Vortrag über Windenergie in Wahlen: Infraschall produziert schon der Wind selbst

„Wissen mindert Ängste“ hatte Jürgen Sattler seinen Vortrag über Windenergie betitelt. Dass er damit den Nerv in der Bevölkerung traf, bewies die aus allen Nähten platzende „Gudd Schdubb“ des veranstaltenden Geschichts- und Kulturvereins im Feuerwehrhaus. Eilig mussten noch mehr Stühle herbeigeschafft werden. Der Wahlener Jürgen Sattler erstellt für den Neckar-Odenwald-Kreis die fachtechnischen Stellungnahmen zu immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren unter anderem für Windenergieanlagen (WEA).

Auf Geräuschentwicklung, Schatten- und Eiswurf ging der Referent in seinem Referat vorrangig ein, nachdem er die Geschichte der Windkraft und den derzeitigen Ausbaustand in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren beleuchtet hatte. Inzwischen gebe es 25.000 WEA, relativ wenige in den südlichen Bundesländern.

Sattler machte im Folgenden mit den Richtwerten vertraut, die in den verschiedenen Gebieten eingehalten werden müssen. Dabei könnten sie je nach Definition einige Unterschiede ergeben. In einem reinen Wohngebiet, so der Referent, seien die Immissionsrichtwerte mit 35 Dezibel (A) in der Nacht am geringsten, es folgten allgemeines Wohngebiet (40 dB) und Dorfgebiet (45 dB nachts).

In Fünfer-Schritten bewegten sich entsprechend auch die Grenzwerte tagsüber ab 50 dB (A) aufwärts, erläuterte er. In Kurgebieten oder bei Krankenhäusern sei der Tageswert mit 45 dB (A) am geringsten (35 dB nachts). Der Fachmann machte außerdem deutlich, dass die Immissionen der schon vorhandenen Betriebe oder Werkstätten mit in die Messung einberechnet würden.

Sattler warnte aber gleichzeitig davor, die Werte einer eigenen Messung für bare Münze zu nehmen. Dazu spielten noch zu viele andere Faktoren mit rein, die dem Laien vielleicht gar nicht bekannt seien. Ihm gehe es darum, der Bevölkerung Details über Windkraft zu vermitteln und mit Vorurteilen aufzuräumen. „Die Leute sollen wissen, was auf sie zukommt“, sollte in der Nähe eine WEA errichtet werden.

Deshalb war das Thema Infraschall ein Schwerpunkt seines Vortrags. Denn der, so Sattler, komme bereits überall in der Natur und im Haushalt vor und werde nicht allein durch WEA produziert. Seien es der Kühlschrank oder die Heizung oder allein schon der Wind. Auch Gewitter oder Meeresrauschen sorgten für Infraschall. Eine Untersuchung in Baden-Württemberg habe gezeigt, dass sich in 700 Meter Entfernung von einer WEA nicht mehr feststellen lasse, ob der gemessene Infraschall von dieser oder vom natürlichen Wind stamme.

„Ich hadere etwas mit den blinkenden roten Lämpchen“ an der Spitze der WEA, bekannte Sattler. Hier gebe es zwar bereits eine Alternative in Gestalt des „Airspex-Systems“, die sei aber teuer und gerade für die Betreiber von kleinen Windparks daher unattraktiv. Ein Laser und Radar gesteuertes System, das 600 Meter in die Höhe und vier Kilometer in die Weite reiche, schalte sich dabei je nach Bedarf ein. Dem Fachmann schwebte vor, dass es vielleicht irgendwann einen Bonus seitens der Bundesregierung gebe, damit dieses System für die Betreiber wirtschaftlich eingebaut werden könnten.

Einige inhaltliche Rückfragen aus dem Plenum waren für den Referenten schnell zu beantworten. Sattler freute sich daneben über die „sachliche Atmosphäre“ während seines Vortrags. Ein etwas größerer Punkt war der Vogelschutz. Hier wurde die Gefahr genannt, dass durch die Rodung für die WEA Wiesen entständen, die dann zum Jagdgebiet etwa des gefährdeten Rotmilans würden. Wodurch dieser noch mehr gefährdet werde. Deshalb, erläuterte der Referent, müssten diese Flächen mit schnell wachsenden Pflanzen wieder aufgeforstet werden, damit genau das nicht passieren könne.

30 Windenergieanlagen (WEA) im Neckar-Odenwald-Kreis werden von Jürgen Sattler derzeit auf die Einhaltung der immissionsschutzrechtlichen Bestimmungen und der zulässigen Lärmrichtwerte überwacht und kontrolliert. Er sei in Mosbach seit zehn Jahren für Bau- und Betriebsüberwachung zuständig, sagte er. Der Fachmann berichtete aus seinen Erfahrungen in der Praxis, aus dem täglichen Betrieb. Ihm war es wichtig zu schildern, wann sich Bürger möglicherweise zurecht beschwerten, aber auch, was ihnen seitens des Gesetzgebers zugemutet werde. (Beispielbild)

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