Das volle Zelt am Kerwesonntag versöhnte die Organisatoren in Unter-Schönmattenwag

Ein bisschen, so der Blasmusik-Vorsitzende Hans Vogel augenzwinkernd bei der Begrüßung der Kerwegäste am Sonntagnachmittag, hatte er schon die Befürchtung, „die einheimische Schimmeldewöger Bevölkerung ist ausgestorben“. Er bezog sich damit auf den schwacheren Besuch am Freitag und insbesondere am Samstag. Mit Blick aufs volle Zelt am Festtag zeigte er sich aber beruhigt, dass dem nicht so sei. Vogel war erfreut über den sehr guten Zuspruch beim Nachmittagsprogramm.

Der Sonntag hatte mit dem von Pfarrer Peter Pristas gehaltenen Zelt-Gottesdienst begonnen. Er thematisierte darin den Unter-Schönmattenwager Schutzpatron St. Johannes den Täufer und erläuterte, wie die Notennotierung eines lateinischen Lieds in die heutige Zeit überliefert wurde. Der Musikverein Dossenheim spielte im Anschluss an den Gottesdienst zum Frühschoppen auf.

20 Musiker, darunter auch einige aus Unter-Schönmattenwag, musizierten unter dem gemeinsamen Dirigenten Marcel Hamaekers. Zu Gehör kamen Titel wie „Dancing Queen“, Welthits aus Italien, die Polka „Böhmischer Traum“, „Does your mother know“ oder auch Glenn Millers „American Patrol“. Von Blasmusik- bis hin zu Big-Band-Stücken war alles vertreten, was heutzutage ein Ensemble „draufhaben“ muss.

Das Festzelt auf dem Kerweplatz blieb weiterhin sehr gut gefüllt, so dass die Veranstalter später die „Tischreserven“ aufbauen mussten. Denn das Nachmittagsprogramm zog noch einmal zahlreiche Gäste an. Zuerst waren die Kinder des Kindergartens St. Marien mit Sing und Tanzspielen dran. Nach der Begrüßung durch das Lied „Hallo, guten Tag!“ folgten der Dino- und der Hockey-Cockey-Tanz. Fast alle Kinder hatten sich mit ihren Erzieherinnen dazu auf der Bühne versammelt.

Die Tanzgruppe des Carnevalsvereins Kapital war mit einem Dschungeltanz dabei, bei dem unter anderem Titel etwa aus dem Musical „König der Löwen“ zu hören (und zu sehen) waren. Hans Vogel dankte dem Team des Kindergartens und den Leiterinnen der Tanzgruppe, besonders den Kindern, mit Karten für Sommerrodelbahn und der schönen Plüschfigur Flip (aus Biene Maja)

Am Nachmittag setzte dann der Ansturm auf Kaffee und Kuchen ein. Etwa 30 von den Vereinsmitgliedern selbstgebackene Kuchen ließen keine Wünsche der Schleckermäuler offen. Dazu spielten die „Original Rhein Neckar Böhmische“. Dahinter verbergen sich 15 Musiker aus dem Raum Ladenburg, ambitionierte und begeisterte Blasmusiker, die sich auch in verschiedenen Kapellen zusammengefunden haben.

Seit einem Jahr mit „mehr oder weniger Proben“, so Leiter Günter Hofmann, war bei der Unter-Schönmattenwager Kerwe der erste öffentliche Auftritt. Hofmann ist im Ort kein Unbekannter. Er unterstützte schon mehrfach die Schimmeldewöger Blasmusik bei Konzerten als Gastmusiker. Das Ensemble brachte bekannte, aber teilweise auch schon fast vergessene Volksmusikweisen wie „Tief im Odenwald“ zu Gehör. Hofmann moderierte die Stücke immer wieder mit lustigen Anekdoten an. Als Abschluss gab’s den „Rocking March“ mit Schlagzeugsolo.

Die Befürchtung der Organisatoren, dass die Live-Übertragung des Fußballspiels im Zelt auf geringere Resonanz stoßen könnte, bewahrheitete sich zum Glück nicht. Denn nachdem sich einige Tische kurzzeitig geleert hatten, füllte sich das Zelt wieder mit Fußballbegeisterten in Nationalmannschaftstrikot und Deutschland-Fahnen. Begeistert wurde die Partie gegen die Slowakei auf der großen Bühnen-Leinwand mitverfolgt. Nach dem 3:0-Sieg der Deutschen waren die Gäste in bester Feierlaune – und das bis in die späten Abendstunden.

Den ganzen Tag über herrschte auf dem Festplatz schöner Betrieb. Durch das schöne Wetter waren auch viele Familien mit Kindern gekommen. Die Kleinen konnten sich auf Karussell oder Schiffsschaukel austoben. Für die etwas größeren Meisterschützen gab’s die „Jagd-Hütte“. Und Freunde des Süßen kamen am Crepes-Stand sowie der Süßenkeitenhütte auf ihre Kosten.

Der gestrige Montag startete mit dem traditionellen Frühschoppen. Die musikalische Unterhaltung dazu kam wie bereits seit vielen Jahren vom Nibelungen-Duo Harald Walz und Linde Sauer. Freibierspenden örtlicher Vereine und Geschäfte ließen den Gerstensaft in Strömen fließen. Nach dem Mittagessen mit Wellfleisch und Sauerkraut fand am Nachmittag der Ausklang statt.

Wie Vorsitzender Vogel meinte, stemmt die Blasmusik „eine der letzten Zeltkerwen in der Region“. Allerdings sei dies immer auch mit hohen Kosten verbunden. Dieses Jahr habe man bereits das Zelt verkleinert, um etwas zu sparen. Er beobachtete daneben, dass „das Volk beim Programm Standard will“. Es sei schwer, ein bekanntes Ensemble wie die Augustiner-Festkapelle wie vor vier Jahren zu refinanzieren, so Vogel.

Advertisements