Stimmgewaltige Männerchöre boten eine große Gala: Abschluss der Feierlichkeiten zum 140-jährigen Bestehen des MGV Unter-Schönmattenwag

Besser hätte ein großer Chorabend nicht zu Ende gehen können: Die „Liedertafel“, quasi ein Best-of-Chor mit Sängern aus dem Limburger Raum, dirigiert von Jürgen Faßbender, zeigte zum Schluss der zweiten Überwälder Chorgala, warum sie im vergangenen Jahr deutscher Chorwettbewerbssieger geworden war. Da saß jeder Ton, stimmte jeder Einsatz, harmonierten die Bewegungen mit dem Gesang. Kurzum: Chorgesang in dieser Qualität ist eine Ausnahmeerscheinung. Die Zuschauer im voll besetzten Haus des Gastes honorierten diese perfekte Darbietung mit tosendem Applaus.

Laut Jürgen Beier, der für den veranstaltenden MGV Sängerbund durchs Programm führte, holte die Liedertafel in diesem Jahr schon wieder zwei Golddiplome bei einem internationalen Chorwettbewerb in Wernigerode. Wer den großen Männerchor mit seiner starken, bühnenfüllenden Präsenz in Schönmattenwag erlebte, wusste auch warum. In sieben Stücken plus zwei Zugaben bot die Liedertafel einen bunten, mitreißenden Querschnitt ihres breiten Könnens.

Dem „Cantate“ von Richard Strauss schloss sich ein „O sacrum convivium“ an, das mit seinem mächtigen, den ganzen Saal ausfüllenden Halleluja bis in den letzten Winkel drang. Die „Past Life Melodies“ von Sarah Hopkins verbanden einen Choral mit der Musik der australischen Ureinwohner, der Aborigines. Wie hier zum Schluss das Didgeridoo durch Oberton-Gesang allein durch Männerstimmen nachempfunden wurde, war eine Klasse für sich.

Aber auch die weiteren Stücke standen dem in nichts nach. Ob ein voll tönendes, beschwingtes „Mit 66 Jahren“ (Faßbender ausgenzwinkernd: „Ein Tribut ein das Durchschnittsalter der Männerchöre“) oder die Eigenkomposition „Lauch“ mit Solist Tobi Palmer: Begeisterter Beifall war dem Chor gewiss. Mit der Zugabe setzte die Liedertafel sogar noch einen drauf, auch wenn dies keiner mehr für möglich gehalten hatte: Aus „Oh du lieber Augustin“ wurde mitten im Lied erst stakkato-artiger Sprechgesang, dann ein formidabler Rap-Contest. Besser geht’s nicht.

Den Auftakt zu einem denkwürdigen Abend und krönenden Abschluss der Feierlichkeiten zum 140-jährigen Bestehen des MGV Unter-Schönmattenwag machten die Gastgeber-Chöre unter der Leitung von Hans-Joachim Karl. Männer- und Frauenchor zeigten eindrucksvoll, dass sie in allen musikalischen Sparten zuhause sind. Ob Kyrie oder Minnelied, ob Spiritual oder Volkslied: Die MGV-Sänger beherrschen die gesamte Bandbreite der Chorliteratur.

Der R&B-Klassiker „Fever“ in einer Cover-Version für Chor oder das Spiritual „Roll Jordan Roll“ waren weitere Highlights, bei denen sich die Gastgeber in bestem Licht und mit voller Sangeskraft präsentierten konnten. Kontrapunkt zu diesen eher schnelleren Stücken waren das Volkslied „Am Brünnele“ oder „Vive l’amour“ mit einem Solo des MGV-Vorsitzenden Christian Jöst.

Da Chorleiterin Katharina Blattmann aufgrund einer CD-Einspielung mit dem Saarbrückener Kammerchor verhindert war, übernahm Karl auch das Dirigat des Frauenchors. Dieser stellte sich mit drei Liedern den Gästen vor: „May it be“ aus dem Film Herr der Ringe, „Da unten im Tale“, ein süddeutsches Volkslied aus der Feder von Johannes Brahms, und einem swingenden R&B-Klassiker, „Goodnight Sweetheart“.

