Mal etwas andere Open-Air-Klänge auf der Wald-Michelbacher Hofwiese

Die Bilanz von ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder war etwas zwiegespalten. „Wir hatten Glück mit dem Wetter“, meinte er beim Rückblick auf die „Abendmusik auf der Hofwiese“. Nur kurz gab es vor der Pause mal ein paar Tropfen. Mit dem Besuch im ersten Programmteil war Schröder sehr zufrieden. „Allerdings gingen einige in der Pause“, beobachtete er. Was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass am Anfang ÜWG-Klassen und -Ensemble aufgetreten waren, deren Anhang die Stühle füllte.

Die Veranstaltung war entstanden in einer Kooperation mehrerer Partner. Es wirkten Irish-Folk-Band und Vokalensemble des Überwald-Gymnasiums (ÜWG) sowie (erwachsene) Interpreten der Jugendmusikschule (JMS) Weschnitztal-Überwald mit einem Potpourri schöner Melodien mit. Im Hintergrund agierten Zukunftsinitiative Überwald (ZKÜ) sowie der Museums- und Kulturverein, für die notwendigen finanziellen Mittel sorgte die Sparkassenstiftung Starkenburg.

Die Gesangsklassen 5A und 6A von Stefan Römer widmeten sich den Klassikern Fontane und Goethe mit drei Stücken. Die Bearbeitung des „Herrn von Ribbeck“ sowie der „Frösche“ und des „Zauberlehrlings“ von Goethe geschah durch Ingo Bredenbach. In dieser Form entstünden die Stücke „facettenreicher vor dem geistigen Auge entstehen“, so Römer. Der Text falle einem sofort wieder ein, „wenn man die Melodie im Kopf hat“.

Alle drei Lieder zeichneten sich durch ihre Komplexität aus, die von den beiden Klassen unter dem Dirigat von Doris Steffan-Wagner bestens gemeistert wurde. Passend zum Herrn Ribbeck auf Havelland zauberten die jungen Sänger danach Birnen hervor und verteilten sie im Publikum. Fürs frische Obst hatte die Firma Emig gesorgt. Den Zauberlehrling brachten sie mal zart, mal mit machtvollen Passagen sehr eindrucksvoll rüber.

Die Irish-Folk-Band „Pub of Èire” unter Leitung von Thomas Braun war mit sechs Stücken vertreten. Traditionell irisch waren die instrumentalen „Reels“, Tänze, die in den Pubs der Grünen Insel hoch und runter gespielt werden. Einer der bekanntesten Songs ist der „Cooley’s Reel“, der vom Bretonen Alan Stivell bekannt gemacht wurde. Aber auch der „King of the Fairies“ durfte nicht fehlen. Ebenso fanden zwei Welthits der keltischen Pop-Folklore Eingang ins Programm: „Only Time“ von Enya (Sängerin Sarah Sittner) und „My Heart will go on“ von Céline Dion aus dem Titanic-Film (Sharon Klay).

Die Programmfolge der Vokalklasse von Michael Valentin bot einen bunten Querschnitt von Jazz über Klassik bis hin zu sephardischen oder armenischen Liedern. „Es treten heute Abend die Erwachsenen der Jugendmusikschule auf“, meinte Valentin schmunzelnd zu Beginn. Dabei gab es durchaus Berührungspunkte mit dem Gymnasium: Denn Lehrer Sebastian Schertel (Countertenor) sang das „Ombra mai fu“ aus Händels Oper Xerxes. Bariton Christian Throm war sowohl bei Cole Porters 1940 geschriebenen „When they begin the Beguine“ als auch in Lorzings „Sonst spielt ich mit Zepter“ aus dem „Zar und Zimmermann“ zu hören. Mit seinem volltönenden Bariton wusste er die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

„Vier Lieder aus dem Jungbrunnen“ vom Brahms und Heyse (Text) gab es vom Frauenensemble unter Klavierbegleitung von Svetlana Hauk zu erleben. Kanons von Dunstable und Mozart bot die Gesangsklasse von Andrea Schmitt unter Trompetenklängen von Pauline Hildenbeutel und Jonathan Forrester. Mezzosopranistin Beatrix Maier, begleitet von Susanne Bergmann auf der selbst gebauten Viella (einer alten Form der Gambe), sang das sephardische Stück „Dicho me habian“. Es entstand im 14. Jahrhundert bei den Westjuden, die von den spanischen Königen vertrieben worden waren.

Das Frauenensemble mit Natascha Kaufmann-Feilen, Katharina Holzbauer, Beatrix Maier, Susanne Bonnet, Susanne Bergmann, Andrea Schmitt, Nicole Scherte und Eva Dormes bot gekonnt das armenische „Drei Vokalisen“ dar. Viel Beifall war am Schluss den Akteuren nach diesem Open-Air-Konzert der etwas anderen Art gewiss.

Die Kooperation von ZKÜ sowie Museums- und Kulturverein erstreckte sich dabei auch aufs Kulinarische. Denn Dieter Kunkel warf bereits frühzeitig den Ofen am Backhaus an, da einen Tag später der etatmäßige Backtag sowieso dort stattfand. Was für die Konzertgäste den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass sie bei Bewirtung durch den ÜWG-Förderverein in den Genuss von frischgebackenem Sauerteigbrot kamen, zu dem es dann ein paar deftige Beilagen gab. 36 Kilo Brot gingen so ganz schnell weg. Die anschließende Nachtwächtertour von Theo Reichert profitierte ebenfalls vom Konzert, denn es schlossen sich spontan noch einige Gäste mehr an.

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