Flüchtlinge in Wald-Michelbach: Bis Ende März werden es 170 Personen sein

Auch wenn Flüchtlingsbetreuung und -unterbringung bislang in geregelten Bahnen ablaufen, „wird die Situation nicht einfacher“, betonte Bürgermeister Joachim Kunkel beim Runden Tisch im Rathaus. Grund sind seinen Worten zufolge die weiterhin steigenden Zahlen, die die Gemeinde langsam vor räumliche Probleme stelle. Wenn das ganze Jahr über weiterhin so viele Flüchtlinge nach Wald-Michelbach kämen, könnte der Wohnraum für sie knapp werden, sagte er.

Zum dritten Runden Tisch Flüchtlinge waren dieses Mal noch mehr Interessierte und Helfende gekommen als vergangenes Mal. Unter ihnen wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter anderen mit dem Begegnungsfest (wir berichteten), den Patenschaften für einzelne Familien oder mit der Ideenausarbeitung beschäftigten.

Seine Zwischenbilanz verband der Bürgermeister mit einem Dank an die drei Koordinatorinnen Gabi Michel-Mieslinger, Renate Lautenschläger und Christine Engesser. „Bei diesen laufen unheimlich viele Fäden zusammen“, betonte er, und verband seine Worte mit einem kleinen Präsent. „Wenn die Menschen zu uns kommen, werden sie von Einheimischen begleitet“, wies Kunkel darauf hin, dass die Integration auf diese Weise „viel besser“ funktioniere.

Mit Blick auf die große Politik beklagte er, dass nicht alles so laufe, „wie wir uns das gewünscht haben“. Ständige Veränderungen machten es aber den Entscheidungsträgern in Bund und Land auch nicht einfacher. Laut Kunkel gilt es „die Solidarität der EU einzufordern“. Alles müsse ein Geben und Nehmen sein. „Wir dürfen den politischen Rändern keinen Platz lassen“, appellierte er an die Verantwortung aller. Man müsse „humanitären Aspekten gerecht werden“.

Derzeit seien etwa 4000 Flüchtlinge im Kreis Bergstraße untergebracht, erläuterte der Rathauschef. „Pro Woche kommen 150 dazu.“ Diese steigenden Zahlen schlügen sich auch in Wald-Michelbach nieder. Waren im Juli 2015 noch 35 Flüchtlinge in der Überwald-Gemeinde untergebracht, hatte sich die Zahl bis Oktober schon verdoppelt. „Stand heute sind wir bei 136“, so Kunkel. Wenn die Zuweisungsquote bis Ende März ausgeschöpft werde, sei man dann bei 170 Personen. „Eine stattliche Zahl“, sagte der Bürgermeister – und für 2016 sei bisher kein Ende abzusehen.

Damit eine Integration „relativ problemlos gelingt“, muss man dem Bürgermeister zufolge strukturiert vorgehen. Der Erfolg sei nicht nur abhängig von den vielen Helfern vor Ort. Es müssten auch die Rahmenbedingungen wie Sprache, Arbeit oder Bearbeitung der Asylanträge stimmen. In diesem Zusammenhang plädierte er dafür, dass niederschwellige Praktikumsangebote örtliche Arbeitgeber per Gesetz ermöglicht werden sollten.

Die Zusammenarbeit mit dem Kreis Bergstraße „klappt gut“, lobte der Verwaltungschef. Das habe viel damit zu tun, dass der Kreis federführend bei der Zuteilung agiere „und die Flüchtlinge nicht einfach an die Gemeinden durchreicht“. Kunkel Worten zufolge „hat sich die Unterbringung in kommunalen Wohnungen bewährt“. Bei einem anhaltenden Zuzug „könnte es aber langsam eng mit Wohnraum werden“.

Der Bürgermeister wies daneben darauf hin, dass die Koordinatorinnen derzeit einen Flyer zusammenstellten. Darin seien alle Informationen enthalten, die rund um die Flüchtlingsbetreuung relevant seien. Ihm war daneben der Hinweis wichtig, „dass die Gemeinde mit der Flüchtlingsbetreuung kein Geld verdient“. Das Gegenteil sei der Fall: Die Herrichtung von Wohnraum koste mehr als man erhalte.

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