Von den Odenwaldhügeln direkt auf die Grüne Insel: Irish-Folk-Benefizkonzert für das Mörlenbacher Hospiz

Wenn sich Pat O’Connor die Geige schnappt, ans Mikro tritt und anfängt zu spielen, dann ist das, als hätte die Irin das Beamen erfunden. Die grünen Hügel des Odenwalds vor dem Landgasthof „Mühle“ wandeln sich plötzlich zu grasbedeckten, ebenfalls grünen, welligen Erhebungen auf der Atlantikinsel. Klänge, mal melancholisch, mal wieder vorantreibend, schwingen durch das Heuwagenzimmer, wo sich 75 Gäste zum Irish-Folk-Benefizkonzert zugunsten des Mörlenbacher Hospizes eingefunden haben.

Als am Ende ein Kassensturz bei der Spendenbox gemacht wird, sind sowohl die Musiker als auch Diakon Martin Huber von der Hospizgruppe mehr als zufrieden. Stolze 600 Euro kommen durch den unentgeltlichen Auftritt der acht Künstler zusammen. Das Publikum passte sich perfekt den Musikern an. Bei den oftmals traurigen Balladen konnte man eine Stecknadel fallen hören, im zweiten Teil mit seinen bekannten (Instrumental-)Stücken gingen die Leute aber auch kräftig mit. Rhythmisches Klatschen und langanhaltender Beifall war der verdiente Lohn für die Akteure.

Gitarre, Flöte und Geige sind die Instrumente Pat O’Connors. Neben ihrer leicht rauchigen Stimme, die den Songs eine ganz besondere Note geben. Da flirrt die Luft vor Authentizität, wenn sie das Schicksal der Auswanderer besingt oder die unerfüllte Liebe eines jungen Iren thematisiert, der sein Unglück im Alkohol und Spiel ertränkt, bis auch er auf die weite Reise nach Westen geht.

Schon im vergangenen Jahr war die Dublinerin zu Gast in Weiher, weil sie am Tag danach mit den meisten Teilnehmern zu einem Workshop für Irische Musik nach Elmstein fährt. Pat O’Connor lebt ihre Musik. Sie ist voll „drin“ in den einzelnen Reels, Jigs und Hornpipes, wie die verschiedenen Tunes (Musikstücke) genannt werden. Und steht sie mal nicht selbst vorn am Mikro, dann begleitet sie die Songs von der Bank aus – eine Vollblutmusikerin, die ihre Berufung lebt und sich in den Dienst der Mitmenschen stellt.

Denn Pat ist Musiklehrerin in Dublin und kümmert sich nebenbei um Kinder sozial schwächerer Eltern, holt sie von der Straße zu einer Art „musikalischen Früherziehung“. Sie opfert ihre karge Freizeit, um benachteiligte Kinder kostenlos zu unterrichten. Die Irin tourt „nebenher“ jedes Wochenende durch die vielen Pubs, ist bekannt als Session-Teilnehmerin und hat über 100 Stücke (instrumentale Reels und Jigs) komponiert.

Die Musik von der Grünen Insel will eigentlich immer eine Geschichte erzählen. Oft geht es um die bittere Armut in vergangenen Jahrhunderten, aber auch die Schlachten mit den Engländern, die Auswanderung über den Großen Teich, weil es zuhause nichts zu essen gab, oder die verlorene Liebe mit viel Herzschmerz. Am besten kann Letztere natürlich von einer waschechten Irin rübergebracht werden.

Traditionelle irische Töne, erdig, bodenständig, sind Pat O’Connors „Ding“. Sie bringt Emotionen in ihre Darbietungen, oft sehr temperamentvolle Stimmungen. Aber bei aller Nachdenklichkeit wären die Iren keine Iren, wenn sie nicht überall auch das Gute sehen würden. So gerät nach der herzergreifenden Ballade gleich das nächste Stück zum wilden Tanz, bei dem der Bogen über die Geigen-Seite fliegt oder sich die Finger auf der Tin Whistle fast verknoten.

Das traditionelle „Whiskey in the Jar“, in der Version von „Thin Lizzy“ zu Weltruhm gelangt, darf dabei ebenso wenig fehlen wie der „Drunken Sailor“ in der Zugabe mit seinen zahlreichen Strophen, wie denn jetzt mit dem armen betrunkenen Seemann verfahren werden soll. Aber ebenso „Washerwoman“ hat einen richtig schönen Drive, der – wie bei anderen Songs auch – die Gäste im ein um andere Mal zum Mitklatschen animiert.

Die bekannten „Hills of Connemara“, „Kilkelly Ireland“ oder der „Pub with no beer“ sind nur einige der vielen anderen Lieder, die an diesem Abend gespielt werden. Zu allen Songs gibt es immer die eine oder andere Geschichte, die neben Siggi Winkler auch Simone Köhler erzählt. Heike Mauelshagen, ebenfalls an Gitarre, Gesang und Flöte, gehört wie Heinz Thieme und Friederike Weyrauch zu den auftretenden Künstlern.

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