Wald-Michelbacher AWO-Kleiderstube ist eine Erfolgsgeschichte

Seit genau einem Jahr gibt es jetzt die AWO-Kleiderstube in Wald-Michelbach – eine Erfolgsgeschichte. Anlässlich des Jubiläums hatte das Team zu einer „Happy Hour“ mit heißem Punsch in die Räume der Ludwigstraße eingeladen. Viele Gäste folgten gerne der Aufforderung, um gemeinsam die vergangenen 365 Tage Revue passieren zu lassen. Um zurückzublicken, aber auch einen Blick nach vorn zu wagen, denn die Arbeit geht beileibe nicht aus. In den zwölf Monaten seit Start im Dezember 2014 zeigte sich eindrucksvoll, wie groß der Bedarf für die Kleiderstube war und ist.

„Wir sind elf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen“, sagt AWO-Vorsitzende Christine Engesser. „Auch unsere Ehemänner helfen manchmal mit“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Dazu kämen ein bis zwei Flüchtlinge, die ebenfalls mit anpackten. Arbeit haben die Helferinnen beileibe nicht nur während der zwölf Stunden, die die Kleiderstube in der Woche geöffnet ist. Viel Zeit fällt auch außerhalb davon an, erläutert Engesser: „Die gespendeten Kleidungsstücke müssen sortiert, mit der jeweiligen Größe beschriftet, zusammengelegt und nach Größen in die Regale eingeräumt oder auf die Kleiderständer gehängt werden.“

Ihrer Beobachtung nach klappt die Zusammenarbeit der Mitarbeiterinnen gut, die Ehrenamtlichen „ergänzen sich hervorragend“. Die AWO-Vorsitzende stellt daneben eine „konstant gute Resonanz“ auf das Angebot in der Wald-Michelbach fest. Die Zahl der Besucher, die auch aus anderen Überwald-Gemeinden kommen, „hat im Laufe der Monate noch zugenommen“.

„Jeder Winkel der Kleiderstube wird genutzt, um die Sachspenden unterzubringen“, dokumentiert laut Engesser, dass die Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ungebrochen ist. Pro Monat würden etwa 800 bis 1400 Teile weitergegeben. Mindestens ein Drittel davon – in den vergangenen Wochen mit steigender Tendenz – gehe kostenfrei an Flüchtlinge oder andere Bedürftige. Der Rest werde gegen geringe Beträge weitergegeben, so Engesser.

Das einjährige Bestehen ist für sie deshalb ein geeigneter Anlass, um sich bei den vielen Menschen zu bedanken, „die Kleidungsstücke, Schuhe und vieles mehr gespendet haben“. Und die es damit ermöglichten, dass diese neue Besitzer finden und so auch der Lebenszyklus der Kleidungsstücke verlängert werde.

Der Laden sei gefüllt mit Mützen, Schals, Handschuhe, Krawatten, Schuhen, Bettwäsche, Kinderbücher oder Spielsachen, zählt die AWO-Vorsitzende auf. Es gebe auch Decken, Regenschirme, Vorhänge oder Koffer. „Die einzige Umkleide im Laden wird gut frequentiert“, meint sie. Zurzeit benötige man vor allem Winterjacken für Herren (besonders in sehr kleinen oder sehr großen Größen), Kinderkleidung, Winterschuhe in allen Größen und Bettwäsche.

Die Kleiderstube ist aber nicht nur dafür da, damit sich Bedürftige dort mit den benötigten Dingen eindecken können, hat sie beobachtet. „Für einige Besucher ist sie so etwas wie ein sozialer Treff geworden.“ Man komme in gemütlicher Runde für ein Schwätzchen zusammen, wärme sich auch mal ein bisschen auf und nutze die Gelegenheit für einige Zeit in bekannter Gesellschaft.

Nach Abzug aller Kosten wie Miete, Heizung, Strom, Versicherung und Investitionen „kommt der Erlös satzungsgemäß sozialen Zwecken zu“, betont Christine Engesser. In diesem Jahr würden besonders Familien mit behinderten Kindern sowie die Flüchtlingshilfe bedacht, letztere vor allem für Deutschkurse.

Die Gemeinde unterstützt Engesser zufolge die Kleiderstube aktuell mit einem Zuschuss zur Miete, nachdem sie im ersten Jahr diese gemeinsam mit dem AWO-Kreisverband komplett übernommen hatte. Außerdem ermögliche sie die Nutzung eines Lagers, um aktuell nicht gebrauchte Kleidungsstücke und andere Dinge zu deponieren und später darauf zurückgreifen zu können. Auch die Fahrradwerkstatt für die Flüchtlinge habe dort ihren Platz.

Der Gedanke der Kleiderstube kam mit der Betreuung vor mehr als eineinhalb Jahren mit der Betreuung der ersten Flüchtlinge auf, blickt die AWO-Vorsitzende zurück. Damals habe man Kleidung für diese gesucht „und so viel Rückmeldung aus der Bevölkerung bekommen“, dass es bald mehr davon gab als benötigt. Deshalb gab es bald die Idee, „sie auch anderen Bedürftigen anzubieten“.

Neben dem sozialen spielt laut Engesser auch der ökologische Aspekt eine Rolle. Es gehe darum, „Ressourcen zu sparen und Gebrauchtes wiederzuverwenden“, wolle sich die Kleiderstube daneben nicht in die Wegwerfgesellschaft einreihen. „Wir haben lange nach einem geeigneten Raum gesucht“, meint sie im Blick zurück. Der jetzige habe sich dann eher per Zufall ergeben. Skeptische Stimmen zu Beginn seien längst verstummt. „Die Kleiderstube wird stark und immer besser angenommen“, bilanziert die AWO-Vorsitzende.

Info: Die AWO-Kleiderstube ist in der Ludwigstraße 108, Wald-Michelbach, zu finden. Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 14 bis 17 Uhr, Dienstag und Samstag von 10 bis 13 Uhr.

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