Abtsteinacher Gemeindevertreter sind mehrheitlich für Steinbruch-Vertiefung

Mehrheitlich erteilten die Gemeindevertreter ihr Einvernehmen zur geplanten Vertiefung des Mackenheimer Steinbruchs. Den Antrag hierzu hatten die Prophyrwerke Weinheim-Schriesheim im vergangenen Jahr gestellt (wir berichteten mehrfach). Mit der Nutzung auf einer Fläche von 3,5 Hektar bis in eine Tiefe von 220 Metern über Meereshöhe sollen die spätere Wiederverfüllung der Vertiefung, der Rückbau des Stationärbrechers sowie Errichtung und Betrieb einer mobilen Vorbrecheranlage einhergehen.

Die CDU wollte eigentlich über diesen Punkt gar nicht mehr beschließen, wie es Fraktionsvorsitzende Brigitte Wetzel zu Beginn der Sitzung deutlich machte. Denn man habe das Thema bereits im Dezember behandelt – und für eine Wideraufnahme müsse es ein Jahr Abstand geben. Dem entgegnete Bürgermeister Rolf Reinhard, dass im Dezember um eine Stellungnahme gegangen sei, jetzt aber ums Einvernehmen. Also zwei Paar Stiefel.

Eigentlich sei die Frist für das Erteilen des Einvernehmens sogar schon abgelaufen, erläuterte der Bürgermeister. Doch man habe eine Verlängerung erreicht. Wenn der Punkt von der Tagesordnung genommen werde, „gilt das Einvernehmen sowieso als erteilt“, sagte er. Bei vier Stimmen der CDU wurde der Antrag auf Absetzung abgelehnt.

Frank Wetzel, Freie Wähler, verwies auf die mehrheitlich zustimmende Stellungnahme seiner Fraktion im Dezember. Man verstehe die Bedenken der Bürger, wolle aber auch keine Abwanderung des Betriebs, argumentierte er. Seiner Meinung nach ist es zu kurz gedacht, dass mit einer Schließung des Steinbruchs die Belastungen verschwänden.

Ursula Jonasdofsky (SPD) bekräftigte die zustimmende Haltung ihrer Fraktion. „Warum soll ich den Behörden nicht glauben, dass alles in Ordnung ist“, stellte sie in den Raum. Man müsse sich doch auch mal auf deren Argumentation verlassen können, sprach sie „diffuse Ängste“ in der Bevölkerung an, was bei einer Vertiefung alles passieren könnte. Die SPD-Frau wies auf die Kosten-Nutzen-Abwägung einer Vertiefung hin. Für sie überwiegen die Vorteile, den Betrieb vor Ort zu halten. Sie erwähnte hier unter anderem die am Steinbruch hängenden 250 Arbeitsplätze.

Gegen eine Vertiefung sprach sich wie Ende letzten Jahres Brigitte Wetzel aus. Schon vor zwölf Jahren habe es geheißen, „das Ende der Fahnenstange ist erreicht“. Jetzt lehne es ihre Fraktion ab, einen Weiterbetrieb „in den nächsten 20 Jahren den Bürgern anzutun“. Man dürfe nicht nur die Arbeitsplätze in den Vordergrund stellen, sondern auch die Anwohner im Blick haben, die unter Lärm und Verkehrsbelastung litten.

Er wolle „einer Legendenbildung entgegentreten“, meinte Bürgermeister Rolf Reinhard in seiner Replik. Denn bei der Vertiefung gehe es maximal um weitere sechs Jahre Betrieb mit anschließender Verfüllung. Außerdem gebe es noch den bereits genehmigten Abbaurand, „der ja noch gar nicht in Angriff genommen wurde“. Diese Grenze sei vor etlichen Jahren „einvernehmlich festgelegt worden“, so Reinhard. „Warum wird das jetzt in Abrede gestellt?“

Laut Bürgermeister „gibt es nicht weniger Umweltbelastung, wenn der Steinbruch geschlossen wäre“. Denn die Steine müssten dann von anderswo her in den Odenwald gekarrt werden. Die im Mackenheimer Steinbruch gewonnenen Materialien würden in einem 30-Kilometer-Umkreis verwendet, weite, die Ware verteuernde Anfahrtswege entfielen.

Für Klaus Schmitt (CDU) ist die Abbaubreite im Steinbruch „unstrittig“. Er habe Probleme mit der Tiefe. Denn je weiter unten die Sprengungen, desto mehr Erschütterungen gebe es. Er sah die unterschiedlichen Meinungen darüber „natürlich als legitim“ an. Für Schmitt war die Abstimmung aber „sowieso ein Farce“. Denn seiner Meinung genehmigt das Regierungspräsidium die Maßnahme auf jeden Fall, egal wie die Gemeindevertreter entschieden.

Reinhard erläuterte, dass eine ablehnende Stellungnahme durch die Gemeinde begründet werden müsste. Das RP hätte dann zu prüfen, „ob die Begründung trägt“. Wenn ja, „wäre das Projekt gestoppt“. Wenn es aber anderer Meinung sei, wäre die durch die Gemeinde verweigerte Genehmigung durchs RP zu ersetzen.

Angelika Beckenbach (FW) begründete ihre von der Fraktion abweichende Haltung damit, dass sie das angewendete, einfache Genehmigungsverfahren nicht gutheiße. Denn es schließe die Stellungnahmen der angrenzenden Gemeinden und Anlieger aus. „Ich finde es nicht richtig, dass sich die Bürger nicht äußern dürfen“, machte sie deutlich. Die Gemeindevertretung erteilte im Anschluss mit acht Ja- bei fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung die Genehmigung.

Geplante Steinbruch-Vertiefung Mackenheim

  • Auftraggeber: Porphyrwerke Weinheim-Schriesheim
  • Vertiefung um 60 bis auf 220 Meter und spätere Wiederauffüllung
  • Fläche: 3,5 Hektar
  • Zusätzliches Gesteinsvolumen: 3,24 Millionen Tonnen
  • Jahresproduktion: 600.000 Tonnen (wie bisher)
  • Rückbau des Vorbrechersockels
  • Abbau-Zeitfenster: bis zu acht Jahre

 

 

Advertisements