Trommer Sommer: Das „GlasBlasSingQuartett“ spielt auf volle Pulle auf den vielen Flaschen

Wasserspender-Kartuschen, Bier- und Plastik-XXL-Wasserflaschen, Bierkisten, Schnapsfläschchen sowie Kronkorken. Nein, auf der Tromm hat kein neuer Getränkehandel aufgemacht. Das Leergut-Equipment gab’s allerdings schon. Und wie. Nämlich vom „GlasBlasSing Quintett“, das damit und mit der virtuosen Beherrschung beim Trommer Sommer einen Auftritt der Extraklasse auf die Bühne zauberte.

Nicht nur die Töne aus den verschiedenen Flaschen, auch die Animation und die lockeren Sprüche der fünf sind erste Sahne. Wahlweise zeigen sich die vielen Gäste begeistert von den ungewöhnlichen Instrumenten und der daraus entstehenden Musikalität oder den Gags, den die Musiker flapsig nebenher rauslassen, sich kräftig gegenseitig in die Pfanne hauen und auch sonst kein Blatt vor den Mund nahmen.

„Volle Pulle – Flaschenmusik XXL“ heißt das Beste aus zwölf Jahren Flaschenkonsum (allerdings ist das Programm schon aus 2015), Schlagzeug spielen auf Wasserspender-Floor-Toms und Pfeifen auf dem letzten Flaschenhals, nicht zu vergessen den sanften Klang von ausgetrunkenen Volvic-Naturelle-Pullen, die, sanft auf dem Oberschenkel getrommelt, zarte Töne von sich geben.

Dass es auch brachialer geht, beweisen Andreas Lubert, Jan Lubert, Jens Tangermann, Frank Wegner und David Möhring ebenfalls. Flugs bekommen zwei Mitmusiker einen Bauhelm auf den Kopf, sodass sie sich als Unterlage bestens für Drum-Soli eignen („früher haben das sogar ohne Helm gemacht“). Eingestreut werden dabei ein paar bekannte Klänge wie „My Giroder“ oder die Titelmelodie von „Mission Impossible“.

Mit viel Situationskomik, Kabbeln und Babbeln kalauern sich die fünf jetzt in Berlin lebenden Harzer durchs Programm. Keiner ist vor dem anderen sicher. Zwischenapplaus und Gelächter begleiten die Intermezzi zwischen den Stücken. Immer wieder unterbrochen von musikalischen Highlights, wenn „Lucifer“ von Alan Parsons so erklingt, wie man es noch nie gehört hat. Oder der „Kleine grüne Kaktus“ zum „Kleinen grünen Fläschchen“ wird, das draußen auf dem Balkon steht.

Die pfiffigen Eigenkompositionen erinnern an andere A-cappella-Gruppen wie die „Prinzen“ oder die „Fuenf“. Nur dass die sich eben nicht auf solch ausgefallenen Instrumenten begleiten. Einen Sinn sollte man natürlich bei den fünf Quatschköpfen nicht erwarten. Wenn das Quintett in „Ich geh durch die Welt und hab so viele Fragen“ darüber nachdenkt, wie viele Schwalben ein Sommer braucht, ist die Nonsens-Marschrichtung vorgezeichnet. Ob Schimmelkäse nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum weiterschimmelt, ist denn auch nur rhetorisch zu verstehen.

Es zischt, klopft, wimmert, dröhnt, posaunt und pfeift: Die fünf Harzer produzieren eine Klangpalette, die einem Orchester in nichts nachsteht. Apropos Harz: Bloß den dortigen Dialekt nicht mit Sächsisch verwechseln. Dazu gibt’s natürlich einige Kostenproben, aber die Unterschiede sind – pardon – für Odenwälder Ohren nicht leicht auszumachen. Dass man eine „Jörke“ isst, „Försisch-Körsch-Aas“ leckt und „Ooren und Orrn“ hat, ist was für Eingeweihte.

Für die Hardcore-Fans gibt’s noch den ersten je gespielten Song (kurzes Husten auf einer Flasche ins Mikro), den Uralt-Hit „Popcorn“, bei dem die fünf glasklare Flaschen entploppen, das Stück mit den Kronkorken-Kastagnetten, einen Elvis-Song oder Mozarts „Rondo alla turca“. Bei dieser Bandbreite allein wird schon deutlich, zu was Flaschen alles fähig sind. Und noch mehr die Musiker, die sie bedienen.

Begeisterter Beifall zum Schluss, Zugabe-Rufe, die gerne bedient werden, folgen und ein musikalisch außergewöhnlicher Abend geht auf der Tromm zu Ende. Und die Zuschauer gehen in dem Bewusstsein nach Hause, auf den Odenwald-Höhen einen Kulturgenuss erster Güte gesehen zu haben, den sie ansonsten in der Region lange suchen müssen.

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