Hochlandspiele auf der Raubacher Höhe zogen die Besuchermassen an

Wenn der Boden unter den harten Jungs ganz weich wird, dann sind die Schotten los: Das Seilziehen war die größte Attraktionen der Odenwälder Hochlandspiele, die als krönender Abschluss der Köhlertage auf der Raubacher Höhe stattfanden. Hunderte von Zuschauern säumten das Areal, um den sechs Teams bei ihren schweißtreibenden Tätigkeiten zuzuschauen, zu erleben, wie kräftige, gestählte Oberarme und durch gnadenloses Bier-Doping geformte Körper letztendlich den Sieg über die in diesen Dingen noch etwas unerfahrenere Jugend davontrugen.

Schon Baumstammwerfen und Fasslaufen begeisterten die zahlreichen Besucher ein ums andere Mal. Das war aber nichts gegen das Tauziehen, auf dem die Gäste von der oberhalb verlaufenden Straße hinabschauten und es sich zur Betrachtung im Gelände bequem gemacht. Unter der Moderation von Christof Klos und Bernd Egner von den ausrichtenden Vereinen GV Harmonie Ober- und FC Odin Unter-Schönmattenwag wurden die Dreier-Team begeistert angefeuert, zu neuen Höchstleistungen motiviert.

Stetig bohrten sich die Schuhe unter den Kilt-bewehrten Beinen tiefer in die sowieso schon matschige Erde, wurden ein paar Einblicke nach oben frei (was trägt ein Odenwälder unter seinem Kilt?) und tönten die lauten Motivationsrufe über den Platz. Doch sämtliches Anstemmen gegen die Niederlage half oft nichts, wenn sich gegenüber rohe Gewalt und dicke Muckis mit der nötigen besseren Technik paarten.

Fürs Fasslaufen hatten sich die Organisation noch einen besonderen Schwierigkeitsgrad ausgedacht. Denn damit es den Teams nicht zu leicht fiel, musste im Vorfeld eine Runde Huckepack absolviert werden. Kein Wunder, dass einige danach schon etwas außer Puste nahtlos in die nächste Runde gingen. Gelände-Unebenheiten und das mit Wasser gefüllte, schwankende Fass ließen so manchen Ausbrecher nach links oder rechts zu. Dazu gab’s ein paar süffisante Kommentare von Christof Klos („Die haben einen Abstecher runter die Raubach gemacht“).

Für die Titelverteidigung reichte es den „Mc Greinländern“, Feuerwehr-Angehörigen aus dem Neckarsteinacher Stadtteil, dieses Jahr nicht. Sie mussten sich mit dem vierten Platz zufrieden geben. Beste Mannschaft in der Gesamtwertung waren die „Mc Dregger“ aus Unter-Ostern, gefolgt von den beiden Teams der Woinemer Highlander. Die hatten sowieso Übungsvorsprung, da sie Ende Juli ihre eigenen Highlandgames ausgerichtet hatten.

Die Lokalmatadoren links und rechts der Raubacher Höhe schafften es nicht aufs Treppchen. „Mc Bitte Bereithalten“ aus Schönmattenwag kam auf den fünften Platz, die „Mc Raubacher Jockel“ aus dem Rothenberger Ortsteil wurden Sechster. In die Wertung flossen die beiden Versuche beim Baumstammweitwurf ein (ein Überschlag gab Zusatzpunkte), das Fasslaufen und die Ergebnisse des Tauziehens jeder gegen jeden.

Mit schottischen Fahnen und der Kilt-Pflicht beim Wettbewerb hatten die Veranstalter fürs entsprechende Ambiente gesorgt. Damit auch musikalisch die richtige Stimmung aufkam, waren die „Heidelberg District Pipes & Drums“ verpflichtet worden. Die fünf Musikerinnen und Musiker sind Meister auf ihren Instrumenten wie Dudelsack und Trommeln und bekamen viel Beifall für die Darbietungen.

