Jugendgruppe der Heimatbühne Gras-Ellenbach: Mit viel Geschick trickst Rotkäppchen den Drachen und die Hexe aus

Rotkäppchen kann so schnell nichts erschrecken. Auch dann nicht, wenn es sich im modernen Märchen „Rotkäppchen und der Drache“ von Cornelia Neudert nicht nur dem bösen Wolf, sondern auch dem Drachen gegenüber sieht. Mit viel Freude am Spiel, immer wieder unterbrochen von Zwischenapplaus, startete die Jugendbühne der Gras-Ellenbacher Heimatbühne in ihr neues Stück. Das Ambiente der Freilichtbühne war dabei für die im Wald spielende Geschichte mehr als passend.

Wie es bei den Aufführungen schon fast Tradition ist, geht bei der Premiere immer ein banger Blick nach oben. Letztes Jahr überraschte ein heftiges Gewitter die Aufführung, dieses Mal schüttete es fünf Minuten vor Beginn noch wie aus Kübeln. Doch pünktlich während des ersten Akts kam die Sonne raus. Und da das Märchen kindgerecht kurz war, war die Vorstellung zum Glück schon beendet, als eine Stunde später der nächste prasselnde Schauer sowieso allem ein Ende gesetzt hätte.

Rotkäppchen (Karla Fuhr) fürchtet sich vor nichts und niemandem. Es ist höchstens ein wenig leichtgläubig, wenn es die Worte der Hexe (Ann-Marie Teichert) für bare Münze nimmt. Farbenfrohe Kostüme, ein mit viel Aufwand geschmückter Drachen-Dreier und eine Sprache voll mit aktuellen Entlehnungen: Das Stück ist gut für Kinder und Jugendliche aufgemacht und spricht die Kleinen an.

Dazu kommen Akteure, denen das Spiel auf der Naturbühne sichtlich Spaß macht, die sich damit identifizieren und in ihre Rollen engagiert reinschlüpfen. So dass auch die Zuschauer der gut besuchten Premiere merken, dass da ein paar Talente zu Werke gehen, die dem Theaterspiel sicherlich noch einige Zeit erhalten bleiben. Dass es auch bei den Kleinsten an Interesse nicht mangelt, macht ein Gespräch am Rande deutlich – die knapp Fünfjährige möchte gerne mal in die Jugendtheatergruppe reinschnuppern.

Dass die Jugendarbeit der Heimatbühne darüber hinaus von „zählbarem“ Erfolg für die Erwachsenen gekrönt ist, zeigt sich im Nachwuchs fürs „Senioren-Ensemble“. Denn drei Jugendliche wechselten schon oder wechseln demnächst zu den Aktiven über: Panthera Sieverding in diesem Jahr, Ann-Marie Teichert schon im vergangenen und Peter Sasso-Sant hat es im kommenden Jahr vor.

Die 14 Kinder und Jugendlichen zwischen fünf und 18 Jahren probten schon seit einigen Wochen ihre neue Aufführung, mit der sie in die Fußstapfen der letztjährigen „Bremer Stadtmusikanten“ traten. Seitdem das Wetter bisschen wärmer wurde, auch auf der Freilichtbühne. Da parallel noch die Nibelungensaga zur Veranstaltung „165 Jahre Siegfriedbrunnen“ eingeübt wurde, hatten die Jugendlichen in diesem Jahr sogar eine Doppelbelastung zu packen.

Zum Inhalt: Rotkäppchen lässt sich von der Hexe überreden, den dreiköpfigen Drachen zu überlisten. Denn das ist lustiger, als der Oma aus der Fernsehzeitung vorzulesen. Es soll der Hexe den angeblich vom Drachen gestohlenen Zauberfön wiederbringen. Dann hätte es einen Wunsch frei. Als Running Gag spazieren immer wieder Rotkäppchens Oma und der Wolf durch das Freilichttheater, verfehlen aber einander, bevor‘s ans Fressen geht oder werden durch Hexe oder Drachen gestört.

Der Drache trägt den Fön als Kette um den Hals und ohne diesen kann die Hexe nicht zaubern. Aber sie führt mit ihrer Hexerei nichts Gutes im Schilde. Rotkäppchen, mutig und nicht auf den Mund gefallen, wagt sich zur Drachenwohnung, die von zwei verzauberten Krähen bewacht wird. Diese und die ebenfalls verzauberten Minims klären es aber über die Schandtaten der Hexe auf.

Dann helfen sie ihr, den gefräßigen Drachen und die gemeine Hexe zu überlisten. Mit dem zurückeroberten Fön kann Rotkäppchen schließlich die Verzauberten erlösen. Einmal zu Werke gegangen, ist das Utensil schließlich überflüssig. Rotkäppchen kann den Game-Boy, der als Tauschobjekt diente, zurückerhalten, der Drache bekommt den Fön, verspricht niemanden mehr zu fressen und alle sind glücklich. Außer der Hexe. Denn die wird von den Krähen verjagt und ist die große Verliererin.

Nachdem auch die Oma wiedergefunden wurde und Rotkäppchen sie „nie mehr allein lassen will“, fällt der imaginäre Vorhang und ist das Stück fertig. „Ich bin stolz auf die Kids“, meint Heimatbühne-Vorsitzender Andreas Willutzki am Ende. „Das haben sie toll gemacht“, lobt er das Ensemble, ehe er die einzelnen Akteure unter dem Beifall des Publikums vorstellt.

Info: „Rotkäppchen und der Drache“ von der Jugendgruppe der Gras-Ellenbach Heimatbühne wird noch einmal am Samstag, 25. Juni, und am Sonntag, 26. Juni, jeweils 15 Uhr auf der Freilichtbühne „Zwerg Alberich Odeon“ im Gassbachtal aufgeführt. Ersatztermin bei einem Ausfall wegen schlechtem Wetter ist der 10. Juli. Vorverkauf und telefonische Bestellung über die Kurverwaltung Gras-Ellenbach, Telefon 06207/2554, http://www.heimatbuehne.net oder an der Theaterkasse.

Akteure

Rotkäppchen: Karla Fuhr

Hexe: Ann-Marie Teichert

Oma: Alina Golz

Wolf: Mika Hölzel

  1. Krähe: Marica Unger
  2. Krähe: Maxime Mauermann

Drache, linker Kopf: Marian Hölzel

Drache, mittlerer Kopf: Peter Sasso-Sant

Drache, rechter Kopf: Panthera Sieverding

Minim1: Liliana Teichert

Minim2: Jonah Teichert

Minim3: Emelie Fuhr

Minim4: Mira Golz

Minim5: Mattes Hölzel

Regie: Hedi Jährling und Andreas Willutzki

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