Mischwaldbestände sind laut Hardberg-Revierförster Jürgen Lampert „bestmögliche Risikovorsorge gegen Sturm, Borkenkäfer oder Klimaerwärmung“

Als „bestmögliche Risikovorsorge gegen Sturm, Borkenkäfer oder Klimaerwärmung“ bezeichnet Revierförster Jürgen Lampert den „Umbau“ reiner Nadelholzbestände in „standortgerechte Mischbestände“. Denn: „Je breiter der Bestand, desto stabiler ist er“, weiß der Leiter des Hardberg-Reviers. Die natürliche Verjüngung gehe dabei einher mit der Pflanzung von Buche oder Tanne sowie Bergahorn (auf Granitboden).

In seinem Tätigkeitsbereich gebe es viele „mittelalte Fichtenbestände“, erläutert Lampert. Für die Anpflanzung von Buchen suche man kleine Lücken und siedele die Laubbäume gezielt dort an. Dann könnten sich dort in Zukunft drei bis vier Buchen „selbst wieder verjüngen“. Gleiches gelte auch für die Tanne. Der Bergahorn, so der Förster, „wächst schnell und trotzt der Brombeere“. Innerhalb von zwei Jahren habe er sie auf Granituntergrund unter sich gelassen. Insgesamt, betont er, wurde in punkto Waldverjüngung „in den vergangenen zehn Jahren viel erreicht“.

Buche und Tanne, weiß Lampert, „wurzeln tiefer als andere Bäume“ und stabilisierten deshalb den Wald. Somit sei ein Mischbestand „bei Sturm stabiler“. Auch „fällt nicht alles um“, sollte einmal ein Orkan kommen. „Der Borkenkäfer geht vor allem an die Fichte“, sagt Lampert. Deshalb sei auch hier ein Mischwald von Vorteil, weil dann andere Bäume erhalten blieben. Und schließlich: „Buche und Douglasie kommen besser mit der Klimaerwärmung zurecht.“

Als „wichtigste Tätigkeit eines Revierleiters“ bezeichnet Lampert das Auszeichnen und Markieren der Bäume. Dies auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. Denn es solle nur so viel Holz geschlagen werden „wie nachwächst“. Diesem Grundsatz komme man seit 300 Jahren nach. Und damit eben die richtigen Bäume fallen, ist der Förster mit seinen Markierungen gefragt.

Im Bereich des Forstamts Beerfelden, sagt Lampert, „gibt es hier mit den höchsten Anteil von Privatwald-Besitzern“. Etwa 500 seien es im Hardberg-Revier, die durchschnittlichen einen Hektar Wald besäßen. Es gebe sogar eine „inhomogene Struktur“ von 0,1 bis zu 15 Hektar. Deren Betreuung „liegt mir am Herzen“, so der Förster. Man habe eine sehr unterschiedliche Klientel vom Landwirt bis zum Arzt. „Ich komme mit allen prima klar“, sagt Lampert. So werde in Absprache mit den Partien eine gemeinsame Holzernte durchgeführt. Das sei „der Vorteil eines Einheitsforstamts, weil alles aus einer Hand geschieht.“

Durch die jetzt erfolgte Erhöhung der Gebühren für die Privatwald-Besitzer durch Hessen-Forst könnte eben dieses Einheitsforstamt gefährdet sein, befürchtet Lampert. Denn sollte in den kommenden Jahren auch im Kommunalwaldbereich eine Erhöhung kommen, „könnten die Gemeinden ausscheren“. Gerade ein solches Mischrevier wie das am Hardberg werde dadurch vor große Probleme gestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit sieht der Revierförster in Wegebau und -erhaltung. Die Gemeinden, betont er, hätten „großes Interesse“ an deren gutem Zustand. Zum einen vor dem Hintergrund der Erholungsfunktion, zum anderen sollten die ausgewiesenen Radwege in Schuss gehalten werden. Auch stehe ein punktueller Neu- oder Ausbau der Wege an.

Im Bereich Gadern sei die für 2016/17 angestrebte Flurbereinigung auf 600 Hektar ein großes Projekt. Das sei, stellt Lampert heraus, das erste seiner Art im Überwald. Mit einer Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro gehe es darum, eine bessere Erschließung der einzelnen Grundstücke mit Blick auf deren Bewirtschaftung zu erreichen.

Derzeit ist der Revierförster mit der Vorbereitung des im Januar startenden Wintereinschlags beschäftigt. Der besteht aus 80 Prozent Buchen und Eichen. Das Laubholz bilde im ersten Quartal 2016 den Schwerpunkt, weil es außerhalb der Vegetationsperiode gefällt werden müsse. „Dann bekommen wir eine bessere Holzqualität“, weiß Lampert, denn sonst „geht es ziemlich schnell kaputt“. Der Nadelholzeinschlag wiederum sei ganzjährig möglich.

Das Holz aus dem Überwald macht sich danach auf einen weiten Weg. „Ich stehe in Kontakt mit Käufern, die nach China exportieren“, berichtet der Förster. Das habe aber nichts mit der besonderen Qualität der hiesigen Hölzer zu tun. „Die haben dort einfach Holzmangel“, gibt es für ihn einen ziemlich einfachen Grund.

 

Revier Hardberg in Stichworten

Das Forstrevier Hardberg, zugehörig zum Forstamt Beerfelden, umfasst komplett Abtsteinach, weiter die Gemarkungen Gadern, Kreidach, Siedelsbrunn sowie teilweise Wald-Michelbach und Ober-Schönmattenwag. Es erstreckt sich westlich des Ulfenbachs von der badischen Grenze bis hin zum Steinbruch Mackenheim und zur Tromm.

Von den 1600 Hektar Fläche gehören etwa 500 Privatwald-Besitzern, 560 Wald-Michelbach, 110 Abtsteinach und 430 sind Staatswald.

Der Laubholz-Bestand mit Eiche und Buche ist mit 40 Prozent relativ hoch im Vergleich zu anderen Überwald-Forstämtern. Nadelholz hat einen Prozentsatz zwischen 46 und 59 Prozent, Kiefer und Lärche zwischen fünf und zwölf Prozent.

Der hohe Laubholz-Anteil kommt durch den im Vergleich hohen Anteil an Granit-Untergrund (20 Prozent) zustande. Zu finden ist dieser auf einer Linie zwischen der Tromm und Siedelsbrunn. Auf dem Buntsandstein (80 Prozent) dominiert Nadelholz. Die jährlichen Niederschläge bewegen sich über 1000 Millimeter.

Besonderheiten des Reviers sind mit dem Hardberg (Staatswald) und dem Zollstock (Wald-Michelbach) zwei geschlossene Waldkomplexe. Im Rest gibt es eine Gemengelage von Staats-, Gemeinde- und Privatwald. Bei der Flurbereinigung Gadern liegt der Schwerpunkt auf dem Wegeausbau. Außerdem gehört zum Hardberg-Revier das Naturschutzgebiet Eiterbachtal/Lichtenklinger Hof.

Revierförster Jürgen Lampert ist ein echter Wald-Michelbacher. Der verheiratete 51-Jährige arbeitete nach dem Studium zehn Jahre in der Forstabteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt, hatte danach zwei Jahre die Bereichsleitung im Forstamt Beerfelden inne, bevor er Revierleiter am Hardberg wurde.

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