Kabarettist Ingmar Maybach macht in Wald-Michelbach seine Späße mit göttlichem Segen

„Sind Sie wirklich Pfarrer?“ So abwegig ist die an Ingmar Maybach gestellte Frage nicht. Denn was der „Spaßmacher Gottes“ an Scherzen auf Kosten des eigenen Vereins bei seinem Auftritt in der evangelischen Kirche raushaut, werden die Kirchenoberen vielleicht nicht immer so zum Kringeln finden wie die Besucher. Die sind beim knapp zweistündigen Programm des Kabarettisten voll dabei, geizen nicht mit Zwischen- und viel Schlussapplaus und sind sich auch nicht zu schade, bei diversen Mitmach-Aktionen mitunter ein Liedchen anzustimmen.

Maybach präsentiert sich als Tausendsassa. Zum einen weiß er mit Geschichten und Geschichtchen aus dem Kirchenalltag zu begeistern, zum anderen verknüpft er christliche Inhalte geschickt mit der Populär-Kultur. Mit Hornbrille bewaffnet, macht er einen auf Mischung zwischen Guildo Horn und Peter Alexander, erntet dafür stürmischen Beifall. Mit den zwölf Bibelstellen zum Thema Liebe, vereint in einem Song, „gewinne ich bestimmt den ESC-Contest“, meint er lachend.

Seine gekonnten, hintersinnigen Seitenhiebe auf Politik, Gesellschaft und natürlich Kirche erschließen sich manchmal erst beim zweiten Gehirnklickern, kommen dafür aber umso nachhaltiger an. Kein gutes Haar lässt er an einem FDP-Politiker aus Sachsen, der dem Kirchentag Fördermittel streichen will. Im „Gleichnis vom gierigen Bankmanager“, frei nach dem Matthäus-Evangelium, prangert Maybach gekonnt sozialkritisch die immer weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich an.

Sein Kelch-Test, die fingierte EKD-Umfrage zum Lutherjahr, ist gespickt mit kleinen Seitenhieben Richtung Publikum, das bestens über sich selbst lachen kann. „Anzahl der Besucher: 90. Durchschnittsalter: knapp darunter“, kalauert er. Die zögerliche Antwort auf die Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes führt ihn zum Schluss: „Drei von 90 kennen den Heiligen Geist“. Viel weniger als danach das Kamel, das durchs Nadelöhr passt, ist Maybachs erstaunte und augenzwinkernde Feststellung.

Auf der Not macht der Pfarrer-Kabarettist eine Tugend, beziehungsweise aus seinen beiden Berufen ein Lied über Fragen – auch solche, die noch nicht gestellt wurden. „Bob Dylan meets Paul Gerhardt“ heißt das Motto, bei dem der er Mundharmonika und Gitarre spielt. Und sollte mal ein Akkord daneben gehen, ist der „Johann Sebastian“ schuld, der ein Faible für schwierige musikalische Konstruktionen hatte.

Der Pfarrer als Frühindikator für gesellschaftliche Entwicklungen: Wie Maybach aufzeigt, was sich in Sachen Kinder-Vornamen alles tut, ist eine Lachnummer für sich. Etwa Kevin, dessen Filmzusatz „allein zu Haus“ sich bald als „soziale Prognose herausstellte“. Allerdings vermisst der Spaßmacher immer noch das „erste Baby Gaga“. Das Bildungsbürgertum sieht er aber auch in der Namensfalle. Es solle dort möglichst biblisch und familiär zugehen. Das Ergebnis: „viele Pauls“.

Köstlich sein Erlebnis bei der Taufe des zwölfjährigen Luke und der elfjährigen Leia. Erst als die beiden in Star-Wars-Montur in die Kirche kamen, wurde ihm bewusst, woher die Namen stammen. „Ich hatte dann Angst, dass der Vater von beiden hinter mir steht“, scherzt der Kabarettist. Und ändert spontan das Ende der Taufansprache: „Möge die Macht Gottes mit euch sein.“

Seinen sarkastischen Humor lässt der Pfarrer schon zu Beginn durchblitzen, als er von den freudigen Ereignissen in der Kirche wie Heirat und Scheidung spricht. Oder den traurigen wie Sterbefälle oder Kirchenvorstandssitzungen. Die diversen Frauenkreise sind bei ihm die allzeit präsenten „Weißkopfgeschwader“, die jede kleinste Abwesenheit bei den wöchentlichen Treffen sofort mit Missfallen goutierten.

Nichts aber gegen die Braut bei einer Hochzeit, eine Mischung aus dem „weißen Duracell-Häschen und Heidi Klum auf Speed“. Kein Wunder, dass Maybach daraus das Stück „Die Braut – ein Drama in drei Akten“ gestrickt hat. Bei 16 Trauungen im Sommer, gesteht er, „bin ich froh, wenn ich im Winter keine Braut mehr zu Gesicht bekomme“. Denn die sehe sich in der Regel „als Mischung zwischen Prinzessin Kate und Drew Barrymore“ – und die Hochzeit müsse natürlich besser sein als die der besten Freundin.

Als den Mercedes, „nein den Maybach unter den Trausprüchen“ kennzeichnet der Kabarettist den Satz aus dem 1. Korinther 13: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Der tauche bei Google an erster Stelle auf, wenn man nach Trausprüchen suche. Außerdem hatten den schon alle Freundinnen der Braut, also könne er nicht schlecht sein, grinst er.

Doch die Prioritäten seien völlig anders gesetzt: Denke der Pfarrer an die Zeremonie, gehe es der Braut nur um ihr Kleid. Unter großen Gelächter gibt er die Geschichte zum Besten, wie eine Hochzeit zwei Wochen vor Termin in die Kirche des Nachbardorfs verlegt wurde, weil in seinem Gotteshaus der Reifrock zu breit für den Mittegang war. „Deshalb hat mancher Pfarrer lieber zwei Beerdigungen als eine Trauung.“

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