Der viele Regen ließ das Teilnehmerfeld beim Überwald-Bike-Marathon in Siedelsbrunn schrumpfen

Das war kein Mountainbike-Marathon für Schönwetter-Fahrer. Die Regenfälle der vergangenen Tage hatten der Strecke rund um den Hardberg ziemlich zugesetzt und sie somit sehr anspruchsvoll gestaltet. Zusätzlich kam noch die ungewisse Witterung am gestrigen Morgen hinzu. Wo vergangenes Jahr 360 Starter auf die Überwald-Strecke mit ihren 25, 50 oder 75 Kilometern gingen, waren es dieses Mal nur 220. Zu den 170 Voranmeldungen waren am Tag selbst nicht mehr viele Wagemutige hinzugekommen.

Die Starter auf der Kurzstrecke und die Schnellsten über 50 Kilometer kamen noch einigermaßen trocken ins Ziel. Die hinteren Reihen und vor allem die Langstrecken-Fahrer erwischte es bös: Ein langer, prasselnder Regenschauer und darauf folgender Landregen gingen durch und durch. Die Zielankömmlinge waren farblich kaum noch vom Waldboden unterscheiden, frühere Trikots waren nur noch in diversen Braun-Schattierungen auszumachen. Die Gesichtsbemalung machte jeder Tarnung alle Ehre.

Unter den „Traumbedingungen“ 2015 waren auch einige Mountainbike-Cracks mehr am Start gewesen als diesmal beim dritten Lauf der Rosbacher Bike-Challenge. Die Rennserie gewinnt immer mehr an Bedeutung in der Szene und der Gesamtsieg ist hart umkämpft. Dies zeigte sich auch dadurch, dass sowohl bei den Frauen die drei führenden in der Gesamtwertung, Natascha Fischer, Mandy Platzdasch sowie Lisa Heckmann, als auch bei den Herren Marcel Lehrian, Mirko Volk und Christopher Roth am Start waren.

Unverwüstlich ist Dr. Steffen Neuendorf. Der 71-jährige Welt- und Europameister seiner Altersklasse im Crosstriathlon startet für den SC Beerfelden und war wieder über 25 Kilometer unterwegs. Als Jüngster fuhr der 13-jährige Bjarne Knievel für den SC Weinheim die Kurzdistanz. Er ließ mit seiner Zeit etliche ältere Fahrer hinter sich.

Stefan Wenisch, Vorsitzender des ausrichtenden TV Siedelsbrunn, freute sich, dass es wenigstens morgens beim Start noch nicht regnete. Da das Wetter aber im Umkreis schlechter war, machten sich wenige Radler spontan auf den Weg. Wer sich aber einmal angemeldet hatte, dem war die Entfernung letztendlich egal. Aus dem mittel- und nordhessischen Raum, aber auch aus Stuttgart, Zürich oder Belgien kamen die Mountainbiker in den Überwald.

Schon in den vergangenen Wochen waren etliche Helfer mit dem Rad oder Motorrad unterwegs, um die Strecke zu präparieren und auszuschildern. „Die Bike-Fahrer sind immer voll des Lobes über unsere Strecke – warum sollten wir hier etwas ändern“, ist laut Wenisch der Verlauf seit fünf Jahren unverändert. Ans fahrerische Können wurden einige Anforderungen gestellt. Die Regenfälle spülten einige Singletrails sehr stark aus.

Den Gesamtsieg beim 15. Überwälder Bike-Marathon rund um den Hardberg über die 50-Kilometer-Strecke holte sich Sascha Starker von der SSG Bensheim. Nach dem dritten Lauf zur Rossbacher Bike-Challenge liegt dort Marcel Lehrian vorn. Bei den Damen gewann Lisa Heckmann vom VC Darmstadt. Moderator Thomas Reiber wies in der Begrüßung auf die „herausfordernde Streckenführung“ hin. Die Tour rund um den Hardberg liege überwiegend im Wald und habe auch einen sehr hohen Trail-Anteil sowie kurzen, aber knackigen Anstiegen.

Kurz nach dem Start am Veranstaltungsgelände kommt der erste Richtung Hardberg-Sender. Die Downhillpassagen an Skihang und Sauhohl stünden für „eine technisch recht anspruchsvolle Strecke“. Der Marathon habe sich dadurch einen besonderen Namen gemacht und ziehe jedes Jahr „ein besonderes Starterfeld“ nicht nur aus Deutschland, sondern sogar aus dem europäischen Ausland an.

In diesem Jahr findet die Rossbacher Bike-Challenge zum fünften Mal in Folge statt. Vor vier Jahren wurde Siedelsbrunn mit aufgenommen. Zwischen Mai und September werden auf der jeweiligen Mittelstrecke die entsprechenden Wertungsläufe angeboten. Dieses Mal fand am Hardberg der dritte Lauf statt. Auf anspruchsvollen Strecken haben Mountainbiker die Gelegenheit, in sieben Altersklassen um Punkte für die Gesamtwertung zu fahren.

Reiber erläuterte Teilnehmern und Zuschauern die Strecke, machte sie mit dem Startprozedere vertraut und gab danach den Besuchern Erläuterungen zu den einzelnen Fahrern. Später moderierte er zusammen mit Organisator Ralph Berner und TV-Vorsitzendem Stefan Wenisch die Siegerehrung. In der 15. Auflage war wieder „ein gut besetztes Feld“ am Start.

Heute seien im Geopark Bergstraße-Odenwald 1000 Kilometer Mountainbike-Strecke markiert, sagte Landrat Christian Engelhardt zur Eröffnung. Zusammen mit Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel war er Schirmherr. Der Landrat ging auch gleich selbst über die 25 Kilometer selbst an den Start – mit dem Rad von Wenisch. Der meinte bei einer Zeit von 2:18 Stunden nur: „Alle Achtung“ – bei einer sowieso nicht einfachen Strecke, die durch den Regen nochmal schwieriger geworden sei.

Den 75-Kilometer-Fahrern zollte der TV-Vorsitzende höchsten Respekt, „dass die nach dem großen Guss noch eine Runde gefahren sind“. Kunkel lobte „die Gemeinschaftsleitung von vielen Helfern“. Der TV habe vor mehr als 25 Jahren mit dem Mountainbike-Rennen – woraus dann der Marathon wurde – eine „richtungsweisende Veranstaltung“ geschaffen. Der Odenwald sei dafür „die ideale Region“.

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