40 Teilnehmer folgten der Einladung der Jagdgenossenschaft Unter-Schönmattenwag zur Waldbegehung

„Es war ein richtiger Familienerlebnistag“, beschreibt Revierförster Alex Scheuermann die Waldbegehung der Jagdgenossenschaft Unter-Schönmattenwag. Um die 40 Leute „zwischen sechs und 85 Jahren“ wanderten auf sieben Kilometern rund um Adlerstein, Kautzenkopf, Rinke, Schönbrunn und Haselhecke bis nach Eiterbach.

Die bunt gemischte Schar ließ es dabei gemütlich angehen. Bei herrlichen Sonnenschein konnte bei der Wandergaststätte Schönbrunn die Pause sogar im Freien eingelegt werden. Abschluss war im Gasthaus „Krone“ in Eiterbach. Bis dahin wanderte die Gruppe auf breiten Wegen und schmalen Pfaden über drei Stunden sowohl im Ulfen- als auch im Eiterbachtal sowie genoss den herrlichen Herbstwald auf den Höhenrücken.

Beim Adlerstein hatte Alex Scheuermann allerlei Wissenswertes parat. Unter anderem über den alten Grenzstein zwischen Wald-Michelbacher Cent, Kurpfalz und Kurmainz. Der historische „Dreimärker“ von 1792 zählt zu den wertvollsten im Odenwald. Auf der einen Seite befindet sich der Doppeladler des alten Reichs deutscher Nation (daher auch der Name „Adlerstein“). Die rechts und links des Wappentiers eingemeißelten Buchstaben G und B wurden nach 1806 angebracht und bedeuten Großherzogtum Baden. Sie stehen für den Schönauer Kameralwald, der sich südwestlich anschließt.

Auf den beiden anderen Seiten des Steins sind zum einen das Mainzer Rad mit den Buchstaben G und H für Großherzogtum Hessen (Kurmainz), zum anderen das Ortswappen von Wald-Michelbach, der Rost des hl. Laurentius mit den Buchstaben W und C für Wald-Michelbacher Cent, zu sehen. Auf dem Kopf des Grenzsteines steht „Ge-lait-stein“, ein Hinweis dafür, dass dieser auch Grenze des Geleitschutzes für Kaufleute aus dem Kurpfälzischen war.

Früher, erläuterte Scheuermann, gab es dort Grundstücke von Schönbrunnern Bürgern. Doch sie lagen zu weit von der Siedlung weg, weswegen nach dem Zweiten Weltkrieg im Gebiet Haselhecke gerodet und dann die dortigen Parzellen mit denen beim Adlerstein getauscht wurden. Bei der Rodung, heißt es im Volksmund, halfen auch die gerade in der Gegend befindlichen Amerikaner mit ihren Panzern aus.

Auf dem Kautzenkopf, war vom Revierförster weiter zu erfahren, erinnert der „Pilzstein“ an einen dort 2003 verunglückten Waldarbeiter. Im Bereich der Rinke erklärte er Verschiedenes zum Thema Waldbild und ging auch auf die verschiedenen Brunnen ein. Diese dienten früher den Forstarbeitern als Wasserquelle, wenn sie nach anstrengender Arbeit durstig geworden waren. Heute seien sie kaum noch bekannt. Von der Haselhecke führte ein kleines Pfädchen Richtung Eiterbachtal. Zwischendurch ging es auch um das Thema Waldbewirtschaftung.

Scheuermann wies daneben auf die Vielfältigkeit des Waldbestands hin. In der Rinke gebe es mehr Fichten, woanders wiederum Buchen, Kiefern und Eichen. Das komplette Revier habe Buntsandstein als Untergrund. Es sei zusammen mit anderen Odenwald-Forstrevieren „eines der vorratsreichsten in Hessen“. Alle Baumarten seien vertreten, „der Buchen-Anteil ist enorm gestiegen“.

Damit eine Waldverjüngung Richtung Buche, wie sie Scheuermann seit zehn Jahren betreibt, erfolgreich sein kann, bedürfe es auch „eines hohen Abschusses“. Denn sonst würden die jungen Bäume flugs wieder aufgefressen. Die Wildschweinschäden waren vor allem im Bereich Schönbrunn ein Thema. Obwohl hier vor kurzem einige Tiere geschossen worden seien, „kommen die Tiere trotzdem auf die Wiesen“, sagte der Förster.

Laut Scheuermann hat dies damit zu tun, dass die Wildschweine derzeit im Wald sehr viel pflanzliches Eiweiß fänden. Doch um dieses „aufschließen“ zu können, benötigten die Tiere das Vitamin B12. Das wiederum gebe es in Form von tierischem Eiweiß durch Engerlinge oder Käfer, die auf Wiesen zu finden seien. „Die Jagd“, so der Förster, sei ganz wichtig, „damit nicht alles kahl gefressen wird“.

Scheuermann zog ein sehr positives Fazit der Tour. „Sonnenschein ohne Ende“ und ein „gigantischer Herbstwald“ hätten ihren Teil dazu beitragen. Nach der guten Resonanz in den vorangegangenen Jahren somit wieder eine Waldbegehung, die bei den Teilnehmern bestens ankam.

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