BdV beging Tag der Heimat auf der Tromm: Die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg waren nicht einfach

„Identität schützen – Menschenrechte achten“: Unter dieses Motto hatte der Kreisverband Bergstraße des Bundes des Vertriebenen (BdV) seinen „Tag der Heimat“ gestellt. Dieser wurde wie im vergangenen Jahr wieder am Ehrenmal auf der Tromm begangen. Etwa 80 Teilnehmer aus dem gesamten Kreisgebiet – einige hatten sogar noch Besucher mitgebracht – waren dazu auf den Bergrücken zwischen Grasellen- und Wald-Michelbach bekommen. Begrüßt wurden sie dort von der Kreisvorsitzenden Rosl Koberg aus Heppenheim.

Die Landtagsabgeordnete Karin Hartmann (SPD) wies in ihren Grußworten darauf hin, dass die Menschenrechte immer wieder in Mitleidenschaft gezogen würden – egal ob man nun die Vertreibung nach den Zweiten Weltkrieg oder die heutige in den Krisengebieten des Nahen Ostens und Afrika als Beispiel nehme. Weitere Grußworte kamen von Grasellenbachs Bürgermeister Markus Röth und dem BdV-Vorsitzenden im Odenwaldkreis, Helmut Seidel.

Unter den Klängen des Heppenheimer Posaunenchor wurden dann am Ehrenmal, das an dieser Stelle neben der „Schönen Aussicht“ schon seit 1953 seinen Platz hat, Kränze niedergelegt. Zusammen mit dem Kreisvorstand gedachten die Teilnehmer mit einer Andacht den Verstorbenen. In den Jahren nach 1945 waren 33.000 Menschen aus den deutschsprachigen Gebieten des heutigen Tschechiens in den Kreis Bergstraße gekommen. Sie hatten früher ihre Heimat in Eger- und Sudetenland sowie Sudetenschlesien, gemeinhin als Böhmen und Mähren bekannt.

Auf der Tromm kommen die BdV-Mitglieder schon seit langen Jahren zusammen. Früher waren es in großen Zelten mehrere tausend, die sich dort zum Gedenken an die alte Heimat und die Vertreibung trafen, erinnert sich Rosl Koberg. Zwischenzeitlich war man dann in die Nibelungenhalle nach Grasellenbach umgezogen, um im vergangenen Jahr wieder auf die Höhe zu gehen und sich direkt beim Ehrenmal zu treffen.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende Ernst Blumrich aus Lorsch las den Prolog aus einem alten Buch von 1936 vor, nach dem die Kinder damals unterrichtet wurden. „Wir waren treue Mitglieder des tschechoslowakischen Staates“, betonte er. „Meine Eltern unterstützten den Präsidenten“, weiß er noch. Für Blumrich ist es deshalb auch heute noch unverständlich, „warum wir vertrieben wurden“.

Er wies weiter darauf hin, dass der BdV in seiner Charta der Vertriebenen von 1950 auf Rache und Gewalt verzichtet habe. Vielmehr seien viele Freundschaften und Städtepartnerschaften mit Orten im ehemaligen Siedlungsgebiet eingegangen worden. Die sogenannten „Benesch-Dekrete“, mit denen die Vertreibung eingeleitet wurde, sieht der stellvertretende Vorsitzende immer noch als wider die Menschenrechte gerichtet und damit ungültige Gesetze an.

Festredner Landrat Christian Engelhardt wies in seinen Worten darauf hin, dass die Anfänge nach dem Zweiten Weltkrieg in der neuen Heimat sicher nicht einfach waren. Denn die Einheimischen hätten oftmals den Neuankömmlingen mit Misstrauen gegenüber gestanden. „Es dauerte einige Zeit, bis sich das änderte.“ Über die Jahre hinweg, betonte er, hätten sich die Vertriebenen bestens integriert und seien zu einer festen Stütze der Gesellschaft im Kreis geworden.

„Heimat hat jeder von sich in uns“, sagte Engelhardt. Entscheidend sei bei der Wahl einer neuen, ob man die alte freiwillig verlasse oder vertrieben werde. Für die hier Angekommenen sei es ein großer Trost gewesen, „ihr Los mit anderen teilen zu können“. 30 Prozent der Hessen hätte heute einen Vertreibungshintergrund oder seien zugewandert, meinte er. „Der Verlust der eigenen und die Suche nach neuen Wurzeln schweißte zusammen.“

Mit Blick auf die heutige Situation sagte der Landrat: „Keiner kann sagen, ob die heutigen Flüchtlinge hier eine Heimat finden werden.“ Denn die Herausforderungen seien viel größer als damals, die die Vertriebenen zwar andere Gebräuche, aber die gleiche Sprache, gemeinsame Wurzeln mitbrachten. „Wer heute kommt, muss bereit sein, sich auf unsere Gesellschaft einzulassen“, forderte Engelhardt. Außerdem gehe es darum, wie schnell sich diese verändern könne, „ohne dass die Einheimischen ihre Heimat verlieren“.

Der Landrat sagte weiter, es sei „zwingend“, dass die öffentliche Ordnung funktioniere. Auch müssten sich die Menschen darauf verlassen können, dass Gleichberechtigung gelebt werde. Wer komme, solle die Gesellschaft bereichern und „sie nicht so verändern, dass man sie nicht wiedererkennt“, meinte er. Der BdV, lobte Engelhardt, habe immer dazu beitragen, „die Errungenschaften unseres Staates weiterzuentwickeln“.

Kobert und Blumrich dankten Engelhardt für seine Worte. Der stellvertretende Vorsitzende sagte, in ihm „einen neuen Freund gefunden zu haben“, den man gerne in die Vertriebenen-Familie aufnehme. In den vergangenen 60 Jahren habe man bei den Landräten immer ein offenes Ohr für die Belange des BdV gefunden, freute er sich.

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