Den ganzen Tag über herrschte Hochbetrieb auf der Aktionsfläche. Während unter der Woche mehr die Einheimischen aus dem Überwald die Veranstaltung frequentierten, schaute am Sonntag die halbe Metropolregion vorbei. Gäste von Mannheim bis Dieburg, von Weinheim oder der Bergstraße bis nach Erbach und Michelstadt hatten sich auf den Weg mitten in das Herz des Odenwalds gemacht, um neben der alten Handwerks-Tradition diese besondere Gaudi miterleben zu dürfen. Der Kohlenmeiler sei inzwischen „eine überregionale Institution“, so Klos.

Wie überhaupt viel Lob bei den ausrichtenden Vereinen ankam. „Das angebotene Essen wurde sehr gelobt“, wusste Christof Klos. Auch FC und Harmonie wiederum waren mehr als zufrieden mit dem Erreichten. Bei den Hochlandspielen war für Klos gefühlt noch mehr los als in den Vorjahren. „Wir stoßen langsam an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagte er. Und das sowohl verkehrstechnisch, logistisch als auch von der Anzahl der Sitzplätze her.

„Absolut positiv“ antwortet Harmonie-Vorsitzender Christof Klos auf die Frage nach dem Fazit der Köhlertage. Die Veranstaltung sei „rundum gelungen“ gewesen, sagt er. Sehr gelobt worden sei das angebotene Essen, aber auch die gemütliche und tolle Atmosphäre mitten im Wald und die Gastfreundschaft von FC und GV. Die hatten über die zehn Tage etwa 400 Helfer-Positionen zu besetzen.

Ohne die tatkräftige Mitwirkung der Vereinsaktiven wäre ein solches Mammut-Event gar nicht durchzuführen, betonte Klos seinen Dank an alle Helfer. Die meisten kommen aus den beiden Schönmattenwags, aber auch abseits der Vereine finden sich immer wieder Mitstreiter, so aus Affolterbach. Und natürlich die nicht wegzudenkende Hausfrauen-Armada aus Unter und Ober. Ihr ist es zu verdanken, dass am Highlight-Sonntag über 60 Kuchen angeboten werden konnten.

Die Platte geputzt wurde gestern nicht nur bei der Bewirtung, sondern auch auf der Köhlerfläche. Jürgen Walter und Achim Sauer, die den schwelenden Meiler zehn Tage lang rund um die Uhr überwacht hatten, kehrten noch die letzten Reste zusammen, um sie für die kommende Veranstaltung zu bunkern. Denn ansonsten erinnert jetzt nichts mehr daran, dass an der Stelle noch vor knapp zwei Wochen ein 2,20 Meter hoher und sieben Meter im Durchmesser fassender Holzstapel stand.

Die daraus gewonnene Holzkohle ging weg wie warme Semmeln und wurde den beiden Köhlern quasi aus der Hand gerissen. Kaum eingetütet, war sie auch schon abverkauft. Denn ihre besondere Qualität aufgrund der althergebrachten Herstellungsweise ist bekannt. Etwa ein Fünftel des 32 Festmeter umfassenden Holzstoßes bleibt zum Schluss als Kohle übrig.

„Die letzten Tage liefen super“, meint Jürgen Walter. „Es ist alles ganz ruhig geblieben.“ Nichts gegen die zwischenzeitlichen Verpuffungen zu Beginn, die die beiden immer mal wieder aus dem Schlaf rissen. Denn dann mussten schnell die Löcher gestopft werden, bevor zu viel Sauerstoff nach innen drang. In der zweiten Wochenhälfte war es vom Besucheraufkommen her nur am Schlechtwetter-Donnerstag etwas ruhiger, so Walter, sonst gab es den gleichen Ansturm wie auch an anderen Tagen.

Die große Verlosung fand durchweg Gewinner aus Schönmattenwag selbst. Die Motorsäge ging nach Korsika, der Fresskorb nach Straßburg und ein Sack Holzkohle ins Frankel. Dem anstrengenden Sonntag folgten ein gemütlicher Ausklang und ein ausgiebiges Frühstück der Helfer am Montag vor dem großen Aufräumen. Bis in zwei Jahren alles wieder von vorn losgeht…

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