Nach dem Abba-Medley gibt’s beim Jahreskonzert überschäumenden Beifall für die Blasmusik Schimmeldewog

Zum Schluss, bei der Zugabe, gibt’s kein Halten mehr. Die mehr als 200 Zuschauer im Haus des Gastes applaudieren beim Schimmeldewejer Lied begeistert der Blaskapelle. Die hatte mit ihrem Jahreskonzert zuvor zwei Stunden lang die Gästeschar bestens unterhalten und einen beeindruckenden Querschnitt ihres Schaffens gezeigt. Polka, Big Band, Chanson, Filmmusik und Pop: Alles war vertreten im abwechslungsreichen Programm unter der Leitung von Marcel Hamaekers.

Die 30 Musiker auf der Bühne, in der ersten Hälfte mit ihrem traditionellen roten Konzertoutfit angetan, zeigten gleich mit dem ersten Stück „New Generation“ im wahrsten Sinne des Wortes die „Marsch“-Richtung auf. Der Wechsel von langsamen, getragenen Partien mit flotten Klängen und einem fanfarenartigen Abschluss sollte beispielgebend für das Konzert sein, bei dem sich ruhige Stücke mit fetzigeren Parts abwechselten.

In seiner Begrüßung freute sich der Vorsitzende Hans Vogel über den guten Besuch trotz des ungewohnten Termins. Denn normalerweise lade man sonst immer am Palmsonntags-Wochenende ein. Er stellte vier Gastmusiker vor, die beim Konzert die Blasmusik Schimmeldewog verstärkten. Durchs Programm führte in bewährter Manier fundiert aber gleichzeitig augenzwinkernd Donat Skroch.

Die Vielfalt der Bläsermusik in einem einzigen Stück: „Mit der Kraft der Musik“ war so etwas wie ein Medley aller Stilarten gleich zu Beginn. Eine Reise mit „Leidenschaft, Herzblut und Können“, wie Skroch sagte. Denn Einstieg ins Stück kommt mächtig-majestätisch daher, ehe dann die Holzbläser ruhig und besinnlichen einen Choral bieten, danach das Orchester übernimmt und mit einer brillanten Coda abschließt.

Nach Österreich ging’s mit der Schönbrunner Polka. Lustig, charmant, perlend, verspielt weckt sie Gedanken an die Werke von Johann Strauß und erlebt zum Schluss hin einen musikalischen Höhepunkt. Vom Alpenstaat nach Russland: Ein erstes Highlight des Konzerts ist Billy Joels „Leningrad“. Diese Aufarbeitung des Kalten Kriegs, als Nachklapp zu einer Tour 1987 durch die Sowjetunion entstanden, ist als Song sowieso beeindruckend und gewinnt durch die Macht der Instrumente noch einmal an musikalischer Fahrt.

„Spirit of Life“ lässt die Gäste die Höhen und Tiefen des Lebens mit allen Facetten der Blasmusik durchleben. Das Orchester präsentiert sich hier wie auch bei den anderen Stücken absolut präsent, folgt den Anweisungen von Marcel Hamaekers punktgenau und heimst damit wie bei allen Liedern viel Beifall ein. Heiter, melancholisch, nostalgisch und rhythmisch zeichnet die Blasmusik die Stationen nach. Ein Ensemble in einem kleinen Ort auf einem solch hohen Niveau – das findet man selten.

„Was zum Träumen“ ist das letzte Stück vor der Pause, „Pacific Dreams“. Das Allegro-Finale bildet einen fulminanten Abschluss des ersten Sets, mit dem die Zuschauer beschwingt in die Pause gehen können. Danach ist schon durch das Erscheinungsbild der Musiker klar, dass es musikalisch ganz anders zugehen würde: Das Orchester kommt leger, bunt gekleidet auf die Bühne zurück, um nun Filmmusikern, Chansons und Pop zu huldigen.

In den Sherwood Forest mit Blechbläser-Anklängen an die Jagd geht es bei den „Highlights from Robin Hood“. Natürlich darf auch der Hit „Everything I do I do for you“ aus dem Erfolgsfilm von 1991 nicht fehlen. „Das Stück erfordert höchste Konzentration“, ist für Skroch dieser Song sein absoluter Favorit.

Margaret Rutherford in den Miss-Marple-Filmen der 60er Jahre ist heute wohl eher nur noch der Generation 50+ bekannt. Die Titelmusik aus diesen vier Streifen ist aber ein Klassiker und gelangte damals sogar in die Pop-Charts. Die eingängige Melodie, von der Blasmusik perfekt gespielt, kam beim Publikum bestens an. Wie auch das Medley mit den bekanntesten Stücken von Edith Piaf, gekrönt von „La vie en rose“.

Dem Medley mit Songs des Iren Gilbert O’Sullivan schließt sich das furiose Finale an: Gleich dreimal kommt die schwedische Popgruppe „Abba“ zu ihrem Recht. „Does your mother know“, „Money, money, money“ und schließlich „Dancing Queen“ bilden den Grundstock dafür, dass die Zuschauer nach diesen Krachern natürlich noch nicht nach Hause gehen wollen und energisch nach Zugabe verlangen.

Die gibt es. Klar. Das folgende „Thank you for the music“ nutzt Skroch zu einem großen Dank an die Musiker. „Danke für die große Freude“, wandelt er den Text entsprechend um. „Nichts kann unsere Herzen und unsere Seele mehr erobern wie eine Melodie es vermag.“ Standing Ovations nach dem Schimmeldewejer Lied leiten über zum gemütlichen Beisammensein, bei dem Musiker und Gäste noch lange beieinander stehen.

 

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