Gerlinde und Theodor Reichert aus Wald-Michelbach sind seit 60 Jahren verheiratet

Diamantene Hochzeit feierten jetzt Gerlinde, geborene Potsch, und Theodor Reichert am Königsbuckel. Zum Ehrentag gratulierten neben den beiden Söhnen auch zwei Enkeltöchter mit ihren Familien. Verwandte aus dem Ort und Mitglieder des Sängerbunds, in denen beide jahrzehntelang aktiv waren, schlossen sich ebenso wie Bürgermeister Joachim Kunkel und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Nothung Köhler, den Glückwünschen bei ihrem Besuch an.

Kunkel hatte außerdem eine Urkunde von Landrat und Ministerpräsident im Gepäck. Der Bürgermeister würdigte die Jubilare mit ihrer 60-jährigen Ehe als Vorbild in der heutigen Zeit. Beide hätten Höhen und Tiefen zusammen erlebt, seien in der gemeinsamen Zeit immer wieder aufeinander zugegangen. Am Abend wurde in der katholischen Kirche bei einer Schubert-Messe das Ehe-Versprechen erneuert, danach stand ein Essen im engsten Familienkreis an.

Gerlinde Potsch kam am 15. November 1931 in Bärn (Ostsudetenland) zur Welt. Im Sommer 1946 wurde sie im Alter von 14 Jahren mit ihrer Familie aus ihren Heimatort Bodenstadt in der Folge des Zweiten Weltkriegs aus der Heimat vertrieben. Die Familie landete in Deisel (Oberhessen). Ihre Eltern kamen später im Zuge der Heimatvertriebenen-Unterstützung, bei der Familien günstige Kredite für Landerwerb erhielten, in den Überwald.

Theodor Reichert wurde am 24. Dezember 1926 in Duisburg geboren. Dort verbrachte er auch seine Kindheit. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie drei Mal ausgebombt. Mit 16 Jahren zum Militärdienst eingezogen, kam Theodor Reichert im März 1945 in russische Gefangenschaft, aus der er erst im Dezember 1949 heimkehrte.

1953 lernten sich die beiden in Koblenz kennen, wo Gerlinde Potsch als Kinderpflegerin arbeitete. Am 11. Februar 1956 heiratete man in Deisel kirchlich. Die standesamtliche Trauung hatte schon einige Zeit vorher in Koblenz stattgefunden. Im November 1957 zog das junge Ehepaar nach Wald-Michelbach, wo die Eltern der Ehefrau gebaut hatten. Es kamen zwei Söhne auf die Welt. Der gelernte Kaufmann Reichert arbeitete später als Dachdecker und machte in diesem Beruf auch seinen Meister.

Beide Jubilare waren bis vor wenigen Jahren in der katholischen Kirchengemeinde, in der Kolpingsfamilie und im Sängerbund Wald-Michelbach aktiv. Dazu agierte Theodor Reichert 30 Jahre als Kommunionhelfer, Gerlinde Reichert wirkte im katholischen Frauenbund mit. Ohne die 20.15-Uhr-Tagesschau geht bei der 84-jährigen Gerlinde und dem 89-jährigen Theodor Reichert gar nichts. „Beide bilden sich immer noch eine eigene Meinung“, freut sich Sohn Theo über die geistige Fitness der Eltern.

Körperlich musste sich das Ehepaar in den vergangenen Jahren etwas einschränken und bekommt heute Unterstützung im Haushalt. Für die beiden, die sich früher gerne in der Natur aufhielten, war das Zurückstecken nicht einfach. Gerade Gerlinde Reichert war in jeder freien Minute in ihrem heißgeliebten Garten anzutreffen.

Die Aktivitäten des Jubelpaars haben sich nun verlagert: Die Eheleute sind stark an Literatur interessiert und lesen sehr viel. Morgens ist die Odenwälder Zeitung eine unverzichtbare Lektüre, um in den Tag zu starten und zu wissen, was in der Region passiert(e). Und abends eben die Tagesschau, um über das Weltgeschehen auf dem Laufenden zu bleiben.

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