Schönmattenwager Theatergruppe führte das Stück „Erben ist so eine Sache“ von Toni Feller auf – Über 1200 Besucher

Eigentlich, sagt sich der geneigte Zuschauer, hätte der Hallodri Otto im Himmel gar nichts zu suchen. Ein paar Ehrenrunden im Fegefeuer dürften das Mindeste sein, was das Schlitzohr für seine vielen kleinen und größeren Sünden verbüßen müsste. So aber landet er zur Gaudi der Gäste im Haus des Gastes bei Petrus und treibt diesen mit seinen nie ausgehenden Ausreden ein ums andere Mal beinahe zur Verzweiflung.

„Erben ist so eine Sache“ nach Toni Feller zauberte die Schönmattenwager Theatergruppe am Wochenende gleich drei Mal auf die Bühne. Und auf was für eine Bühne: Viel Arbeit war nötig, um die Kulissen für die verschiedenen Akte zu zimmern. Das war schon zu erkennen, als sich der Vorhang für den ersten Akt hob. Viel Arbeit war auch bei den Proben notwendig: Mehrere Wochen lang paukten die Akteure jeden Abend ihren Text und die Gestik – mit Erfolg.

Bevor sich der rote Vorhang hob, waren die Besucher per Lautsprecher mit dem auslösenden Ereignis fürs gesamte Theaterstück in Kontakt gekommen: Ein lauter Krach und Sirenen verdeutlichten den Verkehrsunfall, durch den Gipsermeister Otto Schmitt im besten Mannesalter von 35 Jahren starb. Sein Geschäft ging zuvor mehr als gut. Er war fleißig, listig, aber auch und vor allem dem schönen Geschlecht zugetan.

Otto ist jedoch trotz seiner List durch und durch charmant und liebenswürdig. Ohne jemals zu heiraten, bringt er es fertig, zwei Liebschaften zu haben, die voneinander nichts wissen. Sein Vermögen hat sich im Laufe der Jahre auf 1,8 Millionen angehäuft. Dann Vorhang auf und gleich wird’s himmlisch: Ein großer Thron dominiert die Bühne, alles ist in Weiß gehalten – bis auf die rote, Hosianna singende ehemalige Läuferin, die ab und zu durchs Bild schwirrt.

Jürgen Walter als Petrus hat mit Otto (Timo Walter) seine liebe Müh und Not. Das fängt damit an, dass er sich ihm erst einmal als solcher beweisen muss. Denn Otto glaubt ihm nichts. Als dem wortgewandten Gauner seine Sünden vorgehalten werden, findet er für alle, die er auf Erden begangen hat, die besten Ausreden und Erklärungen. Was wiederum Petrus zunehmend in Rage bringt: Den „elenden Sünder“ donnert er gleich mehrfach wortgewaltig in den Saal. Aber irgendwie schafft es Otto trotzdem, dass man ihm nicht böse sein kann. Mit einem anzüglichen Witz bringt er sogar den strengen Petrus zum Lachen.

Zweiter Akt. Beerdigung und danach Leichenschmaus. Wenn’s ums liebe Geld geht, ist die Trauer schnell verflogen. Schnell kommt es zwischen den Angehörigen wegen des Erbes zu heftigen Auseinandersetzungen. Besonders Bruder Emil (Sascha Oberle) macht seinem Frust laut Luft, dass er nur 30 Prozent der hinterlassenen 1,8 Millionen bekommen soll – und seine Schwester Hermine (Karin Mottl) 60 Prozent. Es geht hoch her im Schmitt’schen Wohnzimmer.

Otto muss nicht nur das mit anschauen, es kommt noch dicker für ihn: Er hat von Petrus erfahren, dass er mit Traudl (Mara Mottl) einen Sohn hat. Doch im Testament stehen die Falschen als Erben, die Erbschleicher, die sich um jeden Cent prügeln. Was also tun? Er muss unbedingt noch einmal auf die Erde, um seinen Nachlass zu regeln. Doch da hat er die Rechnung zuerst ohne Petrus gemacht.

Otto wäre aber nicht Otto, wenn er den Fels nicht erweichen könnte. Nach dem Sieg bei einem heiß umkämpften Blitzschachspiel bekommt er seinen Willen. Doch allzu leicht soll es ihm natürlich nicht fallen, seinen letzten Willen zu erreichen. Ein großes Hin und Her mit viel Situationskomik verursacht die Tatsache, dass Otto nur unter bestimmten Voraussetzungen für andere – und auch nicht für alle – sichtbar ist.

Das neue, Petrus gefertigte Testament sah am Schluss Ottos Sohn Sven als Alleinerbe seines Vermögens, sein Freund Karl erhielt das Gipsergeschäft, sein Bruder Emil lediglich seine ausgetretenen Hausschuhe, Hermine das unvollständige Kaffeeservice, die Geliebte Caroline das Mensch-Ärger-Dich-nicht-Spiel. Am Schluss dann die große Auflösung: Alles nur geträumt! Otto wachte im Wohnzimmer auf der Couch auf, geweckt durch das Saugen und Putzen von Hermine. Er hatte vom Abend ein paar zu viel über den Durst getrunken und dadurch wirre Träume.

In diesem Jahr wirkten neben erfahrenen „Theaterhasen“ wie Karin Mottl und Sascha Oberle auch neue Gesichter mit: Silas Hecker, Ramon Jöst, Mara Mottl und Stephanie Walter. Neue Spielleiterin ist Renate Walter, die die Nachfolge von Donat Skroch antrat. Dieser übergab nach 33 Jahren im Regiestuhl die Verantwortung an die erfahrene Theaterspielerin.

1982 wurde die Theatergruppe vom FC Odin Schönmattenwag ins Leben gerufen. Mit dem Stück „Die Jungfer vom Bründelhof“ startete man eine kulturelle Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Und immer größer wurde. Beginn war mit einer Aufführung, später kam eine zweite hinzu und irgendwann dann auch noch der Abschluss-Sonntag. So rückten die Generalproben irgendwann bis auf den Mittwoch vor.

Der Erfolg gibt die Schauspielern recht: Der Samstag ist praktisch immer ausverkauft, Freitag und Sonntag könnten noch ein paar Karten ergattert werden – aber das ändert nichts daran, dass an den drei Tagen weit über 1200 Gäste den Weg ins Haus des Gastes finden. In bewährter Zusammenarbeit von MGV Sängerbund Unter- und GV Harmonie Ober-Schönmattenwag wurde das Stück „Erben ist so eine Sache“ dieses Jahr von der Theatergruppe auf die Bühne gebracht.

 

 

Gipsermeister Otto Schmitt: Timo Walter

Petrus, Chef im Himmel: Jürgen Walter

Emil Schmitt, Bruder des Verstorbenen: Sascha Oberle

Hermine Schmitt, Schwester des Verstorbenen: Karin Mottl

Karl Blümle, bester Freund von Otto: Ramon Jöst

Caroline Lans, Geliebte von Otto: Stephanie Walter

Traudl Seemaier, Geliebte von Otto: Mara Mottl

Sven, Sohn von Otto und Traudl: Silas Hecker

Erster Engel: Tanja Ritter

Zweiter Engel: Nadine Pohl

Regie: Renate Walter

Souffleuse: Ulla Wilhelm

Technik-Truppe: Manuel Ritter und Tobias Walter

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