Protestwanderung: Viele wollten wissen, wo im Gebiet Stillfüssel bei Siedelsbrunn die Windräder stehen sollen

Rund 150 naturbegeisterte Wanderer folgten der Einladung der Bürgerinitiativen (BI) Gegenwind Siedelsbrunn und Ulfenbach zur Tour durchs Gebiet „Stillfüssel“ am Hardberg, wo sechs Windräder geplant sind. Ab dem Treffpunkt Zollstock ging es im Rahmen der Protestwanderung gegen die „Horizontbeschränkung“ bei gutem und windfreien Wetter zunächst über den Clemensberg zur Windmessanlage auf dem Höhenrücken „Toter Mann“.

Unter der fachkundigen Begleitung von Revierförster Jürgen Lampert wurde die Wanderung vorbei an den geplanten Standorten der sechs Windenergieanlagen (WEA) fortgesetzt. Lampert berichtete fundiert über die forstwirtwirtschaftliche Nutzung und gab Einblicke in die vorgesehenen Lkw-Anfahrtswege zu den einzelnen Standorten.

Am frühen Nachmittag wurde das Ziel der Tour, die Gaststätte „Zum Wanderziel“ in Schönbrunn, erreicht. Alfred Wolf, Initiator der Protestwanderung, begrüßte dort als Gäste den ehemaligen Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes, und Dr. Richard Leiner von der Schutzgemeinschaft Odenwald. Zugleich überbrachte er eine Grußbotschaft des ehemaligen Landrats des Neckar-Odenwaldkreises, Horst Schnur.

Vera Krug, Sprecherin der BI Siedelsbrunn, stellte die Zielsetzung der Aktion heraus: „Wir wollten mit dieser Begehung jedem verdeutlichen, was auf uns Menschen zukommen wird und wie brachial die Eingriffe in unsere Natur sein werden.“ Man bezweifle, dass sich die Gemeindevertreter darüber bewusst seien, „was sie mit ihrer Entscheidung für künftige Pachteinnahmen ausgelöst haben“. Wenn die WEA erst einmal stehen, so Krug, „wird das Entsetzen groß sein“. Denn dann seien diese für alle sichtbar.

„Acht Millionen Menschen aus der Region nutzen den Odenwald als Erholungs- und Rückzugsgebiet“, betonte der bekennende Windkraftgegner Wilkes. Ihm sei es in seiner Amtszeit erfolgreich gelungen, Windräder im Kreis Bergstraße zu verhindern. „Dies gilt es unbedingt auch für nachfolgende Generationen zu erreichen.“ Wilkes unterstützt die Arbeit der Bürgerinitiativen aktiv, um das Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen und Bürger für eine Unterstützung der Sache zu gewinnen.

Richard Leiner ging in seinem Vortrag auf die heutige, technisch überprägte, industrialisierte Welt ein und forderte vehement, die „Grenze Wald“ als natürliche Bastion zu verteidigen. Problem in Bezug auf den ungebremsten Ausbau der Windenergie sei das fehlgeleitete Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Dies habe vor allem bei Herstellern, Projektierern und Betreibern von Windindustrieanlagen einen regelrechten „Klondike-Goldrausch“ ausgelöst. „Es findet eine Fragmentierung des Waldes statt“, so Leiner. Flächen- und mit ihm der Artenschutz werde auf Basis von Einzelfallprüfungen aufgegeben.

Leiner monierte: „Es findet keine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Odenwald statt, die auch die Gesamtauswirkungen berücksichtigt.“ Diese sei politisch auch nicht gewollt, da der Ausbau von Windkraft nach wie vor privilegiert werde. Fakt ist seinen Worten zufolge auch, dass dort, wo Windräder stünden, „weitere hinzukommen werden“. Gerade deshalb sei es für Wald-Michelbach wichtig, den Bau von WEA auf dem Stillfüssel zu verhindern.

Wilkes bestätigte diese Aussage: Im aktuellen Entwurf des Regionalplans Südhessen seien auf Gemarkung Wald-Michelbach bereits jetzt fünf Vorrangflächen für WEA ausgewiesen. „Ich bin davon überzeugt, dass dies die verantwortlichen Vertreter der Gemeinde noch nicht wissen“, so der ehemalige Landrat. „Mit dem Stillfüssel allein wird es daher nicht ausgestanden sein“, ist er sich sicher. Er schloss seine Ausführungen mit dem eindringlichen Appell: „Kämpfen Sie gegen alle Vorrangflächen, die in Wald-Michelbach und im gesamten Odenwald geplant sind.“

Info: Laut dem „Sachlichen Teilplan Erneuerbare Energien (Entwurf 2016) – Regionalplan Südhessen“ sind der Bürgerinitiative zufolge aktuell folgende Vorranggebiete für Windkraft auf Gemarkung Wald-Michelbach aufgeführt: „Auf der Höhe“ (Flockenbusch, Nr. 24), „Stillfüssel“ (Nr. 25), „Zentwald“ (Nr. 26a), zwischen Ober-Schönmattenwag und Aschbach (Nr. 909) und zwischen Aschbach und Affolterbach (Nr. 905).

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