Bei der Köhlerwoche auf der Raubacher Höhe kann man den Köhlern noch bis zum 7. August über die Schulter schauen

Was unternimmt ein Köhler, wenn es ihm in seinem 24-Stunden-Job in den zehn Köhlertagen doch mal langweilig wird? „Ich lese dann ein Buch“, meint Jürgen Walter. Sein Kompagnon Achim Sauer verschüttet bei der Antwort vor Lachen fast sein Bier. „Macht der doch nie“, sagt er verschmitzt grinsend. Die beiden Schönmattenwager sind die Hauptpersonen bei den am Freitagabend gestarteten Köhlertagen auf der Raubacher Höhe, die kommenden Sonntag mit den 11. Odenwälder Hochlandspielen ihren Abschluss finden werden.

Zwischendurch ist die ganze Woche über jeden Tag ab 10 Uhr Festbetrieb auf dem Platz an der Kreisstraße zwischen Ober-Schönmattenwag und dem Rothenberger Ortsteil Raubach. Die Gäste können den Köhlern über die Schulter schauen, sich an den von den beiden ausrichtenden Vereinen FC Odin und Gesangverein Harmonie betriebenen Ständen verpflegen und das gemütliche Ambiente mitten im Wald genießen.

Damit die Kohle am 7. August geerntet werden kann, musste der Meiler erst einmal entzündet werden. 32 Raummeter Holz, im Wald selbst geschlagen, hatten die Vereinsmitglieder an den beiden Wochenenden vor Beginn auf sieben Meter Durchmesser und in 2,20 Meter Höhe aufgeschichtet. Dazu kam eine luftdichte Deckschicht aus spezieller Erde, damit darunter das Holz in Ruhe vor sich hin kokeln kann. Schwelt es einmal zu wenig, dann werden Löcher für die Luftzufuhr eingestochen, kommt zu viel Sauerstoff dran, schließen diese die Köhler wieder.

„Alle zwei Stunden stehen wir nachts auf, um nach dem Meiler zu schauen“, hebt Sauer den doch eher unruhigen Schlaf hervor. Denn nachts stehen auch die Reparaturen an. Für ihn wie auch Walter ist der Kohlenmeiler aber eine Passion. 14 Tage Urlaub rund um das Event nehmen sich die beiden, um in einer einfachen Köhlerhütte ohne jeglichen Komfort in der freien Natur zu übernachten. „Ohne Fernseher und Radio“, wie Jürgen Walter betont. Morgens geweckt von der aufgehenden Sonne über dem Hinterbachtal und dem Zwitschern der Vögel.

Die Brötchen werden den Köhlern von der Bäckerei Beutel aus dem Ort gebracht. Zusammen mit der Kanne selbst gekochtem Kaffee steht dann die ausgiebige Lektüre der Zeitung an. Noch vor dem Frühstück – denn besser mit leerem Magen – kümmert sich Jürgen Walter jeden Tag um die Reinigung der Toiletten. Die Nahrung kann danach in Form von Eiern mit Speck auch mal deftig sein. Später geht‘s ein paar Schritte in den Wald, so Achim Sauer. „Wir schauen uns einfach die schöne Natur an.“ Wenn gegen 9 Uhr die ersten Gäste vor der Zeit kommen, bekommen sie natürlich trotzdem schon etwas zu trinken, gibt es ein Original Köhler-Bier.

„In der Nacht ist es wie ein Paradiesurlaub, am Tag gibt es nette Gespräche in schöner Gesellschaft“, sagt Achim Sauer. Seit 21 Jahren findet die Veranstaltung auf dem jetzigen Platz statt, nachdem zuvor eher vereinsintern gefeiert worden war. „Die Region war früher übersät von Kohlenmeilern“, weiß Sauer. 75 bis 80 sogenannte Kohlenmeiler-Platten fänden sich in der Umgebung. Und noch ein altes Handwerk gibt es zu sehen: Jürgen Walter führt das Binden von Reisigbesen vor, das er sich ebenfalls vom Schwiegervater abschaute.

