Kerweparre wusste in Siedelsbrunn auf über 30 Seiten wieder viel zu berichten

Proppenvolles Festzelt am Kerwesonntag: Das Hochzeitsessen, Tafelspitz mit Meerrettich und Kartoffeln, der Auftritt der Straßenmusikanten von der KKM Ober-Abtsteinach und die Kerweredd sind ein Garant dafür, dass in Siedelsbrunn der halbe Ort auf den Schulhof strömt, um kräftig zu feiern. Das ging dann bis in die Abendstunden so weiter, als die Band „Die Zwei“ noch bis in die Nacht zum Tanz aufspielte. Start in den Sonntag war im Festzelt mit dem Gottesdienst. Dieser fand nach der Premiere im vergangenen Jahr wieder im Rahmen der „Sommerkirche im Überwald“ statt.

Die Eintragung ins Burschenbuch am Montag geht auf eine alte Tradition zurück. Die jungen Männer sind dadurch quasi fürs weibliche Geschlecht „freigegeben“. Schon vor ein paar Jahrzehnten wurde dieser Programmpunkt als Attraktion in die Traditionsveranstaltung eingeführt. Schweinshaxe mit Krautsalat war mittags aufs Neue der Renner. An allen vier Tagen gab es auf dem Festplatz die bewährte Unterhaltung für Groß und Klein mit Kinderkarussell und Süßwarenstand. Am Deutschen Haus fand gegen Abend der Ausklang statt.

Kerweparre Björn Stein hatte im vergangenen Jahr mal wieder allerhand Wissenswertes ausgegraben und auf stolzen 33 Seiten seiner Kerweredd niedergeschrieben. Und das ist noch wenig: „Es war so viel, dass ich gar nicht alles mit reinnehmen konnte“, meinte er lächelnd. Seine „Kerwe-Doktorarbeit“ nahm entsprechend auch viel Zeit in Anspruch. Schon zum neunten Mal begleitete Stein mit Mundschenk Jonas Röth die Kerwe. „Das Jubiläum machen wir auf jeden Fall noch voll“, versicherte er.

„Wenn de Gemeinde de Seniorenausflug dut mache, gibt’s immer viel zu lache“, wusste er. Eine Siedelsbrunnerin fand, nachdem unterwegs schon dem Alkohol ein bisschen zugesprochen worden war, das französische Baguette in Heidelberg zum Reinbeißen gut, „weil im Café in der Altstadt laigt ihr ganzes Gebiss“. Was Stein zur Moral von der Geschichte führte: „Old soi und saufe verträgt sich hoalt ned“.

Er hatte auch eine pikante Begebenheit dabei, bei der aus Rücksicht auf die Betroffenen die Namen quasi „geschwärzt“ waren. Da außerdem nicht jugendfrei, tat der Kerweparre sein Bestes, möglichst wenig zu Details zu erzählen, obwohl alle im Zelt wussten, um wen es ging. Und weil das alles etwas gefährlich war, riet er mit Nachdruck: „Sou pikante Sache verzählt ma dem Kerweparre ned.“

Kerweparre Stein mokierte sich außerdem über die Eigenart bestimmter Siedelsbrunner Vereine, immer erst sehr spät zur Generalversammlung einzuladen. Oder mit Pech gleich mit so unvollständiger Tagesordnung, dass gar kein neuer Vorstand gewählt werden konnte. Die, bei denen es schief ging, sollten sich doch ein Beispiel am Nabu nehmen, riet er. „Aus’m letztschde Joar hawwe die gelernt dazu. Veuschs Joar warn die Oiladunge eschd zwo Stunn vorher bei de Leid, des Joar wusste die Mitglieder immerhin schun en Doag vorher Bescheid.“

Was beim Fehlgriff in den Medikamentenschrank alles passieren kann, wusste der Parre ebenso. Denn eine Siedelsbrunnerin hatte eigentlich nur was ganz Harmloses verschrieben bekommen, aber plötzlich trug sie „newwa Schwindel un Fiewer a schun Halotinationen davon“. Der Doktor war ziemlich verwirrt, denn das ist ihm noch nie passiert. Die Auflösung: „Die Tablette die se genumme hot, warn gäihe Malaria.“

Große Aufregung gab’s um ein verschollenes Auto. Das wurde in ganz Siedelsbrunn gesucht, bereits die wildesten Vermutungen angestellt, was am Abend vorher alles passiert könnte und ob man doch einen über den Durst getrunken hatte. Die Auflösung brachte der Anruf der Autowerkstatt: „Braucht er eier Auto net, das steht noch de Inspektion schun zwo Däg fertig bei uns uffm Hof.“

Was so alles passieren kann, wenn ein Gewitter kommt und die Frau deshalb die Leiter vom Haus wegstellt, wusste der Kerweparre auch: „Sie koan er Mann halt nur ned sehe, weil der dut uff de oannere Seit vom Spitzdach stehe.“ Prompt wird es später in der Brunnenstraße laut: „Do kimmt doch eh Gewiter – wer hoat mer moi Larer geklaut?“ Die Rettungstat organisierte dann der Nachbar. Kurzweilig bis zum Schluss unterhielt Björn Stein die Gäste, während der Mundschenk dafür sorgte, dass beim vielen Sprechen der Flüssigkeitsverlust nicht zu groß wurde.

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