Die Brückensperrung bietet bei der Affelbescher Kerwepredigt viel Anlass für Spott und Hohn

Der Kerwesonntag ist immer eine feste Bank beim SV. Der morgendliche Gottesdienst, gefolgt vom traditionellen Mittagessen, leitet über zu den Fußballspielen und der mit Spannung erwarteten Kerwepredigt am Abend, bei den Affelbeschern fest in weiblicher Hand. Der Verein darf sich dabei immer über ein volles Haus freuen, ehe es am Montag in den Endspurt geht und nachmittags die Mammutveranstaltung „beerdigt“ wird.

Sechs Tage herrliches Wetter waren in diesem Jahr fast zu viel des Guten, stellte Fördervereins-Vorsitzender Jörg Rettig in der Nachschau fest. Denn man verzeichnete etwas weniger Besucher als im vergangenen Jahr. Während das „Xtreme“-Konzert und der Sonntag sehr gut liefen, war er mit dem bayrischen Abend nicht zufrieden. Generell wünscht sich Rettig mehr Zuspruch aus dem Ort selbst. Insgesamt zog er aber ein positives Fazit der Traditionsveranstaltung.

Pfarrerin Tabea Graichen widmete sich beim morgendlichen Muttertags-Gottesdienst dem Begriff Familienangelegenheiten, der auch durch die Fahne am Kirchturm als „Kirchenthema dieser Tage“ aufgegriffen werde. Sie sprach von der Familie, „aus der wir kommen“, aber auch von der selbstgesuchten in Freundeskreis, Verein oder Kirche. „Gott will, dass Menschen erfahren: Sie sind nicht allein“, so Graichen.

Nach dem schönen Sonntagsbeginn stand Spießbraten mit Kartoffelsalat als besonderes Kerwe-Mittagessen an. Freundschaftsspiele der Bambini und der F-Jugend leiteten über zum Rundenspiel der ersten Mannschaft. Diese holte bei großer Zuschauerresonanz einen verdienten Heimsieg gegen Biblis, was sich natürlich positiv auf die Stimmung niederschlug.

Am späteren Nachmittag zeigten die Kleinsten des SV in der Peter-Heckmann-Halle, was sie alles gelernt haben. Jenny Stay trainiert die neue Abteilung, etwa 15 Zumba-Kids, die bei drei Liedern über die Bühne wirbelten. Yvonne Schwöbel und Petra Jäger sind für die Kerwekids verantwortlich, die ebenfalls mit einem Stück ihr Können zeigten. Zum zweiten Tanz durften dann als „Überraschungsgäste“ verschiedene Eltern auf die Bühne.

Danach schlug die große Stunde von Kerweparrerin Christina Eckert und Mundschenkin Lena Hufler. Sie hatte Etliches aus dem vergangenen Jahr aufgespießt, was die Betroffenen sicherlich gerne unter den Teppich gekehrt hätten. Aber auch örtliche Begebenheiten waren ihrem scharfen Blick nicht verborgen geblieben. „Brückensperrung führte zu viel Gesprächsstoff, hier und da gab es deswegen Zoff. So hat ein Notarzt deswegen die Hall net gefunne, nix passiert awwer trotzdem sinn mer all die Dumme“, kritisierte sie die langen Bauarbeiten an der Ulfenbachbrücke.

„Bauarbeiter wurden auf der Baustelle nicht viel erspäht, vielleicht is des auch der Grund, warum es do so flott vorwärts geht“, wusste die Kerweparrerin. „Die Stroaß Richtung Kocherbach war lange Zeit komplett gesperrt, die auswärtige Leut sind wie verrückt durch unser Örtche geirrt“, bemängelte die Kerweparrerin.

Christina Eckert wusste auch einiges von Jörg Rettigs Erlebnissen beim Plakate ausfahren und kleben. Denn am Hang rollte dem plötzlich das Auto weg: „Er rennt los nur noch 5m es Auto weit fort, schneller schneller schneller er ist gleich dort, er setzt zum weiten Hechtsprung an, die Hand im Reflex an die Handbrems ran“, nahm alles ein gutes Ende. Bis auf die Blessuren: „Mit der linke Schulter is er voll uff de Schaltknüppel geknallt, es ist alles blau, et tut wai hat er gelallt“.

Dass die Affelbescher Frauen einen guten Zug am Leib haben, bewies sich laut der Kerweparrerin nach dem Menschenkicker-Turnier der vergangenen Kerwe. Denn: „Nicht nur für das beste Soccerteam war ein Preis ausgelobt, nein, welche Gruppe am meisten trinkt, der Kampf um diesen Thron tobt“. Eckert riet: „Einen kleinen Tipp an euch Männer hab ich als Frau, bevor ihr mit uns Wettsaufen macht überlegt das genau. Die Damen waren da mit großem Stolz, denn die Fastnachtsdamen sind aus besonderem Holz“.

Vom Erlebnis des Radi mit den Hasen hatte sie auch eine Geschichte parat. Denn der sollte auf keinen Fall vergessen sie zu füttern, was ungeahnte Konsequenzen nach sich zog. „Der Radi als pflichtbewusster Vater ist bekannt, hat uffem Hoamweg dann de ganze Salzberg noch Löwenzahn abgerannt“, wusste sie. „Der Radi hat die Hase gefüttert mit soim große Balle, leider ist er dodebei in des Freigehege noigefalle.“ Was zum Ende bedeutete: „Rausgekomme ist er nicht mehr aus dem Stall, wer hätte das gedacht, sou hat er halt soi Schläfchen im Hasenstall gemacht“, meinte Christina Eckert unter dem Gelächter der Gäste.

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