Was für die Köhler das Besondere an den zehn Tagen mitten im Wald ist? „Man kann die Seele baumeln lassen, abschalten“, meint Jürgen Walter. „Aber zum Schluss geht’s zur Sache, wenn die Kohle am kommenden Wochenende geerntet wird.“ Für die Übernachtung haben sich beide die einfachen Köhlerhütten mit Schaumstoff aus- und eine Matratze drübergelegt. Wie das mit dem Duschen läuft? Da lächelt Jürgen Walter. „Reden wir nicht davon“, sagt er verschmitzt. Zwischendurch, „wenn es nicht mehr geht“, fährt er mal kurz heim, um sich den Kohlenstaub abzuwaschen.

Das Köhlerhandwerk, früher in den Odenwald-Gemeinden weit verbreitet, wurde ihnen quasi mit der Heirat weitergegeben. „Wir haben beide Köhlertöchter geheiratet“, schmunzelt Walter. Vom letzten Schönmattenwager Köhler Adam Knopf, der das Fest in den 80er Jahren begründete, haben sie den Umgang mit dem Meiler gelernt. Dieser hatte bis 1970 noch einen gewerblichen Betrieb im Ort.

„Zehn Tage geprägt von Freude, Gemeinsamkeit und interessanten Einblicken“ wünschte Bürgermeister Joachim Kunkel den Gästen in seiner Begrüßung, die er stellvertretend auch für den Ortsbeirat und den Kreisbeigeordneten Volker Buser hielt. Die Köhlertage seien „ein Akt der Gemeinsamkeit mit vielen Helfern“, lobte Kunkel das starke Vereinswesen nicht nur im Wald-Michelbacher Ortsteil.

Für den FC Odin Unter-Schönmattenwag begrüßte Vorsitzender Bernd Egner die vielen Besucher zur Eröffnung. Christof Klos vom Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag freute sich über die Anwesenheit etlicher Ehrengäste. Zum Auftakt gab es Blechbläserklänge von den Jagdhornbläsern des Schützenvereins Siedelsbrunn, ehe der GV Harmonie unter Leitung von Ria Günther vier Stücke sang.

Programm beim Kohlenmeiler

Die Bewirtung auf dem Festplatz mit Essen und Trinken startet jeden Tag um 10 Uhr. Bis kommenden Sonntag gibt es (unter der Woche ab 18 Uhr, sonntags ab 12 Uhr) ein Tagesessen zusätzlich zu den normalen Angeboten wie Brat- und Currywurst oder Handkäse. Start ist am 31. Juli mit Odenwälder Wildschwein vom Grill mit Bratkartoffeln und Kartoffelsalat sowie Haxen und Kartoffelsalat. Es folgen: Fleischkäse mit Bratkartoffeln und Krautsalat (Montag), Räuberspieße mit Reis und Krautsalat (Dienstag), Ochsenbrust, Meerrettich und Salzkartoffeln (Mittwoch), Kesselgulasch mit Spätzle (Donnerstag), Krustenbraten mit Semmelknödeln und Rotkraut (Freitag), Spießbraten und Rosmarinkartoffeln (Samstag) sowie paniertes Schnitzel mit Jägersoße, Spätzle und Krautsalat am Abschluss-Sonntag. An dem steppt sowieso der Bär, deshalb stehen am 7. August auch 55 Kuchen ab dem Mittag für die Gäste bereit.

Denn dann, wenn sich die Köhlerwoche dem Ende nähert und der Meiler zur Ernte ansteht, finden auch die „Odenwälder Hochlandspiele“ als lokale Variante der schottischen Highlandgames in der mittlerweile 11. Auflage statt. Heroisch anmutend wird es dann, wenn ab 13 Uhr Dudelsack-Musik von den „Heidelberg & District Pipes and Drums“ ertönt und die Matadore der Hochlandspiele in die Waldarena einziehen. Anmelden zur Teilnahme an den 11. Odenwälder Hochlandspielen können sich Teams zu je drei Personen noch bei Bernd Egner oder Christof Klos unter Telefon 06207-81663 oder -921568.

Zu erreichen ist der Platz auf der Raubacher Höhe mit dem Pkw über Ober-Schönmattenwag, der Kreisstraße 37 Richtung Finkenbach folgend, oder vom Rothenberger Ortsteil kommend Richtung Hinterbach und Raubach immer den Berg hoch.

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