Mit „Grave Digger“ ging’s in Weiher zurück in die Hoch-Zeit des Heavy Metal

Heavy Metal der 80er Jahre „at ist best“: Mit der Gladbecker Band „Grave Digger“ heizten Metal-Haudegen der ersten Stunde kurz vor Jahresende in der Weiherer Sporthalle laut und heftig ein. Passend zum 35-jährigen Bestehen der Gruppe gab’s dazu eineinhalb Stunden lang nur die Songs aus den ungeschminkten und röhrenden Anfangsjahren zu hören. Aber wie: Wummernde Bässe, knallendes Schlagzeug und kreischende Flying-V-Gitarre ließen Konzerterlebnisse aus den 1980ern wieder lebendig werden, als erst ein paar Stunden später das Fiepen in den Ohren nachließ.

Der einzige Verbliebene aus der Originalbesetzung, der von Anfang für das Klingeln in den Gehörgängen sorgte, ist Sänger Chris Boltendahl. Viele Umbesetzungen und auch eine zwischenzeitliche Bandauflösung später waren in Weiher beim Konzert der „Live-Music-Hall“ Stefan Arnold (Drums), Jens Becker (Bass),  Marcus Kniep (Keyboards) und Axel „Ironfinger“ Ritt an der Gitarre dabei.

Arnold und Becker, die Mitte/Ende der 90er Jahre dazustießen, sind neben Boltendahl die dienstältesten Musiker. Axel Ritt ist seit sechs Jahren mit an Bord. Der langjährige Keyboarder Hans-Peter Katzenburg (seit 1998) stieg dieses Jahr aus. Er hatte bei den Auftritten immer geschminkt und verkleidet den „Reaper“ dargestellt.

Ähnlich gemischt ist auch die Zusammensetzung der Fans. Etliche sind mit der Band gealtert, in Ehren ergraut, aber nach wie vor von der handgemachten Musik begeistert. Andere wiederum waren zu der Zeit lange noch nicht geboren, aus der die auf dem Konzert gespielten Songs stammten. Den „80s Birthday Bash“ mit einer speziellen Set-Liste aus Klassikern der Alben „Witch Hunter“, „Heavy Metal Breakdown“ und „War Games“, entstanden 1984 bis 1986, gab es außer in Weiher nur in vier anderen deutschen Städten zu hören.

Schnörkel- und kompromisslos von der ersten bis zur letzten Minute ging die Band zu Werke. Für leise Töne war nur wenig Platz. Exzessive Gitarrenriffs vom Axel Ritt waren Trumpf bei Stücken wie „Get away“ oder dem heiß ersehnten „Heavy Metal Breakdown“, einer Grave-Digger-Hymne der 80er Jahre. „We wanna rock you“, „Fire in your eyes“, „Excalibur“ oder das eher ruhige „Yesterday“ stießen beim Publikum auf frenetischen Applaus.

Das war allerdings nur in überschaubarer Zahl in die Sporthalle gekommen: Um die 200 Fans dürften es gewesen sein, die die Heroen ihrer Jugendzeit oder die Heavy-Metal-Urgesteine aus früheren Jahrzehnten einmal live erleben wollten. Sie wurden aber nicht enttäuscht. Dass er schon seit 35 Jahren auf der Bühne steht, war Chris Boltendahl nicht anzumerken. Und seine Stimme klang schon immer so, als würde er mit Reibeisen gurgeln.

Oder auch mit etwas anderem, wie Boltendahl schmunzelnd bei der Hommage an den vor ein paar Tagen verstorbenen Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister verriet: Der habe alle nicht nur stark musikalisch beeinflusst, „sondern auch in seiner Lebensweise“. Zu seinen Ehren gab’s das Stück „Paradise“ zu hören. Damit traf Grave Digger den Nerv des Publikums, bei dem viele Gäste mit Motörhead-T-Shirts auszumachen machen. Neben anderen Wegbereitern der Heavy-Metal-Musik wie Iron Maiden, Black Sabbath oder Accept.

Auch wenn die Besucherzahl überschaubar war, machten die eingefleischten Fans dies durch ihre Stimmgewalt wieder wett. Das stellten sie nicht nur beim Refrain von „Fire in your eyes“ unter Beweis, sondern auch, als es um die Zugabeforderung ging. So schnell wurde die Band nicht von der Bühne gelassen. Aber auch danach waren die Musiker nicht weg, denn eine After-Show-Party schloss sich an.

Gegründet wurde Grave Digger Ende des Jahres 1980. Im Mai 1984 veröffentlichte die Band ihr Debütalbum „Heavy Metal Breakdown“. Ende 1986 folgte der Namenswechsel in Digger und das Album „Stronger than Ever“. Das hatte kaum noch etwas mit der ursprünglichen Musik gemein. Vielmehr war es der Versuch, die Massen mit Mainstream-Rock zu erreichen. Da das Album floppte, erklärte Chris Boltendahl Ende 1987 die Auflösung der Band.

Doch schon 1991 ging es weiter. Das 1996 erschienene Konzeptalbum „Tunes of War“, welches die schottische Geschichte behandelte, war der Beginn einer Mittelalter-Trilogie. Weitere Konzept-Alben zu Richard Wagner, Edgar Allen Poe oder der griechischen Mythologie folgten. 2014 erschien das neue und konzeptfreie Album „Return of the Reaper“.

Im Vorprogramm sorgten die Heavy Rocker „Motorjesus“ aus Mönchengladbach für schweißtreibende Riffs und heftige Grooves. Damit war die richtige Einstimmung auf den Headliner perfekt. Als Opener durften die Lokalmatadoren von „Tyrant Eyes“ ran, die schon seit einiger Zeit in der Live-Music-Hall keine Unbekannten mehr sind. Einmal im Vorprogramm ihrer großen Vorbilder zu spielen, war für die Band ein besonderes Erlebnis. Mehr Bild hier: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.1076676292376519.1073741888.100001024761983&type=1&l=7b50566bd6

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