Die „Irish Voices“ entführen im Gras-Ellenbacher Hotel Gassbachtal auf die Grüne Insel

Von einem Moment auf den nächsten geht’s ab nach Irland. Kaum spielen die vier Musiker der „Irish Voices“ ihre ersten Takte, verstummt das Stimmengemurmel im Hotel Gassbachtal schlagartig. 90 Besucher wollen dem ersten Konzert des Quartetts in diesem Jahr beiwohnen. Das Nibelungencafé ist bis auf den letzten Platz besetzt. Haben die vier Odenwälder Irland-Fans doch eine ganze Reihe neue Songs im Gepäck. Zusätzlich den alten, bekannten, aber auch teilweise aus der Mottenkiste wieder hervorgekramten Liedern.

„Wir machen traditionelle Musik, wie vor 100 Jahren“, betont Gitarrist und Sänger Siggi Winkler zu Beginn. „Unsere Fehler sind gnadenlos zu hören“, lächelt er. Aber diese „Gefahr“ tut der Spielfreude der vier in keinster Weise Abbruch. Sie frotzeln übereinander, meist die drei Frauen über Winkler, was der sich aber auch nicht immer gefallen lässt. Das Quartett ist mit so viel Spaß bei der Sache, dass es eine Freude ist zuzuschauen. Ein eingespieltes Team eben.

So bunt gemischt wie die viele Köpfe zählenden Gäste ist auch der Set. Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischen sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfangen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gibt es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Zum Einsatz kommen traditionelle Instrumente wie Geige, Flöte, Gitarre, Tin Whistle, Querflöte, Gitarrenbanjo und die Rahmentrommel Bodhran.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte, viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Das habe sich bis in die Neuzeit nicht geändert, Beispiel Nordirlandkonflikt, so Siggi Winkler. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

„Wir sind keine laute Band, wir machen keinen Folkrock“, betont Winkler. Aber dafür könne man jedes einzelne Instrument bei den Songs und Tunes hören, herausfiltern. Neben einigen recht bekannten Liedern aus den irischen Pubs haben die „Irish Voices“ auch wieder einige eher nur regional bekannte Stücke dabei, erläutert Geigerin Friederike Hornauer. „Down the Moor“ aus der Grafschaft Donegal etwa oder „Eviction“, das ein ganz bestimmtes Ereignis in Schottland beleuchtet.

Mit dem „Lord of the Dance“ geht’s gleich mitten rein in einen der bekanntesten Stücke Songs der Grünen Insel. Er lebt von der Dynamik auf der Viola. Prompt klatschen schon ein paar Zuschauer mit, der Rhythmus geht eindeutig in die Finger. „Missing you“ wiederum verdeutlicht die Fähigkeit der Iren, aus einem melancholischen Stück einen eingängigen Song zu machen.

Neben der darin thematisierten Auswanderung, die vor allem im 19. Jahrhundert die Grüne Insel schwer traf, steht auch immer der Widerstand gegen die Briten im Mittelpunkt der Tunes, Reels und Jigs. So bei „Foggey dew“, das die Erinnerung an den blutig niedergeschlagenen Osteraufstand 1916 wach hält. Auch hier zeigt sich die Kunst, aus einem Lied über den Tod letztendlich einen fetzigen Song zu machen. Der Wechsel zwischen getragenem Gesang hin zu einer flotten Melodie kennzeichnet auch etliche andere Lieder.

Die drei wechselnden oder gemeinsamen Frauenstimmen als Gegensatz zu Siggi Winklers tiefen Tönen, die Tin Whistle von Simone Köhler und die Geige entweder im Gegensatz oder gleichzeitig die Melodie spielend, machen den Reiz der einzelnen Stücke aus. Wenn die Instrumente, durch die Gitarre wie bei „Sailors Hornpipe“ untermalt, einen Song vorantreiben, plötzlich von einer Strophe zur anderen einen Zahn zulegen, dann fühlen sich die Gäste ruckzuck in einen irischen Pub mit seiner besonderen Atmosphäre versetzt.

Eindrucksvoll ist das für eine Folkband eher ungewöhnliche „My heart will go on“ aus dem Film über den Untergang der Titanic. „Dieses eigentlich ‚exotische‘ Stück haben wir auf Publikumswunsch wieder dazu genommen“, erläutert Friederike Hornauer. Umgesetzt wird es durch Johanna Boch. Die Instrumente halten sich durchgängig im Hintergrund, so dass die Stimme dominiert. Viel Beifall ist der verdiente Applaus.

Zum Schluss hin legen die „Irish Voices“ einen Zahn zu. „Washerwoman“, „Hills of Connemara“ und der „Drunken sailor“ in all seinen Ausprägungen laden förmlich zum Mitgehen, zum Mitsingen, zum Mitklatschen ein. Vor dem „offiziellen“ Ende gibt’s dann noch die Ourewäller Version von „Was wollen wir trinken“:  „Mer gain jetzt woss drinke, mir härn jetzt uff.“ Doch so schnell wollten die Gäste das Quartett noch nicht an die gefüllten Gläser lassen. Mundart-Songs und der Gassenhauer „Whiskey in the Jar“ dürfen als Zugabe nicht fehlen.

Info: Das nächste Konzert der Gruppe mit dem neuen Programm steht bald an: Am Samstag, 23. April, 20 Uhr, im Landgasthof „Zur Mühle“ Weiher. Vorreservierungen unter Telefon 06209-1634.

Weitere Bilder hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1140900472620767.1073741917.100001024761983&type=1&l=187997e1f8

grasellenbach-irishvoices-gassbachtal07 grasellenbach-irishvoices-gassbachtal06 grasellenbach-irishvoices-gassbachtal09 grasellenbach-irishvoices-gassbachtal10

Advertisements