Vier Dörfer und ihre wechselvolle Geschichte: Geopark-vor-Ort-Wanderung rund um Grasellenbach

„Vier-Dörfer-Wanderung“ hat der Geopark-vor-Ort-Begleiter Friedel Sattler seine Tour genannt. Die bietet er am Sonntag, 29. Mai, an. Start ist um 13 Uhr am ehemaligen Bahnhof in Wahlen. Von dort geht es vorbei an Kriegerdenkmal Scharbach, Wasen-Emigsmühle und Galgen der Hammelbacher Zent über Litzelbach, Hammelbach und Gras-Ellenbach zum Ausgangspunkt zurück. Sie findet im Rahmen des vierten hessischen Naturpark-Wandertags während der europäischen Geopark-Woche statt.

Friedel Sattler geht am Start auch auf die Geschichte von Wahlen ein. Das hieß bei seiner Ersterwähnung 1359 ursprünglich „Waldau“ und bedeute Siedlung auf einer Au im Wald. Der Name leite sich von einer dortigen ehemaligen gleichnamigen Wasserburg (Burg Waldau) ab. „Wahlen war eine Waldhufensiedlung“, so Sattler. Im Jahr 1613 waren 6 Huben (Höfe) ansässig.

Es sei für den Überwald „ein besonderes geschichtliches Ereignis“ gewesen, als die Bahnlinie am 28. Februar 1901 feierlich eröffnet wurde. „Dem persönlichen Einsatz des damaligen Landtagsabgeordneten Heidenreich aus Affolterbach war es zu verdanken“, dass die Bahn bis Wahlen geführt wurde. Denn eigentlich sollte Wald-Michelbach der Endpunkt sein, sagt Friedel Sattler.

Das erste urkundlich erwähnte Gewerbe Wahlens war laut Sattler die Eisenverhüttung. „Die Schmelze stand am Hammelberg und gehörte zum Wald-Michelbacher Eisenhammerwerk“, das ein kurpfälzisches Erbbestandswesen war. Auf dem Weg nach Hammelbach finden sich im Wald verschiedentlich Hinweise auf diese frühere Bewirtschaftung.

Die Wasen-Emigsmühle wurde im Jahr 1568 erstmals urkundlich erwähnt. Sie war eine kurpfälzische Erbbestandsmühle und stand am Eingang zum Scharbachtal, wo auch heute noch das Anwesen der ehemaligen Mühle zu finden sei. „In den alten Schriften hieß sie Wasenmühle, nach der dortigen Flur, die einmal der Wasen genannt wurde“, erläutert Sattler.

„Die Orte Niederscharbach, Gras-Ellenbach und Wahlen waren in diese Mühle gebannt“, das heiße, ihre Bewohner durften in keiner anderen Mühle ihr Getreide malen lassen. Im Jahre 1824 wurde Sattler zufolge das Bannrecht aufgelöst. Johannes Mühlfeld, der bis 1827 Erbbeständer war, habe die Mühle erworben. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts gehöre die ehemalige Wasenmühle der Familie Emig, so seine Ausführungen.

Die Richtstätte (Galgen) der Hammelbacher Zent befand sich laut Urkunde von 1613 am Hammelberg in Wahlen. Unmittelbar vor der Abzweigung nach Unterscharbach stehe rechts, dicht oberhalb der Straße am Abhang des Hammelbergs, ein altes steinernes Kreuz ohne Zeichen. Etwas oberhalb dieses Kreuzes am Waldesrand auf demselben Acker stand dem Geoparkbegleiter zufolge der Galgen.

In Litzelbach können vier ehemalige Steinbrüche besichtigt werden. Anhand der Schautafeln des Geo-Naturparks sowie zusätzlicher Erläuterungen lasse sich dadurch sehr gut die geologische Entstehungsgeschichte nachvollziehen, erklärt Friedel Sattler. „Der Gesteinsabbau beeinflusste damals wesentlich das alltägliche Leben der Landbevölkerung.“ In Hammelbach sind dann eine Besichtigung des dortigen „Museums für alte Läden und Reklame“ sowie eine Einkehr in der Straußenwirtschaft vorgesehen.

Zurück geht es vorbei an Naturdenkmälern wie Kapellruine, Kalter Brunnen in Hammelbach und über Gras-Ellenbach zum Ausgangspunkt. Informationen zu geologischen Besonderheiten, Geschichte und Kultur runden Friedel Sattler zufolge die Wanderung ab. Die Zehn-Kilometer-Tour dauert etwa fünf Stunden.

 

Info: Anmeldung unter Telefon 06207-943837

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