Dann waren die Gäste an der Reihe: Den Anfang machte der Männerchor aus Dehrn mit seiner über 160-jährigen Tradition. Chorleiter Sebastian Kunz wies auf die aktuellen Bezüge von Liedern wie „Der Tambour“ aus der Feder von Hugo Kistler und dem „Miserere“ von Piotr Janczak hin. Besonders beeindruckend hier das vierstimmige „Anima“ und das Zusammenwirken der verschiedenen Männerstimmen. „I want to go to heaven“ mit einem stimmgewaltigen „My Lord“ als Abschluss heimste so viel Beifall ein, dass der Chor spontan ein „Down by the riverside“ nachschob.

Somborn, laut Beier „einer der stärksten Chöre im hessischen Chorverband“, konzentrierte sich unter der Leitung von Dr. Martin Trageser zuerst auf die eher getragenen, besinnlichen Weisen. „Der Panther“, die Vertonung eines Rilke-Gedichts durch Alwin Schronen, stach hier mit seinem „ungewöhnlichen Satz mit vielen ungewöhnlichen Akkorden“ (Trageser) besonders heraus.

Dass die Somborner aber auch anders können, zeigten sich im beschwingten bolivianischen „U poquito cantas“. Einem lauten Olé als Abschluss folgte donnernder Applaus. Dann der Genrewechsel zum Musical: Mit „Can you feel the love tonight“ aus dem König der Löwen bewies der Männerchor die gesamte Bandbreite seiner Sangeskunst. Er wie auch die anderen Chöre wurden mit lang anhaltendem Beifall bedacht.

„Das ist der krönende Abschluss unseres Jubiläumsjahres“, zeigte sich MGV-Vorsitzender Christian Jöst von der Überwälder Chorgala begeistert. Die Vorbereitung für diesen besonderen Abend habe „super geklappt“. Der ganze Verein habe wie auch beim den Schönmattenwager Chortagen im Juni mit über 3000 Teilnehmern in bewährter Manier mitgezogen und sei im Einsatz gewesen.

Jöst bezeichnete den Abend mit den drei außergewöhnlichen Gastchören als „unser Geschenk an alle Helfer, Gäste, Mitglieder und Sponsoren“. Alle hätten „im Jubiläumsjahr Außergewöhnliches geleistet“. Ohne ihre Mithilfe wäre das dreitägige Event im Juni gar nicht möglich gewesen. Er erwähnte in diesem Zusammenhang besonders Chorleiter Hans-Joachim Karl, der es immer wieder schaffe, „mit uns Höchstleistungen abzurufen“.

Der Vorsitzende freute sich über die große Wertschätzung, die der MGV im gemeindlichen Leben genieße. Das zeige sich auch an diesem Abend wieder durch den Besuch von Bürgermeister Joachim Kunkel, von Gemeindevertreter-Vorsitzendem Nothung Köhler und des Ortsvorstehers Hans-Dieter Martin. Aber natürlich ebenso durch das Interesse der Bevölkerung in Form eines vollen Haus des Gastes.

Als Nachklapp zum vielumjubelten Jubiläumswochenende im Juni gibt es auch eine Doppel-Live-CD. Auf die ließ der MGV „nur die besten Chöre vom Wochenende der Wettbewerbe“ in Form ihrer Darbietungen pressen. Also solche, die den Klassensieg in ihrer Klasse oder die Tagesbestleistungen errungen. Dazu zählen Lindenholzhausen, Bernbach, Cleeberg, Sindlingen, Saulheim, Birkenau oder Baiertal. Insgesamt sind 19 Chöre mit über 50 Titeln auf den beiden Silberlingen vertreten. Erhältlich ist sie unter Telefon 06207-9257939. Auch die jetzige Chorgala soll ihren Weg auf einen gepressten Silberling finden, kündigte Jürgen Beier seitens des MGV an.

IMG_0977 - Kopie IMG_0983 - Kopie

IMG_0981 - Kopie

Advertisements