Neujahrsempfang der Grasellenbacher SPD: „Klare Kante“ gegen Fanatiker jeglicher Couleur gefordert

„Wie schnell wir in unserer kurzlebigen Zeit vor neuen, bislang unbekannten Herausforderungen stehen, zeigt sich, wenn wir heute auf das Jahr 2015 zurückblicken“, sagte die Landtagsabgeordnete Karin Hartmann beim zehnten Neujahrsempfang der SPD Grasellenbach. Mitglieder und Freunde der Sozialdemokraten in der Überwald-Gemeinde hatten sich im Foyer der Nibelungenhalle zusammengefunden, um gemeinsam auf 2015 zurückzublicken und gleichzeitig nach vorn zu schauen.

Kaum einer erinnere sich daran, sagte die die Vorsitzende der Grasellenbacher Gemeindevertretung, dass noch vor einem Jahr die Finanzkrise in Griechenland „das alles beherrschende Topthema war“. Angesichts neuer, größerer Herausforderungen sei es völlig aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Andere Fragen bestimmten jetzt die Schlagzeilen.

„Dass die Welt teilweise in Flammen steht und wir die Terrorgefahr nicht mehr nur weit weg in fremden Ländern erleben“, habe im vergangenen Jahr vieles verändert, so Hartmann. Nach den Anschlägen in Paris und Terrordrohungen „auch bei uns“ werde immer deutlicher, dass Freiheit und Demokratie kein Selbstverständnis seien, sondern jeden Tag neu verteidigt werden müssten – und zwar gegen jede Form von Fanatismus, sei er religiös oder politisch begründet.

Angesichts der „ungeheuerlichen sexuellen Übergriffe auf Frauen“ in Köln wiederholte sie die Worte von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel: „Null Toleranz“. Wer sich nicht an das Grundgesetz halte und nicht bereit sei, „unsere Gesetze zu respektieren, hat bei uns nichts zu suchen“. Was man jetzt brauche, seien personell und technisch gut ausgestattete Sicherheitsbehörden. „Klare Kante“ müsse man aber nicht nur gegen Terroristen und Menschenhasser anderer Kulturen zeigen, sondern auch „gegenüber Deutschen, die mit Rassismus und Rechtsextremismus“ Hass schürten. „Das dürfen wir nicht zulassen.“

In Grasellenbach habe es in den vergangenen Jahren gute Sacharbeit in Zeiten größter finanzieller Probleme gegeben, freute sich Karin Hartmann. „Fast alle Entscheidungen in unseren politischen Gremien treffen wir mit breiten Mehrheiten.“ Auch in Zukunft sei die Gemeinde nicht auf Rosen gebettet. Ohne eine Reform der Gemeindefinanzierung könne keine Gestaltungshoheit erreicht werden, sagte die Gemeindevertreter-Vorsitzende.

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Norbert Hartmann erwähnte in Bezug auf die Politik vor Ort, „dass nach wie vor mit wenig finanziellen Mitteln versucht wird, die Gemeinde lebenswert zu erhalten“. Dazu tragen besonders auch die vielen ehrenamtlichen Einsätze von freiwilligen Helfern bei.

Erinnern wolle er an Personen, die neu an die Spitze ihres Vereins gewählt wurden: So Wolfgang Sittner zum neuen Vorsitzenden beim Boule-Club Tromm, Günter Eisenhauer beim Motorsport- und Camping-Club Wahlen und Volker Heilmann beim Tennisclub Grasellenbach. Stellvertretend für viele Ehrenamtliche wolle er besonders engagierte, langjährige Vereinsmitglieder hervorheben, betonte Hartmann: Heinz Weiß bei der Freiwilligen Feuerwehr Wahlen und Erich Arnold beim MGV Germania Gras-Ellenbach.

Über 40 Vereine, Verbände, Clubs und Interessenverbände tragen laut Hartmann zu einem lebhaften und funktionierenden Gemeinwesen bei. Viele kämpften aufgrund schwindender Mitgliederzahlen um ihren Fortbestand. Mit Ideen und Innovationen werde versucht gegenzusteuern. Zusammen mit der Integration von Flüchtlingen „sicherlich keine leichte Aufgabe“, eher eine Herausforderung, aber auch eine mögliche Lösung.

Notwendig sei eine ordentliche finanzielle Ausstattung der Städte und Gemeinden, verbunden mit der Unterstützung der Vereine und des ehrenamtlichen Engagements. „Helfen Sie weiter mit, das vielfältige Vereinsleben in der Gemeinde aufrecht zu erhalten“, appellierte Hartmann an die Anwesenden.

Bürgermeister Markus Röth ging in seinen Grußworten auf die finanzielle Lage Grasellenbachs ein. Er ließ das vergangene Jahr vor dem geistigen Auge Revue passieren, sprach aber ebenso die anstehenden Herausforderungen wie Haushalten in Zeiten leerer Kassen und die Unterbringung der Flüchtlinge an.

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