Kritische Stimmen zur Mackenheimer Steinbruch-Vertiefung waren im Abtsteinacher Gemeindeparlament in der Mehrheit

Wahrlich nicht einfach machten es sich die Gemeindevertreter mit ihrer Stellungnahme zur geplanten Vertiefung des Mackenheimer Steinbruchs. Nach längerer Diskussion ging es aus wie beim Hornberger Schießen. Da ein Beschlussvorschlag der Freien Wähler keine Mehrheit fand, andererseits es eine – zumindest gefühlte – Mehrheit gegen den weiteren Ausbau gab und kein neuer Vorschlag aus dem Gremium unterbreitet wurde, gibt es nun eben: gar keine Stellungnahme. Entschieden wird über die Vertiefung aber sowieso nicht in Abtsteinach, sondern durch das Regierungspräsidium Darmstadt.

Die durch die Porphyrwerke Weinheim-Schriesheim beantragte Vertiefung war schon zwei Mal Thema in den Gremien und darüber hinaus in einer Info-Veranstaltung seitens der Firma aufbereitet worden. Die jetzt spürbare Ablehnung – oder zumindest die herrschenden Zweifel bei den Gemeindevertretern – hatte sich im Vorfeld nicht so prägnant artikuliert. Zieht man einen Rückschluss zur abgelehnten Stellungnahme, die durch Frank Wetzel (FWV) ausgearbeitet worden war, dann sprach sich damit eine Mehrheit der Mandatsträger gegen eine weitere Nutzung des Steinbruchs aus.

Bauausschuss-Vorsitzender Willy Schröder hatte zuvor über den Vor-Ort-Termin des Gremiums referiert. Dort seien von Bürgern und Anliegern die Themen Lärm, Staub, Erschütterung, Verkehr und Staub angesprochen worden (wir berichteten). Schröder machte darauf aufmerksam, „dass in gleichem Maße wie bisher abgebaut wird“. Auch die Anzahl der Sprengungen oder die der Lkw-Transporte soll gleich bleiben. Nachdem der Steinbruch in seinem bisherigen Ausmaß erschöpft sei, bleibe nur die Vertiefung.

CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Wetzel verdeutlichte, dass man es sich mit dem Thema nicht leicht gemacht habe. Denn es gelte zum einen die wirtschaftliche Seite, zum anderen die Lebensqualität der Bürger zu beleuchten. Die Gemeinde habe wenig davon, wenn sie zwar von einem weiteren Abbau profitiere, aber dadurch andererseits „frustrierte Bürger“ im Ort habe.

Vor zwölf Jahren, so Wetzel, habe man noch für die Erweiterung des Steinbruchs gestimmt, aber jetzt „ist das Maß voll“. Nachdem die Fraktion sich bereits gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets ausgesprochen habe, räume man auch diesmal dem „Wohl der Bürger“, Natur, Umwelt und Heimat Priorität ein und spreche sich gegen die Vertiefung aus.

Ähnlich intensiv beschäftigten sich auch die Freien Wähler mit dem Thema, erläuterte Frank Wetzel. Daraus resultierten unterschiedliche Meinungen zu dem Projekt. Seiner Meinung nach hätten die Gemeindevertreter vor allem die Abtsteinacher Interessen zu vertreten. Für alle anderen Belange sei das Regierungspräsidium zuständig. Die „kontroverse Diskussion“ hat laut Wetzel zutage gefördert, dass verschiedene Kriterien und Interessen abzuwägen seien.

Auch wenn der Betrieb mit Beeinträchtigungen verbunden sei, gebe es andererseits den Bedarf am dort hergestellten Material, sagte Wetzel. Sein unter Nennung der Bedenken formulierter, positiv gehaltener Beschlussvorschlag kam allerdings bei sechs Ja- und sieben Nein-Stimmen – letztere auch aus der eigenen Fraktion – nicht durch.

Angelika Beckenbach (FWV) hatte zuvor moniert, dass beim durch die Firma beantragten verkürzten Genehmigungsverfahren „die Belange der Einwohner zu kurz kommen“. Verschiedene Verbände und Behörden würden gehört, aber eine Bürgerbeteiligung mit der Möglichkeit, Einwände vorzubringen, sei nicht vorgesehen, monierte sie.

Positiv zum Vorhaben äußerte sich Ursula Jonasdofsky (SPD). Man müsse auch die am Steinbruch hängenden Arbeitsplätze und Unternehmen der Region sehen, sagte sie. Um die 150 Leute seien direkt oder indirekt damit in Lohn und Brot. Im Odenwald, so Jonasdofsky sinngemäß, müsse auch Industrie möglich sein, die Orte dürften sich nicht zu reinen Wohn- und Schlafgemeinden entwickeln. Natürlich müsse der Abbau „in einem erträglichen Maß erfolgen“.

Es gehe um eine „Erweiterung im Bestand, nicht ein neues Projekt“, sagte Bürgermeister Rolf Reinhard. Er stehe zur früheren Entscheidung, dass das Werk in den damals festgezurrten Grenzen tätig sein dürfe. „Wir brauchen den Stein“, wies er auf die Notwendigkeit der dort gewonnenen Produkte in vielen Bereichen hin. Letztendlich gehe es um eine Gesamtabwägung. Man dürfe „nicht nur einen Teilaspekt sehen“, so Reinhard.

Klaus Schmitt (CDU) zweifelte grundsätzlich die vorgelegten Zahlen der Porphyrwerke an. In Bezug auf Sprengungen, Lkw-Verkehr und sonstige Belastungen befand er sie entweder als nicht schlüssig oder stellte sie pauschal in Frage. Der sich anbahnende Disput mit Bürgermeister Reinhard endete in der Abstimmung, nach deren negativem Ergebnis einige Fragezeichen auf den Gesichtern standen. Wie Bürgermeister Reinhard auf Nachfrage sagte, werde das Thema aber sowieso nochmal auf die Tagesordnung kommen, wenn es um das Einverständnis der Gemeinde gehe.

 

Geplante Steinbruch-Vertiefung Mackenheim

  • Auftraggeber: Porphyrwerke Weinheim-Schriesheim
  • Vertiefung um 60 bis auf 220 Meter und spätere Wiederauffüllung
  • Fläche: 3,5 Hektar
  • Zusätzliches Gesteinsvolumen: 3,24 Millionen Tonnen
  • Jahresproduktion: 600.000 Tonnen (wie bisher)
  • Rückbau des Vorbrechersockels
  • Abbau-Zeitfenster: bis zu acht Jahre
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