Zeitlose Melodien, kleine klassische Juwelen und eingängige Filmmusiken beim Konzert der „Starkenburg-Philharmoniker“ in Wald-Michelbach

Eine musikalische Visitenkarte erster Güte, wie man sie im Überwald nur ganz selten zu hören bekommt, lieferten die Starkenburg-Philharmoniker bei ihrem Neujahrskonzert in Wald-Michelbach ab. Zweieinhalb Stunden lang nahmen die Musiker ihre Gäste in der sehr gut besetzten Rudi-Wünzer-Halle mit auf eine Reise „Vom Orient zum Okzident“. Zeitlose Melodien, kleine klassische Juwelen und eingängige Filmmusiken begeisterten das Publikum ein ums andere Mal.

Ein Glanzstück hatte sich das 50 Mitglieder zählende Ensemble mit Musikern aus der gesamten Metropolregion bis ganz zum Schluss ausgehoben: Die Titelmusik aus dem Western „Die Glorreichen Sieben“, von Elmer Bernstein komponiert, sah das Orchester musikalisch durch den Wilden Westen reiten. Vor dem geistigen Auge entstand durch die gelungene, flotte, dichte Interpretation das Bild einer staubigen Stadt, wo pfeifender Wind die Büsche durch den heißen Sand treibt und sonnenverbrannte, schwitzende Gestalten sich einen spannenden Showdown liefern.

Natürlich war dieses Stück wie auch die anderen nach der Pause dem Okzident zuzuordnen, der sich nicht nur über Filmmusiken, sondern auch über Musicals oder bekannte klassische Klassiker definierte. Die Mezzosopranistin Cornelia Lanz und Tenor Ricardo Frenzel-Baudisch drückten dabei etlichen Liedern ihren Stempel auf, Dirigent Günther Stegmüller hatte das Ensemble mit seinen prägnanten Anweisungen jederzeit im Griff.

Wie sich die Solisten beim „Tonight“ aus Leonard Bernsteins Mutter aller Musicals, der „West Side Story“, anschmachteten, die unerfüllte Liebe bei der musikalischen Adaption des Romeo-und-Julia-Themas aus jedem Ton herauszuhören war, war Perfektion auf höchstem Niveau. Da standen zwei absolute Profis auf der und machten sich das Stück zur großen Bühne. Beide überzeugten nicht nur musikalisch bis ins kleinste Detail, sondern auch durch ihre große Präsenz und Darstellungskraft.

Die perfekte Harmonie demonstrierten sie ebenfalls bei „Niemand liebt Dich so wie ich“ aus Franz Lehárs Paganini, bei dem Lanz und Frenzel-Baudisch mit ihrer Gestik und Körpersprache das Verzehren nacheinander perfekt zum Ausdruck brachten. Auch als Solisten standen sie dem Orchester kongenial zur Seite. Ob es nun Ricardo Frenzel-Baudisch als Bettelstudent war oder Lanz als furioses Bond-Girl während des Medleys aus verschiedenen Filmtiteln – das Publikum quittierte ihre Leistung immer mit viel Applaus.

Apropos James Bond: Das Filmthema von Monty Norman aus dem Jahre 1952, Sheena Eastons „For your eyes only“ oder „Live and let die“ von Linda und Paul McCartney sowie Elemente der von John Barry komponierten Soundtracks kamen durch den vollen Orchestersound in einer völlig anderen Dynamik und Dichte rüber. Mit „schnelle Autos, schöne Frauen, geschüttelte Martinis“ hatte Moderatorin Dagmar Weber diesen Start in die zweite Programmhälfte zuvor angekündigt.

Und, weil James Bond wie kein anderer für den Okzident steht, hieß Weber damit die Gäste „in der westlichen Welt willkommen“. Zu der gehörten auch Iosif Ivanovicis „Donauwellen-Walzer“, bei dem man förmlich das leise Plätschern der Donauquelle bis hin zum majestätischen Rauschen des großen Flusses an seiner Mündung ins Schwarze Meer heraushörte. Oder Irving Berlins „Annie get your gun“, bei dem eine Gruppe um Tänzerin Samira verschiedene Elemente aus aller Welt choreografisch umsetzte.

Dem bunten Orient, wie er musikalisch von den Komponisten aus dem Okzident gesehen wurde, nahmen sich die Starkenburg-Philhamoniker im ersten Set an. Schon Mozart hatte dieses Thema mit seiner „Entführung aus den Serail“ angegangen. In den ruhigen, aber auch schnellen Passagen mit raschen Tempiwechseln erzählte das Orchester mit präziser Tongebung die aufregende Geschichte nach.

Cornelia Lanz brillierte bei „Tiger, wetze nur die Klauen“ aus Mozarts Zaide erstmals mit ihrer klaren und ausdrucksvollen Stimme. Hier wie auch im folgenden „Der stolze Löw“, bei dem Ricardo Frenzel-Baudisch seinen Einstand gab, begleiteten „Löwe“ Maja und „Tiger“ Rosmin die beiden Solisten auf der Bühne. Ketèlbys „Auf einem Persischen Markt“ wurde durch einen ausdrucksvollen Tanz von Samira untermalt.

Beim „Kalif von Bagdad“ von François-Adrien Boïeldieu gab es in Wald-Michelbach einen Hauch von den Orient: Per Beamer-Projektion tauchten Basar, Altstädte, Wüstenbilder oder Oasen an der Seitenwand auf und schufen einen Gegensatz zum winterlichen Ambiente, wie es gerade außerhalb vorherrscht. Der sich steigernde, saalfüllende Klang des Orchesters tat ein Übriges dazu, dass die Gäste in andere Gefilde „gebeamt“ wurden.

Bürgermeister Joachim Kunkel freute sich in seinen einleitenden Worten, dass es nach 2011 wieder gelungen sei, das Ensemble nach Wald-Michelbach zu holen. Mit dem Programm gebe es einen Brückenschlag vom Westen in den Orient in Zeiten, „die uns zum Nachdenken anregen“. Den musikalischen Hochgenuss im Überwald habe man dem Engagement von Stegmüller und Heinz Klee zu verdanken, auf Ortsebene habe sich der Leiter des Überwald-Gymnasiums, Reinhard Fahrenholz, stark eingebracht. „Wir wollen musikalische Brücken schlagen“, betonte auch Moderatorin Weber. Musik sei „friedensbringend und völkerverbindend“.

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