Unmut über erhöhte Beförsterungsgebühren: Privatwald-Besitzer im Bereich des Forstamts Beerfelden unterschreiben neue Verträge nicht

Die Erhöhung der Beförsterungsgebühren für die Privatwald-Besitzer treibt die Eigentümer immer noch kräftig um. Bei der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Südlicher Odenwald wurde der Unmut darüber wieder deutlich. Der richtete sich aber nicht gegen den Überbringer der schlechten Nachricht, das Forstamt Beerfelden, sondern gegen das zuständige Wiesbadener Ministerium und Hessen Forst in Kassel.

FBG-Vorsitzender und Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel nahm aus dem Treffen im „Birkenhof“ den Auftrag der 50 und mehr Anwesenden mit, gegenüber den Behörden den „Unmut“ der Waldbesitzer über die drastische Gebührenanhebung zu artikulieren. Wahrscheinlich „bringt das wie auch beim kommunalen Finanzausgleich nichts“, meinte Neckarsteinachs Bürgermeister Herold Pfeifer, der wie viele seiner Kollegen aus Überwald und Oberzent der Versammlung ebenfalls beiwohnte. „Aber tun sollten wir es auf jeden Fall.“

„Vielerorts herrscht Unverständnis über das Vorgehen des Landes“, hatte Kunkel bereits in seiner Begrüßung ausgeführt. „Die Vorgaben kommen aus Wiesbaden und Kassel“, sagte er. Die Mehrzahl der vor einem Jahr in Beerfelden vorgestellten Dinge sah Kunkel „als nicht schlüssig“ an. Sie seien durchgeboxt worden. Hier gebe es eine ähnliche Vorgehensweise wie auch auf politischer Ebene, wenn dort Vorgaben von oben ohne Rücksicht auf die unteren Ebenen umgesetzt würden.

Innerhalb des FBG-Vorstands sei man zur Überzeugung gelangt, „dass die Betreuung aller Waldbesitzarten aus einer Hand die beste Variante ist“. Beim Forstamt Beerfelden fühle man sich gut aufgehoben. Der Wald sei „viel zu wichtig“, um leichtfertig ein Wegbrechen der bisherigen guten Strukturen zu riskieren, betonte Kunkel. Jedoch bezeichnete er die Einführung der neuen Kostenbeiträge als „nicht zielführend“.

Die privaten Wald-Eigentümer machten ihren Unmut darüber auf andere Weise Luft: Sie unterschrieben die neuen Verträge mit den erhöhten Gebühren einfach nicht. Wie Forstdirektor Norbert Sasse, Leiter des Forstamts Beerfelden, ausführte, habe man bei den im Oktober verschickten Schriftstücken bisher eine Rücklaufquote von nur zehn Prozent. Von den Waldbesitzern mit über fünf Hektar Fläche „ist praktisch gar nichts zurückgekommen“, sagte er – diese sind von einer Verfünffachung des Flächenbetrags betroffen (siehe Infos).

Wer die neuen Verträge nicht zurückschickte, den erreichte laut Sasse im Dezember die Kündigung zum 30. Juni 2016. Bis dahin, verdeutlichte er, gälten in der Übergangszeit die alten Konditionen. Ralf Kredel von Gestüt Etzean in Beerfelden wies als Sprecher der Privatwald-Besitzer darauf hin, dass diese den neuen Vertrag zwar unterschreiben, aber die Erhöhung des Flächenbeitrags auf 12,50 Euro streichen könnten.

Hier hakte Sasse ein: Trotz der stark gestiegenen Beiträge sollten sich Waldbesitzer „gründlich überlegen“, ob sie das Geld wirklich sparen wollten. Denn ohne entsprechenden Vertrag dürfe das Forstamt bestimmte Leistungen nicht mehr erbringen. Darunter Waldkalkung, Verkehrssicherung, Wegeherstellung oder auch zentrale Einkäufe. Mit den 12,50 Euro pro Hektar buche der Waldbesitzer quasi die „Vollpension“, so der Forstamts-Chef. Im Juni bekämen die Waldbesitzer noch einmal Post mit dem neuen Vertrag ab 1. Juli. Wer den nicht unterschreibe, „für den dürfen wir danach leider keine Hand mehr rühren“, machte er deutlich, dass ihm diese danach gebunden seien.

Kredel kritisierte daneben, dass die Behörden „keinerlei Verhandlungsbereitschaft“ zeigten, von den Einsparzielen abzurücken. „Ich bin enttäuscht, dass wir nichts erreicht haben.“ In Südhessen gälten ganz andere Bedingungen als im Rest des Landes, betonte er, die eine differenzierte Herangehensweise notwendig machten. Sein Vorschlag, einen „Plan B“ auszuarbeiten, der eine langfristige Sicherheit für die FBG garantiere, wurde auch von Bürgermeister Kunkel so propagiert.

„Die Einheitsbeförsterung ist der richtige Wege“, betonte dieser. „Wir müssen alles tun, um die Zusammenarbeit in der FBG zu erhalten.“ Auch auf die Kommunen kommen seinen Worten zufolge Erhöhungen bei den Beförsterungsgebühren zu. Es gehe jetzt darum, dafür zu sorgen, dass die FBG handlungsfähig bleibe. Und das funktioniere nur, „wenn alle Waldbesitzer an einem Strang ziehen“, so Kunkel.

 

 

Erhöhung der Beförsterungsgebühren für Privatwaldbesitzer

– Das Land Hessen will laut Forstamtschef Sasse „vor dem Hintergrund der in Verfassung verankerten Schuldenbremse eine freiwillige Leistung auf den Prüfstand stellen“. Ziel der Landesregierung sei eine hälftige Kostendeckung in Höhe von 3,5 Millionen Euro bei der Privatwald-Bewirtschaftung. Bisher würden hier nur 700.000 Euro Einnahmen erreicht.

– Daneben spielt ein Verfahren des Bundeskartellamts gegen das Land Baden-Württemberg eine Rolle. Kritisiert werde der Holzverkauf praktisch nur aus einer Hand. „90 Prozent der hessischen Hölzer werden über Hessen Forst vermarktet“, macht Sasse deutlich, dass ein dortiges Urteil auch für das hiesige Bundesland von Interesse sein könnte. Am 4. Mai ist der erste Verhandlungstag in Düsseldorf – danach lasse sich vielleicht schon eine Tendenz erkennen.

– Für einen Waldbesitzer bis 4,99 Hektar Fläche ergibt sich mit den neuen Gebühren eine Verzwölffachung der jährlichen Kosten (Holzeinschlag vorausgesetzt, denn ein Flächenbeitrag wird nicht erhoben). Statt bisher 50 Cent für den Festmeter Holz werden nun sechs Euro plus Mehrwertsteuer in Rechnung gestellt.

– Waldbesitzer ab fünf Hektar Forstbetriebsfläche zahlen zukünftig zusätzlich 12,50 Euro netto pro Hektar (vorher 2,50 Euro) jährlichen Flächenbeitrag bei Mitgliedschaft in einer Forstbetriebsgemeinschaft (sonst 17,50 Euro), somit das Fünf- bis Sechsfache. Auch hier greift die Erhöhung pro eingeschlagenem Festmeter von 50 Cent auf sechs Euro.

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