Für die Wald-Michelbacher Kerwe knien sich die Mitglieder der beteiligten Vereine richtig rein

Die Gassenkerwe ist für viele eine Herzensangelegenheit. Mitglieder der beteiligten Vereine bringen sich mit viel Herzblut und mit etlichen Freizeitstunden in die dortige Arbeit ein, die nicht nur mit den vier Kerwetagen getan ist, sondern auch viel Nach- und noch mehr Vorarbeit erfordert. Der Lohn sind dann brechend volle Straußwirtschaften und Stände, wie sie nach dem Durchzug des Regengebiets am Samstagabend normal sind. Die folgende Kälte sorgte aber dafür, dass früher als sonst Schluss war.

„Ich verbringe das komplette Wochenende auf der Kerwe“, meint Gemeindebrandinspektor Peter Capuani lächelnd. Freitag ist für ihn der Festtag, die anderen drei bedeuten Arbeit. „Wir haben schon am Montag vorher mit dem Aufbau begonnen“, macht er deutlich, welchen Aufwand die Dach-Abdeckung des Anwesens Lulay und der Bachterrasse über dem Michelbach bedeutet. Möglichst bis Mittwoch soll dann alles wieder verschwunden sein, was somit zehn Tage nonstop werkeln bedeutet.

„Das ist schon eine Hausnummer, das mit 50 bis 60 Leuten zu stemmen“, weiß der Kommandant. Ralf Weiß, der zweite Vorsitzende des Feuerwehrvereins, kniet sich dabei besonders rein. „Der fängt schon zwei Wochen vorher an, alles zu richten“, deutet Capuani auf den gerade mit dem Bierzapfen beschäftigten. „Ohne solche Kämpfer kriegt man es nicht hin“, lobt er das ehrenamtliche Engagement.

„Dafür lohnt sich doch der Aufwand“, zeigt Capuani auf die Sitzgelegenheit zwischen Blumen und über dem plätschernden Bach. „Nach zwei Jahren schlechtem Wetter“ ist er froh, dass die Terrasse dieses Mal stärker genutzt werden kann. Pro Schicht sind um die zehn Mann bei der der Wehr um das Wohl der Gäste besorgt – zusätzlich noch die 25 Musiker der Feuerwehrkapelle, die gestern Morgen zum Platzkonzert in der Gass aufspielten.

Für Wolfgang Sax bedeutet die Kerwe die Möglichkeit, „viele alte Bekannte von auswärts zu treffen“. Die Veranstaltung sei „das Highlight im Jahreskalender“, betont er. Sax gefallen daneben die zahlreichen Musikangebote für Jung und Alt. „Eine der schönsten Kerwen der Region“ ist für Bürgermeister Joachim Kunkel die von den vielen Vereinen getragene Kirchweih. Den Aktiven mit ihrer großen Vielfalt gelte es Dank zu sagen.

Man könne die Leute nur anlocken „mit Live-Musik und freiem Eintritt“, sagt Peter Bihn. Allerdings lebe das Programm auch vom guten Wetter. Vor sechs oder sieben Jahren habe die Eintracht angefangen, die Hofwiese mit diversen Angeboten zu beschallen. Seit drei Jahren spielten dort die „Flower Power Men“ und machten den Platz am Einhaus am Samstagabend „zum absoluten Mittelpunkt“.

Weil alle Vereine mitmachten, „ist die Kerwe sensationell gut“, betont Bihn. Sein Aufruf geht an die Bevölkerung, die Arbeit der verschiedenen Organisationen zu unterstützen „und an einem oder mehreren Tagen präsent zu sein“. So sorgten auch die Bürger für den Fortbestand dieser Traditionsveranstaltung.

Eine Zeitreise in die 60er und 70er Jahre unternahmen die Besucher traditionsgemäß mit den „Flower Power Men“ Rainer Schindler und Adax Dörsam. Die sorgen jedes Jahr dafür, dass auf der Hofwiese kein Durchkommen mehr ist. Die Wild Fifties, Swinging Sixties und Rocking Seventies des vergangenen Jahrhunderts wurden durch sie lebendig. Mit ihren beiden Gitarren ersetzten sie problemlos ein komplettes Orchester.

Hits der Beatles, Stones, Bob Dylan, Beach Boys, CCR, Monkees oder Simon & Garfunkel schallten über den Platz und fanden begeisterten Widerhall. Mit ihrem natürlichen Charme, einer gehörigen Portion Spielwitz, Spontaneität und viel Spielfreude rissen die beiden Musiker ihr Publikum mit. Locker schüttelten sie Hit um Hit aus dem Ärmel: Lebendiger kann man die großen Songs der Sixties kaum darbieten. Pünktlich nach dem Regen war der Platz zum Auftritt der beiden wieder sehr gut gefüllt. Als etwa gegen Mitternacht Schluss war, gingen die Besucher aber auch ziemlich schnell heim. Denn die Kälte war dann doch ungenehm.

Aber ebenfalls anderswo spielte kräftig die Musik: Im Lok-Schuppen legte „DJ Captain Chaos“ auf, bei der SG war gegenüber des Rathauses nochmal die Tanzfabrik am Werk und die diversen Verköstigungsstände und Fahrgeschäfte hatten ebenfalls ihre Lautsprecher aufgedreht. Kinderkarussell, Schiffsschaukel, Schieß- und Pfeilwurfwagen sowie der rasante „Twister“ auf der Hofwiese bedeuteten beste Unterhaltung für die Kleinsten.

Advertisements