Parkinsonhilfe Überwald: Trommeln für die Belange der Erkrankten und Angehörigen

Wald-Michelbach. „Ich möchte für andere da sein. Geben und Nehmen ist etwas Schönes“, erzählt Regina Schubert über die Anfänge der Parkinsonhilfe im Überwald. Vor zehn Jahren war die gebürtige Thüringerin über ihren jetzigen Mann Wolfram in die Region gekommen. „Als Zugezogene wollte ich hier nicht zurückgezogen leben“, erzählt sie. Und da sie in Thüringen bereits eine Selbsthilfe-Gruppe und den dortigen Landesverband mit aufgebaut hatte, war der Weg vorgezeichnet.

2006, nachdem sie nach Wald-Michelbach gezogen war, begann Schubert Menschen zu suchen, „die mein Leben mit Morbus Parkinson verstehen“. Andererseits sollten auch ihr Wissen und „meine Erfahrungen im Leben mit der Erkrankung“ Menschen helfen. Inzwischen lebt Regina Schubert schon 26 Jahre mit der Diagnose Parkinson. Die Jahre der Auseinandersetzung damit „waren optimale Vorrausetzungen, meine Hilfe anzubieten und viele kleine Rädchen zu bewegen“, betont sie.

Angefangen hat die Selbsthilfe-Gruppe Ende 2006 mit acht Personen im Aschbacher Gemeindezentrum. „Seitdem treffen wir uns jeden Mittwoch mit Betroffenen und Angehörigen“, berichtet Schubert. Aktuell seien es 16 Personen. Sie betreue aber noch weitere zehn, die mit ihrer Krankheit nicht an die Öffentlichkeit gehen wollten. Die Mitglieder kommen aus dem gesamten Überwald von Abtsteinach über Wald-Michelbach bis Scharbach oder Wahlen.

Die Leiterin der Parkinson-Gruppe betont, wie wichtig es sei, dass gerade in der heutigen Zeit die Kranken und ihre Angehörigen Hilfe bekämen. „Es ist nicht so einfach, mit Morbus Parkinson zu leben“, weiß sie aus langjähriger eigener Erfahrung. Mit Gedichten und Geschichten versuchte sie zwischenzeitlich, ihre Gedanken darüber zu Papier zu bringen, anderen und sich selbst Mut zu machen, die Krankheit zu verarbeiten.

„Parkinson ist mein zweites Ich“, schildert Regina Schubert ihr Leben mit Parkinson. Sie lasse sie „nicht so machen, wie ich es eigentlich möchte“. Sie fühle sich oft wie in einem Käfig: „Vom Geist her will und kann ich etwas tun“, aber der Körper lasse es nicht zu. Es sein „unheimlich schwierig“, Außenstehenden diesen inneren Kampf deutlich zu machen.

In der Selbsthilfe-Gruppe werde über die Krankheit nur wenig geredet, berichtet sie. „Wir fühlen uns einfach wohl“, dienten die Treffen auch dem gesellschaftlichen Miteinander. „Es sind immer alle da“, weiß sie um die verschworene Gruppe, die sich jeden Mittwoch um 12 Uhr zum Reha-Sport mit einem ausgebildeten Übungsleiter im Seniorenwohnsitz Gümbel in der Wald-Michelbacher Bachmann-Straße trifft. Der werde für Parkinson-Kranke von der Krankenkasse bezahlt, sagt sie.

Wie Schubert erläutert, kommen außerhalb dieser Treffen die Gruppenmitglieder auch auf sie zu, um sich über Medikamente zu auszutauschen oder andere Informationen rund um die Krankheit und deren Symptome einzuholen. „Oft sprechen mich aber die Angehörigen an“, hebt sie hervor. Denn die bemerkten Anzeichen, die der Erkrankte noch nicht wahrhaben wolle, und kümmerten sich bereits um Adressen der diversen Ansprechpartner für den Fall der Fälle.

Die Parkinson-Selbsthilfegruppe lädt Schubert zufolge zwei Mal im Jahr auch die allgemeinen Veranstaltungen ein. Dann referierten Ärzte, Therapeuten oder Mitglieder von Sozialverbänden zu allen möglichen Aspekten rund um die Krankheit. Schubert gibt daneben auch Tipps für Therapie, Bewegung und die optimale Medikamenten-Einstellung für die Psyche. Denn „bei Stress verstärken sich die Symptome“, weiß Schubert. Und: „Parkinson-Kranke dürfen nicht so viel sitzen.“

Das Engagement für die an Morbus Parkinson Leidenden ist Regina Schubert eine Herzensangelegenheit. Wenn sie dann wie zum 60. Geburtstag die Worte „Nicht verzagen, Regina fragen“ auf der Glückwunschkarte sieht, freut sie das besonders. Als Logo für die Gruppe hat sie den Specht gewählt: „Denn der versteckt sich nicht und macht durch Klopfen auf sich aufmerksam“, kann sich Schubert mit ihm identifizieren. Denn Trommeln für die Belange der Erkrankten und Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit dafür herstellen liegt ihr einfach im Blut.

 

Info: Parkinsonhilfe Überwald, Regina Schubert, Kirchbergstraße 7a, 69483 Wald-Michelbach, Telefon 06207-948495, E-Mail parkinsonhilfe.ueberwald@web.de, www.parkinsonhilfe-ueberwald.de

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