Der kleine Rabe Socke in Wald-Michelbach: Freundschaft hält auch mal einen Streit aus

„Der kleine Rabe Socke“ steckt doch irgendwie in allen Kindern. Sich nicht an Regeln halten wollen, alles unordentlich hinterlassen, mit dem Essen spielen, mit den Freunden Streit bekommen und sich dann zum Schluss doch wieder versöhnen: ein altbekanntes Muster für die Kleinen und ihre Eltern, das sich im Kindesalter fast jede Woche aufs Neue wiederholt. Ulrich Thon hatte das Stück auf der Grundlage von Nele Moosts erfolgreichen Kinderbüchern für die Bühne bearbeitet. Die Sparkassenstiftung Starkenburg holte es mit dem Kinder- und Jugendtheater Darmstadt nun in die Rudi-Wünzer-Halle.

Um die 200 Zuschauer, klein und groß, dürften es gewesen sein, die die Halle etwa zur Hälfte füllten. Viele davon auch mit ganz jungem Nachwuchs noch unter der Altersempfehlung von vier Jahren. Der konnte mit dem Musical noch nicht so viel anfangen, selbst etwas ältere waren immer wieder unruhig oder wuselten durch die Gänge. Die etlichen Zwischenrufe mal außen vor gelassen.

20 Jahre gibt es nun bereits die Abenteuer des Raben. Vor einem sehr liebevoll ausgestatteten Bühnenbild entwickelte sich die abwechslungsreiche Handlung, bei der die jungen Gäste nicht mit zu viel Text überfordert wurden. Es zeigte sich eine Waldlichtung mit vielen originellen Details, in deren Mitte ein dicker Baum mit Rabennest hervorschaute.

In regelmäßigen Abständen wurden schwungvolle, eingängige Lieder eingestreut, die auch regelmäßig viel Beifall einheimsten. Die stammten von Bastian Pusch, die Choreographie von Alexandra Donarski. Regie führte Marco Böß. Das Rabennest zum Wenden war ein Hingucker, die Kostüme orientierten sich stark an den Buch-Illustrationen von Annet Rudolph. Damit war für die jungen Gäste ein hoher Wiedererkennungseffekt gegeben.

Den Raben Socke gab in der Inszenierung Lisa Parise. Als andere Tiere wirkten: Cecilia Ward, Alexandra Donarski, Milan Mraz, Uli Göke und Sabine Neudeck. Schaf Wolle, Hase Löffel, Wildschwein Stulle, Eddie-Bär und Frau Dachs wuselten, von ihnen gespielt, über die Bühne. Der pechschwarze Vogel mit der rot-weiß geringelten Socke ist den Kindern ganz nah: Er schwindelt manchmal seine Freunde an. Will das geliehene Dreirad nicht zurückgeben. Oder macht den Dachs nach. „Wieso muss man immer brav sein? Das ist doch total öde“, denkt sich der schräge Vogel oft.

Der Rabe und seine Freunde haben riesigen Spaß zusammen und meistern den Alltag mit viel Ideenreichtum gemeinsam. Doch das lustige, wilde Seeräuberspiel läuft aus dem Ruder. Denn der Socke will alles allein bestimmen, lässt die anderen nicht zu Wort kommen und treibt es einfach zu bunt. Es folgt der große Streit und an seinem Geburtstag ist er plötzlich allein. Und plötzlich will der kauzige Vogel gar nicht mehr so vorlaut sein.

Freund Löffel versucht, die Situation zu retten, indem er dem Raben die Benimmregeln erklärt. Das wird dann gleich eine Riesenliste, die Socke gar nicht gefällt. Doch ein Freund nach dem anderen kommt vorbei. Dabei stellt sich schnell heraus: „Nein, sie sind ihm nicht böse.“ Streit kann halt unter Freunden mal passieren.

Als Eddi sein Dreirad gar nicht mehr zurückhaben will und Wolle ihm unaufgefordert die hübsche Mütze leiht, gibt das dem Raben zu denken. Vielleicht kann er doch ein bisschen brav sein? Als er über diese Gedanken grübelt, schläft er ein. Beim Erwachen sind dann alle Freunde da und singen ihm ein Geburtstagsständchen. Eine Steilvorlage für die Kinder im Saal, die gerne mitmachen. Viel Schlussapplaus ist den Akteuren gewiss.

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