Trockene Plätze waren beim Hammelbacher Wintermarkt heiß begehrt

Wohl dem, der beim Hammelbacher Wintermarkt wahlweise Zelt, Vordach oder Unterschlupf parat hatte: Das nasskalte Regenwetter sorgte dafür, dass die überschaubare Zuschauerzahl am Wochenende trockene, möglichst warme Plätzchen ansteuerte. Schade für die Vereine und Aussteller rund um das Rathaus, die ein großes, liebevolles Angebot an Waren sowie zahlreiche Spezialitäten fürs leibliche Wohn vorbereitet hatten.

Begann im vergangenen Jahr pünktlich zum Start des Wintermarktes der Schneefall und schuf somit eine zum Namen passende Atmosphäre, so öffnete diesmal bei der sechsten Ausführung zur Eröffnung der Himmel seine Schleusen. Und schloss sie das ganze Wochenende über kaum. Die Alternative war meistens nur starker oder etwas schwächerer Regen, sodass am Samstagabend manche Stände schon frühzeitig schlossen. Die Sängerlust aus Ober-Ostern trotzte dem schlechten Wetter und trat trotzdem auf.

Rund um das Rathaus warteten die Aussteller aus der Gemeinde und von auswärts mit regionalen und internationalen Köstlichkeiten auf. Gaumenfreuden gab’s mit Gegrilltem, Flammkuchen, afrikanischen und thailändischen Spezialitäten sowie Waffeln, Crêpes, Kuchen und Süßwaren. Glühwein, Jagertee, Liköre, Schnäpse, heißer Apfelwein und Kakao kamen gerade recht, um sich bei unangenehmen Wind und waagrechtem Regen wieder aufzuwärmen.

Eine Reitschule, Kinderschminken und ein Karussell waren als Angebote für die jüngeren Besucher des Wintermarktes gedacht, aber durch den Regen eingeschränkt. Für die Erwachsenen boten kleine Marktstände Schmuck, Kunsthandwerk, Filzarbeiten, Handtaschen, Marmeladen, Wurstspezialitäten oder Blumen und Naturkosmetik. Abschluss war ein Winterfeuer am Dorfplatz beim „Poschd-Addel“.

Etwa 20 in Grasellenbach untergebrachte syrische Flüchtlinge überreichten zu Beginn des Wintermarktes den Besuchern individuell gestaltete „Blumen der Menschlichkeit“. Sie bedankten sich damit für ihre gute und freundliche Aufnahme im Überwald. Die Menschlichkeit, betonte Hani aus Syrien, sei das Fundament, auf dem Verständnis, Toleranz, Vertrauen und ein gutes Miteinander gedeihten. „Genau das ist es, was wir uns hier in der Gemeinde wünschen und was wir bereit sind zu geben“, betonte er.

Ein auf Arabisch und Englisch gesungenes Ständchen gab es von ihnen am Afrika-Stand für Martine Rüdinger, die am Samstag Geburtstag feierte. Sie leitet nicht nur einen Deutschkurs der Kreisvolkshochschule in Gras-Ellenbach, sondern verkaufte zugunsten des Vereins „Christen für Afrika“ zahlreiche Produkte für den guten Zweck. Vom Erlös sollen weitere Solarlampen angeschafft werden, die dann einer Schule in Burkina Faso zugutekommen. Denn dort gibt es keinen Strom – und die Lampen ermöglichen es den Schülern, auch bei Dunkelheit zu lernen. Unterstützt wurde Rüdinger auf dem Wintermarkt von Mitgliedern des Kulturbüros und der katholischen öffentlichen Bücherei.

Um Bücher drehte es sich auch im Eingangsbereich des Rathauses. Gisela Dörr und Elke Klug verkauften hier gespendete Exemplare zugunsten des Kinderhospizes Sterntaler in Mannheim. „Seit 2011 haben wir bereits 4000 Euro gespendet“, zeigte sich Klug erfreut über den bisherigen Erlös. Der ganze Keller „war wieder voll“, zeigte sie sich angetan von der Spendenfreudigkeit der Besucher.

Aufgrund des Regens fielen am Samstag die Nachtwächtertouren von Aloys Dörr aus. Er will diese aber nachholen und dann auch rechtzeitig öffentlich ankündigen, sagte er. Einen kleinen, privaten Rundgang über den Wintermarkt mit Erläuterungen der verschiedenen Stände gab es von Dörr trotzdem: Landrat Christian Engelhardt besuchte mit seiner Frau Daniela die Veranstaltung im Überwald.

Viel Zuspruch gab es für den Afrika-Stand. Der war in diesem Jahr das zweite Mal dabei und profitierte nicht nur durch sein großes Angebot vom Publikumsinteresse, sondern weil er im trockenen Holzhäuschen Richtung Parkplatz wettergeschützt untergebracht war. Afrikanische Gewürze, die süße Nachspeise Degue, getrocknete Bananen oder ein Hibiskustee mit Ingwer, Minze und Zucker standen fürs leibliche Wohl bereit.

Im Festzelt des MSC, das ebenfalls Wind und Wetter trotzte, war es ebenfalls gemütlich und lief Stimmungsmusik. Kerwejugend, JSG Ulfenbach, evangelische Kirchengemeinde, Blumenstube Oberle oder die Odenwälder Feinen Brände der Familie Gehrig boten ihre Waren ebenso in den verschiedenen Ständen an. Diverse Holzfeuer auf der Straße und dem Platz sorgten für kurzfristige Aufwärmmöglichkeiten. Apropos Holz: Der Holzofenbäcker aus Riedstadt musste besonders viel davon verfeuern, „weil der Wind so zieht“.

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