Am Wochenende wird auf der Raubacher Höhe zu den Odenwälder Hochlandspielen der Riesen-Ansturm erwartet

Der Tafelspitz am Mittwochabend, zum „Bergfest“ der Köhlerwoche, ist einfach immer der Renner. Die Ochsenbrust mit Meerrettich ist bei den Besuchern heiß begehrt. Die rennen den Veranstaltern von FC Odin und Gesangverein Harmonie förmlich die Bude in Gestalt der aufgebauten Zelte auf der Raubacher Höhe ein, um eine Portion des begehrten Odenwälder Hochzeitsessens zu ergattern. Noch bis Sonntag laufen die alle zwei Jahre dort stattfindenden Köhlertage, ehe sie dann mit den 11. Hochlandspielen ihren Abschluss finden.

Es war aber nicht nur das Tafelspitz als Tagesessen, bei dem die Platte geputzt wurde: Auch in den Tagen zuvor war der Zuspruch sehr gut. Das Wildschwein vom Grill am Sonntag wurde bis auf die Knochen abgenagt, die weiteren Spezialitäten abseits der üblichen Karte immer bis auf den letzten Rest verputzt. Auch die Köhlerplatte, Geschnetzeltes mit Bratkartoffeln, Weißkraut und Quark, fand reißenden Absatz.

Kein Wunder, dass die beiden Vereinsvorsitzenden Bernd Egner und Christof Klos zur Halbzeit mehr als zufrieden sind. „Bisher waren die Tage super besucht“, meinen sie unisono. Selbst am verregneten Dienstag „kamen ein paar Leute vorbei“. Und als sich am Mittwochmittag die Sonne zeigte, füllte sich Platz ganz schnell mit Wander- und Rentnergruppen. Am Montag war der Platz Ziel von zahlreichen Firmen und von speziellen „Montagswandervereinen“, die sich dort zum Essen trafen.

Gestern waren dazu noch etliche Fußballteams „aus dem halben Überwald“ nach dem Training zum Stammtisch vertreten. Alle schätzen sie die Atmosphäre mitten im Wald und die Gastfreundschaft der vielen Helfer aus Schönmattenwag. „Eine Köhlerpfanne und zum Abschluss ein Köhlerdrobbe, dann ist die Welt in Ordnung“, bringt es Bernd Egner auf den Punkt.

„Die ersten zwei Tage waren anstrengend“, berichtet Köhler Jürgen Walter, der zusammen mit Achim Walter den Meiler betreut. Denn in dieser Zeit sei „die kritische Phase“, in der alles auch noch in die Hose gehen könne. „Es gab einige Verpuffungen, vor allem nachts“, sagt er. Was den beiden wenig Schlaf bescherte, „denn die Erde musste wieder drauf“. Nach dem Wochenende ging es aber viel entspannter weiter, ab dem Montag „hatten wir wieder mehr Zeit“.

„Der Meiler ist jetzt fertig“, erläutert Walter. Er bleibe zum Abkühlen stehen, zwischenzeitlich würden die Glutnester geschlossen. Das Volumen verringere sich in den zehn Tagen um ein Drittel, ergänzt Sauer. So langsam können die beiden auch daran gehen, die Holzkohle zu ernten. Zuvor muss aber der Meiler „geputzt werden“. Die Erde kommt runter, damit danach „keine Fremdstoffe drin sind“, dafür dann „feines Gestübe“ drauf, erklärt Sauer.

Ein Fünftel des vorherigen Holzgewichts von 32 Festmetern bleibe an Holzkohle übrig, weiß Walter, der seit 2003 in der Nachfolge des damals verstorbenen letzten Köhlers von Schönmattenwag, Adam Knopf, den Meiler betreut. Das Erzeugnis findet durch seine sehr gute Qualität „reißenden Absatz“. Das Geheimnis liegt seinen Worten zufolge im Kohlenstoffanteil. Der bewegt sich bei der „handgemachten Kohle“ bei 93 Prozent, bei der „Retortenkohle“ sind es 83 Prozent.

Da den beiden der Kohlenmeiler weniger Arbeit abverlangt, „komme ich jetzt auch mal zum Lesen“, schmunzelt Jürgen Walter. Aktuell tut’s noch ein Krimi, den er schon vorher angefangen hat. Sollte er mit dem mal durch sein, hat er bereits Nachschub in petto. Ist der Besucherandrang groß, helfen die Köhler aber auch mal in der Küche mit aus. Dann sind alle gefordert: Die beiden Vereinsvorsitzenden springen in den Hoch-Zeiten zwischen den Bänken hin und her, um das schmutzige Geschirr abzuräumen, damit nach dem Spülen wieder genug Teller zur Verfügung stehen.

Der Sonntag, Tag der Hochlandspiele, ist noch einmal ein Großkampftag. Um die 1000 Gäste werden dann auf dem kleinen Platz erwartet. Wer nah parken will, sollte sich früh auf den Weg machen. Die dritte Disziplin für die bisher sechs Teams (Nachmeldungen auch spontan am Tag selbst noch möglich) wollen die Organisatoren noch nicht verraten. Nur, dass es neben Baumwerfen und Tauziehen um die Geschicklichkeit gehen soll.

Bis Sonntag läuft auch die Verlosung. Für den Hauptpreis hat sicher jeder im eigenen Haushalt Verwendung: Es gibt eine Kettensäge im Wert von etwa 200 Euro zu gewinnen. Zweiter Preis ist ein prall gefüllter „Fresskorb“ mit Odenwälder Spezialitäten, dritter Preis ein Sack vor Ort produzierter Holzkohle. Natürlich darf zwischen den Gewinnern auch getauscht werden, schmunzelt Egner. Wer sich lieber den Magen vollschlagen wolle, könne dafür gerne die Kettensäge an einen passionierten Holzfäller weitergeben…

 

Programm beim Kohlenmeiler

Die Bewirtung auf dem Festplatz mit Essen und Trinken startet jeden Tag um 10 Uhr. Das Tagesessen gibt es werktags ab 18 Uhr, sonntags ab 12 Uhr zusätzlich zu den normalen Angeboten wie Brat- und Currywurst, Köhlerpfanne oder Handkäse: Kesselgulasch mit Spätzle (Donnerstag), Krustenbraten mit Semmelknödeln und Rotkraut (Freitag), Spießbraten und Rosmarinkartoffeln (Samstag) sowie paniertes Schnitzel mit Jägersoße, Spätzle und Krautsalat am Abschluss-Sonntag. An dem steppt sowieso der Bär, deshalb stehen am 7. August auch 55 Kuchen ab dem Mittag für die Gäste bereit. Es finden die 11. „Odenwälder Hochlandspiele“ statt. Ab 13 Uhr erklingt Dudelsack-Musik von den „Heidelberg & District Pipes and Drums“, bevor die Recken in die Arena einmarschieren. Anmelden zur Teilnahme können sich Teams zu je drei Personen noch bei Bernd Egner oder Christof Klos unter Telefon 06207-81663 oder -921568, aber auch kurz vor Veranstaltungsbeginn vor Ort. Zu erreichen ist der Platz auf der Raubacher Höhe mit dem Pkw über Ober-Schönmattenwag, der Kreisstraße 37 Richtung Finkenbach folgend, oder vom Rothenberger Ortsteil kommend Richtung Hinterbach und Raubach immer den Berg hoch.

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