An EBS und ÜWG Wald-Michelbach: Präventionsprogramm „Schleuderdrama“ setzt zur Abschreckung auf Schockeffekte

„Schleuderdrama“ heißt das Präventionsprogramm für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und mehr Zivilcourage. Getragen wird es im Kreis Bergstraße von der Polizei und diversen Hilfsorganisationen, aber auch Pflegediensten und Schulamt. „Wir wollen euch dafür sensibilisieren, keine falschen Entscheidungen zu treffen“, meinte ÜWG-Direktor Reinhard Fahrenholz zu Beginn der Gemeinschaftsveranstaltung mit der EBS an die 160 Schüler gewandt, die an diesem Morgen den Einstiegsvorträgen lauschten und dann in die verschiedenen Workshops gingen.

An den beiden Schulen organisieren seit einigen Jahren Daniela Riedinger (EBS) und Anke Fibian (ÜWG) das Projekt. „Die Schüler empfinden die drastischen Schilderungen als gut“, hat Riedinger beobachtet. Allerdings sei auch die Rückmeldung gekommen, dass es altersmäßig vielleicht noch etwas zu früh sei, um mit dieser Schockmethode zu arbeiten. Jedoch, so Riedinger, „ist das unsere letzte Möglichkeit, an die Schüler ranzkommen“. Denn es sei an der EBS, für die auch Schulleiter Thomas Wilcke die Anwesenden begrüßte, die Abschlussklasse beteiligt.

Anders am ÜWG: Da haben die in der Regel 16-Jährigen noch etwas Schulzeit vor sich. Hier ist es die E-Phase des Gymnasiums, die am „Schleuderdrama“ teilnimmt. Insgesamt kommen so etwa 160 Heranwachsende in der Mensa zusammen. Laut Anke Fibian sind die Schüler „in einem wichtigen Alter“. Bald machten sie den Führerschein oder seien sogar schon mit Roller oder Motorrad unterwegs. Wenn die Spezialisten ihnen eindringlich schilderten, was passieren könne und wie man vorbeuge, „dann wirkt das viel besser, als wenn es Lehrer tun“.

Die beiden Lehrerinnen sind an ihren Schulen die Sucht- und Gewaltpräventionsbeauftragten. Sie hätten sich „bewusst für das Projekt Schleuderdrama entschieden“, erläutert Fibian, „weil es nachhaltig ist“. Die dort gezeigten Filme und die Schilderungen „bleiben im Kopf“. Das lasse sich aus den Äußerungen der Schüler ein paar Wochen im Nachhinein herauslesen, die sich mit dem Vorgetragenen noch länger beschäftigten. „Nehmt viel mit von der Veranstaltung“, hatte Riedinger zuvor in ihren Begrüßungsworten den Jugendlichen nahegelegt.

Peter Hoffmann, der Leiter des Projekts „Schleuderdrama“, führte in die Veranstaltung ein. „Ihr habt alle Zukunftswünsche“, meinte er an die Schüler gerichtet. Die Referenten seien nach Wald-Michelbach gekommen, „um eure Träume zu retten“. Inzwischen gebe es diese Form der Prävention seit sechs Jahren. Alle zwei Stunden passiere im Kreis Bergstraße ein Unfall, an dem junge Leute beteiligt seien, führte er aus.

Als „neues Phänomen“ kennzeichnete Hoffmann die Ablenkung durchs Smartphone. Nur eine Sekunde Unachtsamkeit am Steuer bedeute bei 50 km/h „14 Meter Blindflug“, sagte er. „Und eine WhatsApp-Nachricht lest ihr nicht nur in einer Sekunde.“ Er forderte dazu auf, sich bei der Fahrt nicht durchs Handy beeinflussen zu lassen und appellierte auch an die Beifahrer, den Fahrer nicht abzulenken.

Jörn Metzler von der Polizei Heppenheim schilderte in drastischen Worten die Eindrücke eines Polizisten, wenn er an eine Unfallstelle kommt. „Das sieht aus wie ein Schlachtfeld“, nahm er kein Blatt vor den Mund. „Man macht sich Gedanken, was passiert ist, so Metzler“. Und natürlich auch, darüber, wie man mit den Eindrücken umgehen könne. 2015 habe es im Landkreis 15 tödliche Unfälle gegeben, bis Ende Juni dieses Jahres schon fünf.

Rettungssanitäter Friedrich Häffner von den Maltesern betonte, „wir wollen nicht verängstigen“. Aber das Gesagte „soll auch nicht in den Kopf rein und gleich wieder raus“, hob er Sinn und Zweck der plastischen Schilderungen hervor. Heimleiter Jörg Meinhof verdeutlichte am Beispiel der 19-jährigen Nicole, wie Lebens- und Berufsträume innerhalb weniger Minuten durch einen Unfall zerplatzen können.

Die Schulpsychologen Steffi Müller und Tobias Knapp wiesen in ihren Worten darauf hin, dass es völlig unterschiedliche Formen gebe, mit solchen Ereignissen umzugehen. „Jeder hat seine eigene Art zu trauen“, betonte Müller. Auch von Schülerseite wurden (mit eigenen Gedanken unterfütterte) fiktive Beispiele vorgetragen: durch Manuela Weber und Markus Speicher von der EBS sowie Enrico Meinhof und Emely Trumpfheller vom ÜWG.

Referenten/Workshops

  • Peter Hoffmann, Leiter „Schleuderdrama“, Jugendkoordinator Polizeidirektion Bergstraße: Alkohol und Drogen, Ablenkung durchs Handy
  • Thorsten Raabe, Polizei Wald-Michelbach: Absprachen in der Peergroup
  • Jörn Metzler, Polizei Heppenheim: Rund ums Zweirad
  • Jörg Meinhof, Pflegedienst Gemeindediakonie Mannheim: Bericht über die Arbeit mit Komapatienten
  • Andrea Schwarz, Notfallseelsorge: Arbeit der Notfallseelsorge nach einem Unglücksfall
  • Steffi Müller/Tobias Knapp, Schulpsychologen staatliches Schulamt: Gruppendruck und „Ich kann auch Nein sagen“
  • Michael Niedermayr, Drogenberatung Prisma: „Ich fahr klar – mobil aber sicher“
  • Sandra Vollhardt, Andreas Ratzmann, Caritas Heppenheim: Drogensucht und –abhängigkeit
  • Friedrich Häffner, Malteser Hilfsdienst: Erste Hilfe am Unfallor

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