Silke Reimund von der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft sprach beim Verein Luna über „Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald“

„Wasserschutz und Landwirtschaft im Überwald“ war das Thema eines Vortrags von Landwirtschaftsmeisterin Silke Reimund. Den hielt sie auf Einladung des Kocherbacher Vereins „Luna“ im Affolterbacher Dorfgemeinschaftshaus. Eine erfreuliche große Anzahl von Besuchern war gekommen, um dem fachspefizischen Referat der AGGL-Mitarbeiterin zu lauschen. Diese sprach zunächst allgemein über die Aufgaben der Arbeitsgemeinschaft Gewässerschutz und Landwirtschaft, ehe sie dann im weiteren Verlauf des Abends näher auf den Bereich Überwald einging.

In einem begrenzten Raum wie dem Bereich Wald-Michelbach mit fünf, großen von der Milchwirtschaft lebenden Landwirten sind laut Reimund Beeinträchtigungen der Bevölkerung fast unvermeidbar. Eventuelle „schwarze Schafe“ würden ein schlechtes Bild auf andere, korrekt arbeitende Kollegen werfen. Denn der Bürger könne schlecht unterscheiden, wer bei einem bestimmten Vorfall Verursacher sei. „Dadurch wird dann schnell verallgemeinert“, sagte sie.

Zu den „negativen Begleiterscheinungen“ der Intensivlandwirtschaft zählte sie den verstärkten Maisanbau, eine hohe Verkehrsbelastung oder in Ernte- und „Güllefahrzeiten“ zu schnelles und wenig rücksichtsvolles Fahren. Durch vermehrtes Gülleausbringen in „Hofnähe“ gebe es eine verstärkte Geruchsbelästigung und folgend einen Verlust an Lebensqualität in der benachbarten Wohnbebauung. Auch ergebe sich ein „Zielkonflikt“ mit Naherholung und Tourismus.

Reimund erläuterte, dass eine Milchkuh täglich zwischen 100 und 150 Liter Wasser benötige. Sie gebe 30 bis 50 Liter Milch und produziere 70 bis 100 Liter Gülle. Hinter jeder Milchkuh gebe es noch zwei Jungkühe, um den Bestand immer wieder aufzufüllen. Dies summiere den Gesamtbestand in einem Hof mit etwa 100 Milchkühen auf ungefähr 300 Tiere. Das Trinkwasser in Wald-Michelbach sei jedoch immer hervorragend getestet, betonte Reimund. Als Grund nannte sie, dass die Gemeinde im Besitz der jeweiligen Grundstücksflächen an den Brunnen sei.

Die 44-jährige Bauerntochter, die selbst schon als Betriebsleiterin tätig war, wies auf den Wunsch nach ländlicher Idylle und das daraus entstehende Spannungsfeld in der Realität durch die Nutzung des Landes hin. Die AGGL setze die europäische Wasserrahmenrichtlinie im Odenwald um, erläuterte sie. Vor dem Hintergrund des Flächenverbrauchs sei es wichtig, dass „Grundwasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht“. Schwerpunkt sei der Wasserschutz mit Blick auf den Nitratgehalt. Hier könne man schöne Erfolge verzeichnen, denn der sei bei 90 Prozent der Brunnen stabil bis sinkend.

Sie informierte im Folgenden ausführlich über die Arbeit der AGGL. Diese gebe Düngeempfehlungen ab oder erstelle einen vegetationsbegleitenden Nitracheck. „Zentrale Maßnahme für einen vorbeugenden Gewässerschutz sei der Zwischenfruchtanbau, Auch Soja-Anbau und Grünlandtag seien bei der Arbeitsgemeinschaft angesiedelt. „Die Landwirte sind für neue Ideen offen, aber die Vermarktung muss stimmen“, postulierte sie.

In der regen, aber fairen und konstruktiven Diskussion erläuterte Ortslandwirt Norbert Emig die schwierige Situation der hauptberuflichen Landwirte. Es bestehe die Gefahr der Rückzahlung von Subventionen, wenn bestimmte ökologische Verfahrensweisen nicht funktionierten – was die Bauern davor zurückschrecken lasse. Seine Ausführungen führten aus dem Publikum zu Schilderungen über die Gülleausbringung, insbesondere in der Nähe von Fließgewässern. Die Referentin verstand die Aufregung über dieses „nach der Düngeverordnung rechtswidrige Verhalten“. Sie empfahl, es auf Fotos festzuhalten und beim Landwirtschaftsamt zur Anzeige zu bringen.

Gerhard Ader vom Verein Luna, der sich die Förderung umweltverträglicher sowie nachhaltiger und artgerechter Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, bedankte für den sehr informativen Vortrag und verwies darauf, dass unter anderem solche geschilderten Vorgehensweisen zur Gründung geführt hätten. Ab nächstem Jahr, kündigte er an, werde auf etwa 20 Hektar Fläche, die dem Verein gehören oder dieser gepachtet habe, keine Gülledüngung mehr stattfinden.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Karin Schmitt hatte ihr Mann und Vereinsschriftführer Bernhard einen kurzen Abriss über den Verein gegeben. Dieser, vor einem Jahr gegründet, zähle nach einem Anfangsstand von 19 inzwischen 50 Mitglieder. Als bisherige Aktivitäten nannte er die Anlegung des Hühnergeheges und die Verkauf von Öko-Eiern, Heuernte, Kräutergarten und Anpflanzung von Streuobstbäumen.

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