Tag der offenen Tür: Kunden und Ortsbürgern den Holzhackschnitzel-Betrieb „Hefd“ in Gras-Ellenbach näherbringen

Holzhackschnitzel, soweit das Auge reicht. In der riesigen Halle verschwinden Sitzbänke und Bierwagen fast, die Hüpfburg ist ein Farbtupfer vor einem braunen, über zehn Meter hohen Berg. Zum Tag der offenen Tür hatte die Firma Hefd in ihren vor drei Jahren im Gebiet „Sägewerk 2“ erstellten Betrieb eingeladen. Kunden und Gras-Ellenbacher sollten sich vor Ort informieren können, wie gearbeitet wird. Gleichzeitig wolle man den Ablauf vorstellen, meinte Geschäftsführer Jörg Fuhr, der das Unternehmen zusammen mit Alexander Dörsam leitet. Derzeit sind dort fünf Mitarbeiter aktiv.

„Seit drei Jahren läuft unser Betrieb erfolgreich“, betonte Fuhr. Neben der Hackschnitzel-Produktion biete man auch einen Wartungs- und Störungsservice für Heizungsanlagen als Komplettpaket an. Die 2015 in Betrieb genommene Solartrocknungsanlage auf dem Dach sei die „derzeit weltgrößte für Hackschnitzel“, ist der Geschäftsführer stolz. Ihre Installierung sei ein Ergebnis der Bau-Auflagen, da die Mitarbeiter das Holz im Wald im nassen Zustand hacken müssten und es dann erst in der Halle getrocknet werden dürfe.

Gemessen am Heizölverbrauch decke man aktuell die Hälfte des Gras-Ellenbacher Energiebedarfs ab, erläuterte Fuhr. Neben Nibelungenhalle und Feuerwehrhaus seien dies auch noch das Hotel Siegfriedbrunnen sowie über Arnold und Schwöbel auch der Landgasthof Hagen. Somit laut Fuhr 20 Gebäude, deren Heizung mit erneuerbaren Energien und Biomasse erfolge.

Durchschnittlich verlassen im Jahr – je nach Witterung – um die 300.000 Kubikmeter Hackschnitzel die Tore der Firma Hefd, erklärte Fuhr. Das entspreche zirka 2,1 Millionen Liter Heizöl, die auf diese Weise eingespart würden. Das Holz beziehe man regional aus einem Umkreis von 50 Kilometern vom Ried über den Odenwald bis zum Spessart. „Sonst wäre es auch nicht bezahlbar“, machte der Geschäftsführer deutlich, dass es anderweitig durch die Transportkosten unrentabel wäre.

Man arbeite in der Regel mit den klassischen privaten Forstunternehmen zusammen, so Fuhr. Diese demonstrierten im angrenzenden Wald auch die Holzernte mittels Harvester und Holzrückemaschine Forwarder. Abnehmer sind seinen Worten zufolge Liefergenossenschaften, Schulen und Kommunen in einem Umkreis von 100 Kilometern. Ein Großteil davon „ist schon von Anfang an dabei“, als der Betrieb in kleinen Dimensionen unterhalb des Cafés Hügel startete. Bald schon „wurde alles zu klein“. Die Firma expandierte und so platzte das familieneigene Gelände im Ort immer mehr aus den Nähten. Über Jahre hinweg zog sich die Suche nach Alternativen.

Die Firma Hefd hatte zum Anschauen ihren kompletten Maschinenpark aufgefahren, unter anderem einen Spezialcontainer, mit dem auch Einfahrten von maximal vier Metern Höhe bedient werden können. Ein paar Meter weiter war im Wald ein Mobilhacker zur Holzhackschnitzel-Produktion im Einsatz. Das 540-PS-Gerät kann Stämme bis zu einem Durchmesser von 70 Zentimetern häckseln. Ein vorgeschalteter Holzspalter ermögliche sogar die Arbeit bis zu 1,50 Meter Dicke. Ein Landmaschinenhersteller zeigte daneben seinen riesigen John-Deere-Schlepper.

„Wir sehen unsere Kunden ganz selten“, war laut dem Geschäftsführer mit ein Grund für den Tag der offenen Tür. Deshalb „wollen wir ihnen zeigen, wie bei uns produziert wird“. Gleichzeitig könne man den Ortsbürgern die Produktion näherbringen. „Ich wurde schon öfters gefragt, ob bei uns überhaupt was passiert“, bekomme man im Dorf nur wenig von der Arbeit mit. Für Fuhr auch das beste Beispiel dafür, dass sich von den anfänglichen Bedenken beim Bau nichts bestätigt habe.

Von Seiten der Besucher habe er positive Rückmeldungen bekommen, sagte Jörg Fuhr. Neben dem Interesse, das Werk einfach mal sehen zu können, habe es auch erstaunte Blicke aufgrund der Dimensionen gegeben. Das Ziel der Firma, sachliche Informationen über die tatsächliche Beeinflussung der Umwelt und über die Realisierung der Auflagen zu geben, ließ sich durch den Tag der offenen Tür damit gut realisieren.

Denn von der Antragstellung bis zur Genehmigung des Betriebs an diesem Ort sei es schwieriger Weg gewesen. Laut Fuhr habe eine Bürgerinitiative versucht, die Ansiedlung zu verhindern, gleichzeitig habe es von behördlicher Seite etliche Auflagen zu Tier- und Lärmschutz gegeben. Im Sommer dürfe keine Holzanlieferung erfolgen, um der möglichen Gefahr eines Borkenkäferbefalls im angrenzenden Wald vorzubeugen. Doch inzwischen sei das Unternehmen hier „längst heimisch geworden“, so der Geschäftsführer.

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