem Fuß. Beim Heimkommen „den Kopp lässt er hänge, schwer wie Blei, im Schlepptau fährt die Polizei“. Die Ordnungshüter nehmen sich gleich Vater Klaus zur Brust „un läse dem herhaft die Lewitte“.

Vom Missgeschick beim Skifahren hatte der Kerweparre auch eine Geschichte parat. „Jörg Fuhr und Christoph Dörsam sin aus Stahl un net aus Watte. Wie einst Klammer und Wasmeier in einer Person, rauschen die zwo Richtung Talstation.“ Doch dann passiert es: „Ungebremst und herzhaft wild, ignoriert der Fuhr das Skipisten-Begrenzungsschild.“ Und dann steht ein Reisebus im Weg: „Veel zu schnell mit Urgewoalte, kimmt der Jörg im Heck vom Bus zum Halte.“

Wenn Thorte, Schäfer und die Bettels Brut unterwegs sind, kann das nicht gut gehen, wusste Tibor Mink. Und wirklich: Bei der Rückfahrt von einem Bayern-Spiel in München trieben die es im ICE zu dolle. „Meine Herr’n macht eure Zigaretten aus, sonst lauft ihr ab der nächsten Station zu Fuß nach Haus“, sagte der Schaffner. Doch „Thorthe und de Schäfer“ wollten die Warnung nicht ernst nehmen. Ende der Geschichte: In Aschaffenburg wurden sie von der Bahnpolizei aus dem Zug geholt, mussten Strafe zahlen und sich um den Rest der Heimfahrt selbst kümmern.

Extrem durstig, so der Kerweparre, ist auch die Soma des TSV. Die Reise nach Mittenwald direkt nach der Extrem-Anstrengung für die Leber, nämlich die Kerwe, endete für einen von ihnen teuer. Der „Bauersch Peter“ war so schnell auf der Autobahn unterwegs, dass es zwischendurch gleich drei Mal blitzte. „Spätestens jetzt duts ein jeder raffe, de Pico der gäiht blous fer die Blitzer schaffe.“

Beim anschließenden Luftballon-Wettbewerb waren am Nachmittag Groß und Klein eingeladen, die Ballons um die Wette fliegen zu lassen. Anschließend fand die Siegerehrung aus dem vergangenen Jahr statt. Der Montags-Frühschoppen in der Nibelungenhalle war wieder gut besucht, es gab deftiges Wellfleisch neben den Klassikern Bratwurst und Steaks. Der Landgasthof Hagen sorgte dafür, dass auch allerlei anderes frisch Gekochtes auf den Teller kam. Eine große Kuchen- und Tortentheke durfte nicht fehlen. Für die musikalische Umrahmung des Kerweausklangs waren die „Singles“ zuständig.

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