Zur Titelverteidigung reicht es nicht ganz: Neue Sieger beim Ostereierweitwerfen des TSV Aschbach

Vorsichtig hält Sandro Riebel das rohe Ei in der Hand. Geht einen Schritt zurück, um dann mit einem kurzen, kräftigen Anlauf bis zur Linie Schwung zu holen und das Ei in hohem Bogen Richtung Festplatz zu befördern. Knapp an der 50-Meter-Linie wartet sein Fußballerkollege vom TSV Aschbach, Ali Baytürk. Und er fängt bei 45 Metern das gefährliche Geschoss: Mit dem vorletzten, neunten Wurf haben die beiden Vorjahressieger die von Carsten Weihrauch und Timo Riebel zuvor vorgelegte Weite egalisiert.

Doch die legen nach. Ebenfalls im zweiten Durchgang, bei nasskaltem Wetter, geht noch was: Ein kräftiger Wurf, gut gefangen, und die Siegerweite mit 48 Metern steht auf der Liste von Michael Lanzas. Tobias Tilger und Thomas Hindenlang bleiben mit ihren 42 Metern aus dem ersten Durchgang auf Platz 3. Elf Männerteams mit jeweils zwei Teilnehmern konkurrierten bei  der 21. Ostereier-Weitwurf-Durchführung um die begehrte Trophäe, die 2015 Baytürk/Riebel mit 47 Metern geholt hatten.

Insgesamt 21 Teams waren diesmal beim Ostereierwerfen des TSV Aschbach auf dem Kerweplatz am Start. Was 210 fliegende Eier „von glücklichen Hühnern“ bedeutete. Zu den „Senioren“ gesellten sich acht Teams mit Kinder- und Jugendlichen, dazu zwei Frauenmannschaften. In zwei Durchgängen à fünf Wurf galt es nicht nur, das rohe Ei möglichst weit zu befördern, sondern auch so zu werfen, dass es der Fänger in einem Stück aus der Luft holen konnte.

Und genau das war die Schwierigkeit bei dieser Gaudi: Denn weit werfen kann jeder, wie die diversen Einschläge bei über 50 Metern zeigten. Aber das mit dem Fangen müssten ein paar Teams noch in einer ruhigen Minute vor Ostern 2017 üben. Die über 200 Schaulustigen auf dem Platz kamen somit voll auf ihre Kosten.

Nicht nur, dass die meisten Eier den Fängern zwischen den Fingern zerklatschten und -matschten. Manchmal standen sie auch den gefährlichen Wurfgeschossen so ungünstig im Weg, dass die Hose danach einen Stich ins Eigelbe hatte, das Hemd ein neues Muster Marke Eischale aufwies. Der eine bekam ein Ei aufs Ohr, der andere hatte beim Fangen den Mund offen und durfte bisschen rohes Ei am Mittag naschen.

Horst Gramlich am Mikro blieben diese Fauxpas natürlich nicht verborgen. Er kommentierte mal liebevoll, mal gehässig kleinere Ausrutscher, motivierte die Zuschauer zum Anfeuern oder hatte ein paar aufmunternde und mahnende Worte für die Werfer parat („Sebastian, das geht aber bisschen besser“). Bei den Damen überlegte er, im kommenden Jahr eine künstlerische B-Note mit einfließen zu lassen.

57 Meter sind in den 20 Jahre der Veranstaltung der bisherige, unangefochtene Bahnrekord, den auch dieses Mal kein Team überbot. In früheren Jahren wurde das Ostereierwerfen noch auf dem Sportplatz durchgeführt, doch seitdem dieser einen Kunstrasen hat, ist es dort nicht mehr möglich. Je nach Wetter zieht das Spektakel 200 bis 300 Gäste an, die gerne den tollkühnen Werfern mit ihren tieffliegenden Eiern zuschauen.

Und ihnen natürlich auch ausweichen müssen, wenn ein Werfer total verzieht, sich noch nicht richtig auf die Mitte des Platzes eingependelt hat oder einfach nur völlig schräg wirft. Mittendrin statt nur dabei kann es dann ganz schnell ganz „eigelb“ heißen. Kurz angesetzte Würfe verschwinden zwischen rasch auseinanderzischenden Zuschauern – wer als Schaulustiger ganz vorn steht, hat Pech gehabt.

Der entthronte Vorjahressieger Ali Baytürk nimmt den diesjährigen zweiten Platz mit Humor. „Klar zählt nur der Sieg“, meint er. Doch mit der erreichten Weite sei er vollauf zufrieden. Denn: „Seitdem ich mit Sandro ein Team bilde, habe ich erst drei Würfe von ihm gefangen“, meint er grinsend. Damit einmal als Sieger vom Platz zu gehen, jetzt auf dem zweiten Rang zu landen, sei ja gar kein schlechter Schnitt.

Die beiden Frauenteams hatten es da einfacher: Der zweite Platz war schon vor Beginn sicher. Stella Storck und Jenny Heiligenthal machten hier das Rennen, nachdem sich beide erst einmal rangetastet hatten. Doch im zweiten Durchgang ließen sie dann keinen Zweifel mehr an ihrer Dominanz, warfen zielgenauer, gefühlvoller und legten uneinholbare 20 Meter vor.

Bei den Kindern waren einige Talente dabei, die in den kommenden Jahren sicher den Senioren Konkurrenz machen werden. Hatten Simon und Luca Herdner im ersten Durchgang 28 Meter vorgelegt, reicht dies nach der zweiten Runde doch nur zu Silber. Denn Nils Höfler und Dylan Bräse kamen noch auf 31 Meter.

Waren in früheren Jahren die TSV-Aktiven meist unter sich, so hat sich die große Gaudi schon längst in der Region rumgesprochen. Inzwischen versuchen sich auch Teams aus Mörlenbach, Abtsteinach oder Lautertal an der Kunst, das fliegende Ei gut zu werfen und dann wohlbehalten zu fangen. Ein Kinderteam war sogar aus Mannheim extra angereist.

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