Für die Stoewer-Ersatzteile kommt Paul Hoepfl extra von Südafrika in den Überwald

Paul Hoepfl ist eine Frohnatur, die sich nicht entmutigen lässt. Sonst hätte er in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten bestimmt schon aufgegeben, nach Ersatzteilen für seinen Stoewer S10 Cabriolet von 1928 zu suchen. Der ist ein Wüstenfund aus Namibia – und weil der Südafrikaner Hoepfl weiß, dass mit Manfried Bauer einer der besten Kenner dieser Automarke überhaupt in Wald-Michelbach sitzt, war er nun wieder in dessen Museum zu Gast.

Der 46-Jährige kennt sein ambitioniertes Vorhaben und lächelt die Beschwernisse einfach weg: Denn nur 790 Autos wurden von dieser Serie gefertigt. Ganz vier sind davon noch übrig geblieben: zwei in Deutschland, eines in Finnland und eines – in Südafrika. Hoepfl, der sein Geld mit der Herstellung von Prothesen und künstlichen Gelenken verdient, hat sich alten Autos mit Haut und Haar verschrieben. Da leidet dann auch schon mal die Ehe drunter, weswegen er grinsend von sechs Oldtimern, einer Ex-Frau und zwei Kindern spricht.

Dass Hoepfl den alten Stoewer in die Hände bekam, gleicht sowieso einer Reihe von Zufällen. Denn gefunden wurde das Cabriolet der S10-Reihe schon früher auf einer Farm bei Swakoptown in Namibia. Wie es allerdings dorthin kam, konnte nicht mehr rekonstruiert werden. Der Autosammler brachte aber in Erfahrung, dass es von diesem speziellen Modell wiederum nur zehn Exemplare gab, seines ist das einzig noch bekannte erhaltene.

Das Vorderteil wurde Hoepfl zufolge damals von Karmann gebaut. Der Wagen hat ein fünf Meter langes Chassis, ist ein Zweitürer mit vier bis fünf Sitzen. Der Farmer „war ein Freund meines Rektors“, erzählt der Südafrikaner. Als er ausgelernt und ein bisschen Geld in der Tasche hatte, rief Hoepfl dort an und fragte, ob dieser den alten Wagen verkaufen würde. So kam er zu seinem ersten „Baby“, dem weitere folgen sollte.

Das war vor weit mehr als zwei Jahrzehnten – so lange ist der Oldtimer-Fan nun schon auf der Suche nach Ersatzteilen für das Stoewer-Skelett. Vor 16 Jahren kam er in Kontakt mit Manfried Bauer und war nun das dritte Mal in Deutschland. Die beruflichen Aktivitäten hierzulande verband Hoepfl natürlich auch mit seiner Passion – außerdem hat er familiäre Bindungen in die Region, seine Großmutter stammt aus der Mannheimer Ecke.

Wenn der Südafrikaner ins Stoewer-Museum zu Bauer kommt, hat der bereits eine lange „Bestell-Liste“ abgearbeitet. Vier bis fünf Zentner Ersatzteile sind es diesmal, die sich auf einer Palette auf den Weg in die südliche Hemisphäre machen. Vorder- und Hinterachse, Federn, Kolben, Spurstangen und vieles mehr braucht der Sammler. Das alles gestaltet sich mühsam und teuer – wenn er überhaupt Erfolg hat.

Eine gute Portion Erfindungsreichtum gehört für den Sammler aus Pietermarietzburg nordwestlich von Durban auch dazu. Weil es nur noch vier andere S10-Exemplare auf der Welt gibt, sind Ersatzteile nicht gerade reich gesät. In Südafrika kennt Hoepfl sowieso keinen weiteren Stoewer-Besitzer egal welches Modells. Nach Deutschland gibt es in Australien die meisten noch verbliebenen Exemplare der Automarke aus Stettin, die bis 1945 existierte.

Die Faszination für alte Vehikel wurde dem 46-Jährigen quasi in die Wiege gelegt. „Mein Vater hatte das gleiche Hobby“, schmunzelt er. Schon als kleiner Junge ging er diesem zur Hand. Nach dem Stoewer kamen zu seinem sechs Fahrzeuge umfassenden Fuhrpark unter anderem noch ein MG und ein Dodge dazu.

„Ich verbringe viel Zeit mit meiner Passion“, gibt der Südafrikaner unumwunden zu. Und natürlich kostet das Hobby einen Haufen Geld. Es sei einfach und relativ günstig, einen alten Schrott-Wagen zu kaufen. „Ihn zu restaurieren, ist um ein Vielfaches teuer“, weiß der Sammler. Ersatzteile dafür zu finden sei fast wie ein Sechser im Lotto. Wenn es keine gibt, macht Hoepfl Abdrücke davon und versucht sie selbst zu gießen oder nachzubilden.

„Vieles finde ich auch über Ebay“, kennt der Autonarr die Vorzüge der Internet-Plattform. Etwa einen Original-Türgriff in Art Deco oder das Stoewer-Signet. Auf seiner Wunschliste steht aber noch die Kühlerfigur. Die Originalfarben in dunklem Blau und Orange fehlen ebenfalls noch. Von drei Scheiben in der Lenksäule, die unter anderem das Licht steuern, machte er bei Bauers S8 einen Abguss, um sie zuhause nachzubauen.

Zwei Bremstrommeln drehte sich Hoepfl selbst, weil er keine fand. Zu früh: Manfried Bauer hat ihm in der Zwischenzeit vier davon besorgt. Die gehen jetzt ebenso nach Südafrika wie zwei hintere Kotflügel, sechs halbelliptische Federn und zwei Steckachsen. Dazu fand Bauer für ihn neben einem Lenkgetriebe und einer Spurstange einen Koffer(raum) in Lübeck.

Eine Anekdote hat der Sammler auch auf Lager: Auf seiner Suche nach den passenden Teilen ließ sich Hoepfl von einer australischen Forma acht Kolben herstellen und schicken. Nur: Die kamen nicht an. Also noch einmal das gleiche Prozedere. Dieses Paket erreichte Südafrika. Kurz danach auch das verschollene. Womit Hoepfl jetzt für seinen Stoewer acht Ersatz-Kolben hat. Wenn das Fahrzeug irgendwann mal komplett restauriert sein sollte.

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