Verein Luna betreibt in Wald-Michelbach nachhaltige biologische Landwirtschaft auf zwölf Hektar

Der Wald-Michelbacher Tierarzt Dr. Thomas Michel ist neuer Vorsitzender des Vereins Luna Kocherbach. Er löste Karin Schmitt ab, die das Amt nicht mehr weiter ausübte. Gerhard Ader folgte außerdem als Schriftführer auf Bernhard Schmitt. Im Mittelpunkt der Versammlung standen neben den Formalien die aktuellen Projekte und Entwicklungen. Mehr als 12 Hektar seien ab diesem Jahr von einer industriellen „Güllenutzung“ in eine nachhaltige biologische Landwirtschaft umgewandelt worden, hieß es. „Ein kleiner, aber bedeutender Schritt für unsere Umwelt“, so Ader.

Mit den Biolandwirten Wolfgang Schierenbeck und Joachim Mauermann aus Grasellenbach sei eine Zusammenarbeit dahingehend erzielt worden, dass sie die Ackerflächen von den Eigentümern direkt anpachteten und bewirtschafteten. Ohne deren Unterstützung hätte man einige Flächen für ein Jahr brach liegen lassen müssen, erläuterte Ader. Die Wiesenflächen würden direkt an Luna verpachtet und ebenfalls biozertifiziert genutzt.

Alle Flächen wurden seinen Worten zufolge neu vermessen, da quasi keine Grenzsteine mehr vorhanden seien. Durch gelbe Holzpfosten sind die Eigentumsgrenzen jetzt deutlich sichtbar. Im nächsten Schritt werden diese Markierungen durch massivere Stämme ersetzt, die mit einem entsprechenden Luna-Logo gekennzeichnet sind. Somit könne jeder erkennen, dass diese Fläche nachhaltig biologisch bewirtschaftet werde.

Beim Landwirtschaftsamt wurden laut Ader alle Luna-Flächen digitalisiert und eine PI-Nummer als landwirtschaftlicher Betrieb beantragt. Für die Wiesenflächen werde eine Zertifizierung beantragt, da Bio-Betriebe nur Heu aus zertifiziertem Anbau verwenden dürften. Hier könne man von den langjährigen Erfahrungen der Partner Mauermann/Schierenbeck profitieren. Weiterhin wurden die ersten Schnitte an den etwa 80 Obstbäumen vorgenommen.

Die Äcker sind laut Ader in Bearbeitung und werden artenreich biologisch bewirtschaftet. Die ersten Blühstreifen wurden eingesät, um wieder Nahrung für Insekten und einen Gegenpart zur Maismonokultur zu schaffen. Auf einem Acker werden Kartoffeln und Futterrüben angebaut. Die Rüben wolle man im Herbst den umliegenden Kindergärten und Grundschulen zur Verfügung stellen. Auf dem Acker direkt gegenüber der Peter-Heckmann-Halle in Affolterbach wird auch eine Fläche eingezäunt, damit die Kindergartenkinder das Wachsen der Pflanzen beobachten und dieses unterstützen können.

Leider hätten sich seitherige Grundstücks-Pächter trotz fristgerechter Kündigung nicht von den Flächen lösen können und teilweise weiter gegüllt, geackert, gekalkt und gesät sowie die neuen Pächter an der Ausübung ihrer Arbeit massiv behindert, monierte Ader. Ausschließlich aus Gründen des örtlichen Friedens werde in diesem hoffentlich einmaligen Fall eine gütliche Einigung angestrebt. Bei Wiederholung müsse juristisch vorgegangen werden, forderten die Mitglieder.

Zwei Informationsveranstaltungen sind für den September geplant. Eine zum Thema „Industrielle Landwirtschaft im Odenwald – Folgen für die Natur, Wasser, Luft, Boden, Lebensqualität und Auswirkung auf den eigenen Grundbesitz“. In diesem Rahmen würden Interessierte direkt über die Rechte und Pflichten als Grundbesitzer aufgeklärt. Die andere dreht sich um Ernährung inklusive Kartoffel- und Kelterfest aus eigener Ernte in Affolterbach.

Im Geschäftsbericht kam nach der Begrüßung durch den zweiten Vorsitzenden Heinz Trautmann die Sprache auf den Hofladen, über den die Eier aus dem Freilandhühnergehege verkauft wurden. Das Luna-Fest Ende August sei auf große Resonanz gestoßen. Im November war man Veranstalter eines Vortrags über Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald.

Jürgen Klieber als Kassenwart legte die Ausgaben und Einnahmen des Geschäftsjahres 2015 vor. Demnach wies die Kasse zum Jahresende ein schönes Plus aus. Die Kassenprüfer Thomas Langer und Klaus Oberle bestätigten eine einwandfreie Kassenführung. Die beantragte Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig. Zum neuen Beisitzer wurde Thomas Langer gewählt, Kassenprüfer ist Thorsten Ader.

Das Kartoffellegen auf eigenem Grundstück erfolgte mit einem „historischen Werkzeug“, dem Eicher EKL 15, Baujahr 1958, mit 16 PS. Den hatten Sebastian und Thomas Michel aus Affolterbach vor zwei Jahren gekauft, danach komplett restauriert und wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht. Nach langer Standzeit lief der Motor problemlos an – eben echte Wertarbeit. Für Bodenbearbeitung und Pflege kann und muss auch vom Traktor abgestiegen werden, machte Ader deutlich. „Diese Bewirtschaftungsform und der Respekt vor der Erde und der Kreatur ist unser Vereinsziel.“

Info: Verein Luna, Am Kocherbach 12a, 69483 Wald-Michelbach, Telefon 06207-923732, http://www.luna-kocherbach.de

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